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Bündner Regierung will italienischsprachige Medienlandschaft stärken

Die mediale Versorgung in Südbünden bietet Potenzial für Verbesserungen, wie Analysen zeigen. Als Reaktion darauf initiiert die Bündner Regierung zwei Projekte, um das Angebot zu stärken.

Südostschweiz
09.04.24 - 10:11 Uhr
Graubünden
Auch Journalismus stärken: Durch die Projekte soll unter anderem eine angemessene journalistische Leistung in italienischer Sprache über die aktuellen Ereignisse in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft gewährleistet werden.
Auch Journalismus stärken: Durch die Projekte soll unter anderem eine angemessene journalistische Leistung in italienischer Sprache über die aktuellen Ereignisse in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft gewährleistet werden.
Symbolbild Freepik 
Die Bündner Regierung hat beschlossen, die mediale Versorgung der italienischsprachigen Bevölkerung in Südbünden durch zwei Projekte zu verbessern. Dies geht aus einer Mitteilung vom Dienstag hervor. 

Im Vergleich zu den Angeboten in rätoromanischer und deutscher Sprache sei die italienischsprachige Medienlandschaft in Südbünden eingeschränkter, heisst es in der Mitteilung. Die Südbündner Medienunternehmen stehen vor verschiedenen Herausforderungen, darunter der Mangel an journalistischem Nachwuchs, veraltete Infrastruktur, der Übergang von Print zu Digital, die Anziehung jüngerer Leserschaften sowie ein kleiner Nutzer- und Werbemarkt.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wird zum einen die bisherige 50-Prozent-Stelle des Servizio Valli Italofone dei Grigioni (SVI) von Keystone-SDA erweitert. Zum anderen wird eine neue digitale Plattform namens E-Grigionitaliano ins Leben gerufen.

Medienförderung der Sprachminderheiten

Gemäss Mitteilung basiert die Entscheidung auf einer detaillierten Analyse. Schon ein Bericht von 2022 habe die Notwendigkeit unterstrichen, die Medienförderung auf die sprachlichen Minderheiten im Kanton zu konzentrieren, mit aktuellem Schwerpunkt im Bereich der Medienlandschaft Italienischbündens. Anschliessend hat das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement die Firma KMES in Zürich damit beauftragt, Unterlagen für die Entscheidung zur Medienförderung in Italienischbünden zu erstellen.

Im März 2023 diskutierte man diesen Bericht mit den wichtigsten Akteuren wie Medienvertretenden, Pro Grigioni Italiano und dem Südbündner Medienverband Info Grigione, woraus schliesslich die aktuellen Massnahmen hervorgingen.

Aufbau und Betrieb einer gemeinsamen E-Plattform

Einerseits soll im Rahmen eines Teilprojekts noch in diesem Jahr die Stelle beim SVI von Keystone-SDA in Chur von aktuell 50 Prozent auf 100 Prozent erhöht werden. Ab 2026 kommt noch eine Verstärkung um 60 Prozent hinzu, verteilt mit je 20 Prozent in der Valposchiavo, in der Bregaglia und in der Moesano. Ziel sei es, die Berichterstattung in italienischer Sprache zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zu verbessern, schreibt die Regierung weiter. Keystone-SDA bleibt für die redaktionelle und personelle Leitung zuständig.

Das zweite Projekt umfasst die Entwicklung einer gemeinsamen Online-Plattform für die Medien des Vereins Info Grigione. Die Plattform E-Grigionitaliano nutzt laut Mitteilung neuste Technologien, um Inhalte aus der Region zu verbreiten und Übersetzungen zu unterstützen. Zudem könne darüber auch die Zusammenarbeit im Bereich der Aus- und Weiterbildung zentral organisiert werden.

Die Bündner Regierung sieht vor, die Plattform von regional verankerten Dienstleistern erarbeiten zu lassen. Laut Mitteilung sind für das Projektmanagement neben Projekt- und Journalismuskenntnissen auch eine starke regionale Verankerung wichtig.

Geld vom Kanton und dem Bund 

Wie es weiter in der Mitteilung heisst, sind ab 2024 jährliche Kantonsbeiträge in der Höhe von 220’000 Franken für beide Projekte vorgesehen. Zudem beteiligt sich der Bund im bisherigen Rahmen finanziell an den Vorhaben.

Die Projekte zielten nicht darauf ab, einzelne Unternehmen zu retten, heisst es weiter. Der Fokus wird laut Bündner Regierung darauf liegen, ein unterstützendes Element für das Gemeinwesen in Bereichen zu bieten, die demokratiepolitisch und gesellschaftlich relevant sind, jedoch nicht ausreichend durch den Markt finanziert oder nachgefragt werden. (red)

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