30 Jahre Volley-Näfels-Fan: Mit dem Club würde für sie ein Stück Familiengeschichte enden
Die 42-jährige Martina Steiner aus Näfels ist seit 30 Jahren Fan von Volley Näfels und verpasst kaum ein Heimspiel. Sie spricht über ihren Werdegang, Faszination Volleyball und persönliche Emotionen.
Die 42-jährige Martina Steiner aus Näfels ist seit 30 Jahren Fan von Volley Näfels und verpasst kaum ein Heimspiel. Sie spricht über ihren Werdegang, Faszination Volleyball und persönliche Emotionen.
Köbi Hefti
Volley Näfels kämpft ums Überleben. Der Verein braucht dringend Geld, um die Existenz zu sichern. Der Verein veranstaltet ein Crowdfunding, um das nötige Geld zusammenzubringen. Denn ein Aus hätte nicht nur Auswirkungen auf den Spitzensport in Näfels, sondern auch auf die grosse Juniorenabteilung des Vereins.
Das drohende Ende von Volley Näfels beschäftigt aber auch die Fans des Vereins. Zum Beispiel Martina Steiner aus Näfels. Sie erzählt uns ihre ganz persönliche Volley-Näfels-Geschichte im Interview.
Martina Steiner, weshalb verpassen Sie praktisch kein Heimspiel von Volley Näfels?
Volleyball fasziniert mich einfach. Irgendwann hat mich dieser Sport gepackt. Dazu kommt der soziale Aspekt: Man trifft viele bekannte Gesichter, teilt Emotionen und fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft. Die Heimspiele haben für mich absolute Priorität – da plane ich nichts anderes.
Seit wann begleiten Sie die Spiele und fiebern als Fan mit?
Seit ich etwa zwölf Jahre alt bin. Anfangs wollte ich mit Volleyball nichts zu tun haben – das war das Hobby meiner älteren Schwester und meines Vaters. Irgendwann nahmen sie mich trotzdem mit. Und gerade an diesem Nachmittag feierte Näfels seinen ersten Cupsieg. Ein aussergewöhnlicher Moment, der mich in den Bann zog.
Wie haben Sie diesen Tag erlebt?
Als 12-Jährige war ich völlig überwältigt. Die Halle in Fribourg war voll, die Stimmung elektrisierend. Diese Emotionen haben mich richtig erfasst – und sie begleiten mich bis heute.
Was bedeutet Ihnen der Verein persönlich? Weshalb liegt er Ihnen so am Herzen?
Ich selbst kann überhaupt nicht Volleyball spielen – niemand in meiner Familie. Meine Verbindung entstand über meinen Vater, der über 20 Jahre als «Mädchen für alles» und als Vorstandsmitglied tätig war. Wir Kinder wurden oft mitgenommen und wuchsen so in diese grosse Vereinsfamilie hinein.
Sie sitzen bei den Heimspielen auf der Tribüne, die Ihr verstorbener Vater Walter Steiner aufgebaut hat. Was löst das in Ihnen aus?
Sehr viel. Ich erinnere mich gut daran, wie mein Vater mit dem ehemaligen Präsidenten Klaus Görauch nach Shanghai reiste, um die Produktionsfirma der Tribünen zu besuchen. Anschliessend baute er zusammen mit Helfern aus Tausenden Einzelteilen die Tribünen in Näfels zusammen. Seit vielen Jahren sind sie jetzt in der Lintharena und bieten den Fans komfortable Plätze. Für mich ist das jedes Mal ein Stück Erinnerung.
Wie erleben Sie die Spiele, wenn es richtig eng wird?
Dann geht emotional einiges ab. Einen Punkt zu feiern ist wunderbar – aber Volleyball ist schnell, und der Spielverlauf kann innert Sekunden kippen. Genau das macht diese Sportart so packend.
Was stört Sie manchmal bei den Spielen?
Wenn die Fairness verloren geht oder sich Menschen zu sehr hineinsteigern, statt die Energie positiv zu nutzen. Das betrifft nicht nur die Spieler, sondern auch das Publikum, Betreuer – schlicht alle.
Welche Momente schätzen Sie als Zuschauerin besonders?
Natürlich Siege. Wieder einmal ein Erfolg gegen Amriswil wäre super. Aber auch unabhängig vom Resultat können Spiele unvergesslich sein: Wenn die Halle bebt, eine Rally über mehrere Ballwechsel geht oder eine spektakuläre Rettungsaktion gelingt. Solche Szenen sorgen für Gänsehaut und können ein Spiel völlig drehen.
Was macht für Sie ein gutes Spiel aus?
Korrekte Entscheidungen, ein Team, das geschlossen auftritt, intensive Ballwechsel und ein Publikum, das mitgeht. Wenn die Atmosphäre stimmt, gehe ich zufrieden nach Hause – auch ohne Sieg. Entscheidend ist, dass die Mannschaft alles gegeben hat.
Was war Ihr grösster Gänsehautmoment?
Ganz klar: der erste Meistertitel. Über 1200 Zuschauer in der Lintharena, eine unglaubliche Lautstärke – so etwas erlebt man nur einmal.
Und was rührt Sie zu Tränen?
Die Vorstellung, dass es den Verein möglicherweise bald nicht mehr gibt. Das trifft mich auf verschiedenen Ebenen – sportlich, sozial und sehr persönlich. Volley Näfels war über zwei Jahrzehnte ein zentraler Bestandteil unseres Familienlebens. Mein Vater investierte unzählige Stunden, und wir waren ständig vor Ort. Ein mögliches Ende würde auch ein Stück unserer Familiengeschichte beenden.
Wie haben Sie auf die Nachricht der finanziellen Schwierigkeiten reagiert?
Ich habe sofort dazu aufgerufen, das Crowdfunding zu unterstützen. Von den Sorgen wusste ich zwar seit zwei Jahren, aber dass die Situation so ernst ist, hat mich überrascht.
Was würde es für Sie bedeuten, wenn dieser Traditionsverein verschwinden würde?
Es wäre der bedeutendste Verein im Kanton Glarus, der nicht mehr existiert – zumindest für mich, und ich denke, auch für viele andere. Kein anderer Verein ist im Kanton derart präsent. Sehr viele kennen Volley Näfels, nicht nur hier, sondern schweizweit.
Und was hätte das für die Region zur Folge?
Der Verlust würde die Nachwuchsarbeit massiv schwächen. Vereine vermitteln Kindern und Jugendlichen Werte wie Teamgeist, Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein – Kompetenzen, die später auch im Berufsleben wichtig sind. Deshalb sollten Unternehmen Vereine unterstützen. Es ist letztlich eine Investition in die Zukunft.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Volley Näfels?
Am wichtigsten ist mir, dass die Trainings mit Kindern und Jugendlichen weitergeführt werden können. Ich habe gelesen, dass dafür ein Nationalliga-Team notwendig sei, für mich persönlich steht das aber nicht im Vordergrund. Junge Menschen leben heute stark in digitalen Welten, in denen vieles nicht mehr echt ist. Ein Verein kann ein Ort des Ankers sein – mit Gemeinschaft, Struktur und sozialer Nähe. Ein Verein wie Volley Näfels kann viel dazu beitragen, dass junge Menschen glücklich und positiv bleiben.
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