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Kanton Glarus: Die Geheimnistuerei um PFAS-Standorte ist mehr als schlechter Stil

Der Kanton testet die Glarner Böden auf Ewigkeitschemikalien. Er findet dabei drei «Hotspots» mit hoher Konzentration auf Landwirtschaftsland, will aber nicht verraten, wo. Das ist ein hilfloser Akt.

Sebastian
Dürst
19.11.25 - 11:00 Uhr
Glarus
sebastiankommentar
Die Tests schaffen Fakten: Der Kanton Glarus will vorläufig nicht verraten, welche Standorte besonders hohe PFAS-Belastungen aufweisen.
Symbolbild: Keystone

Eigentlich könnte der Kanton Glarus dem Mega-Thema Ewigkeitschemikalien ja einigermassen entspannt gegenüberstehen. Zum einen haben Tests im Trinkwasser schon vor einiger Zeit ergeben, dass keine oder eine nur sehr geringe PFAS-Konzentration im Glarner Wasser zu finden ist. Und auch die Lebensmittelproben sind gemäss Kantonschemiker Matthias Beckmann einwandfrei.

Neben diesen guten Neuigkeiten gibt es aber auch eine Unsicherheit. Der Kanton Glarus hat nämlich an ausgewählten Stellen Bodenproben genommen. Getestet habe man primär dort, wo es schon einen Verdacht auf PFAS gebe, heisst es von den Verantwortlichen. Es ist darum wenig überraschend, dass man in allen 13 Bodenproben aus dem Kanton Glarus auch tatsächlich PFAS nachweisen konnte.

Drei «Hotspots» – nur wo?

So weit so gut. Etwas unangenehmer ist dann die Information, dass man drei «Hotspots» mit erhöhter Konzentration gefunden hat, und zwar auf Landwirtschaftsland. Die Verantwortliche vermutet unterschiedliche Ursachen pro Standort: Ausgebrachter Klärschlamm, die Industrie und Löschschaum sollen an der erhöhten Belastung schuld sein.

Auf Nachfrage der «Glarner Nachrichten», wo sich denn diese Standorte befänden, gibt es keine Antwort. «Das ist ein sensibles Thema. PFAS-Belastungen können bei den betroffenen Grundeigentümern zu Unsicherheiten führen», sagt Franziska Wyss, Hauptabteilungsleiterin für Umwelt, Wald und Energie.

Falsche Prioritätensetzung

Diese Antwort ist kein schlechter Stil, sondern zeugt von einer fehlgeleiteten Prioritätensetzung: Mit dem Verheimlichen der stark belasteten Standorte schont man zwar die betroffenen Grundeigentümer. Aber man lässt nicht betroffene Grundeigentümer und den ganzen Rest der Bevölkerung weiterhin im Ungewissen.

Mit diesem Verhalten schützt der Kanton die betroffenen Grundeigentümer, belastet aber den ganzen Rest der Bevölkerung.

Das ist eine hilflose Reaktion und wohl ein Versuch, die Aufregung um die Ewigkeitschemikalien unter Kontrolle zu halten. Er dürfte scheitern: Durch die Geheimnistuerei fördern die Verantwortlichen sich verbreitende Halbwahrheiten und Gerüchte.

Besser wäre es gewesen, die Verantwortlichen hätten jetzt klar und offen kommuniziert, welche Standorte wie betroffen sind. Sie hätten dann auch die Möglichkeit einer Einordnung gehabt, die ohne die konkreten Standorte jetzt wirkungslos verpufft.

Noch eine Chance

Es kommt dazu, dass man im überschaubaren Kanton Glarus ziemlich genau eingrenzen kann, was Industrie, Klärschlamm und Löschschaum bedeuten. Für betroffene Landwirte und deren Kundschaft dürfte die Halb-Kommunikation des Kantons nicht hilfreich sein, sondern eher zusätzliche Unsicherheit schaffen.

Der Kanton möchte Ende Jahr Transparenz schaffen, nachdem zusätzliche Bodenproben ausgewertet wurden. Es bleibt zu hoffen, dass er spätestens dann nicht mehr aus falscher Rücksicht Informationen für die ganze Bevölkerung zurückhält.

Sebastian Dürst ist Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er ist in Glarus geboren und aufgewachsen. Nach Lehr- und Wanderjahren mit Stationen in Fribourg, Adelboden und Basel arbeitet er seit 2015 wieder in der Heimat. Er hat Religionswissenschaft und Geschichte studiert. Mehr Infos

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