Felix Blumer zum Wetter 2025: «Der Trend zu mehr Sonnenschein scheint sich zu bestätigen»
2025 war in der Schweiz durch starke meteorologische Gegensätze geprägt. In Elm war es das drittwärmste Jahr seit Messbeginn. Wetterexperte Felix Blumer zieht Bilanz zum Glarner und Schweizer Wetter.
2025 war in der Schweiz durch starke meteorologische Gegensätze geprägt. In Elm war es das drittwärmste Jahr seit Messbeginn. Wetterexperte Felix Blumer zieht Bilanz zum Glarner und Schweizer Wetter.
Felix Blumer *
Global gesehen, gehört 2025 zu den fünf wärmsten Jahren überhaupt, allerdings mit deutlichem Rückstand auf die beiden vergangenen Jahre. 2024 war bis jetzt das wärmste Jahr der jüngeren Erdgeschichte. Auch in der Schweiz gehört das Jahr 2025 zu den wärmsten, allerdings deutlich hinter 2022, welches bis jetzt das wärmste Jahr in der Schweiz war, gefolgt von 2023 und 2024.
Der staatliche Wetterdienst spricht vom viertwärmsten Jahr in der Schweiz. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass dieser Wert auf einem Flächenmittel beruht und es 2025 besonders im Hochgebirge, in den Alpentälern und im Süden sehr warm war. Im nördlichen Mittelland gehört 2025 an den meisten Orten nicht zu den fünf wärmsten Jahren.
Im Kantonshauptort waren die vergangenen drei Jahre wärmer, und 2014 sowie 2020 waren ungefähr gleich warm, wie die vergangenen 365 Tage. Elm erlebte 2024 einen neuen Jahreshöchstwert. Dieser wurde 2025 nicht mehr erreicht. Nach 2022 liegt das abgelaufene Jahr, zusammen mit 2023 auf Platz 3. Im Vergleich zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 war es im Hauptort rund 2,2 Grad zu warm, in Elm waren es 2,6 Grad.
Landesweit war die Abweichung inneralpin und im Hochgebirge am grössten mit 2,5 bis 2,8 Grad (Säntis). Am geringsten war der Wärmeüberschuss am Nordrand der Schweiz mit gut 2 Grad und im Tessin mit etwa 2,4 Grad.
Extrem warme erste Jahreshälfte
Das Jahr startete warm und mit ausgiebigen Föhnphasen. Besonders warm war es nach dem 25. Januar. In der Genferseeregion, aber auch in St. Gallen, gab es neue Höchstwerte für den Monat Januar. In Glarus mussten wir uns zwei Tage länger gedulden. Am 27. Januar um die Mittagszeit zeigte das Thermometer in der Stadt 17,6 Grad, so viel wie noch nie im Januar. Der alte Höchstwert lag bei 17,2 Grad aus dem Jahr 1996.
Immerhin, es ging auch anders: Am 4. Januar wurde in La Brévine ein Tiefstwert von –31,4 Grad gemessen. Das war im nationalen Messnetz die tiefste Temperatur seit dem 10. Februar 2013. In Glarus betrug der tiefste Wert des Winters dagegen nur –7,8 Grad. Nach einem milden Februar war auch der März extrem warm mit einem Temperaturüberschuss von 4,5 Grad in Elm. Trotzdem war es dort nur der viertwärmste März. Im April ging es sehr mild weiter, und Elm verzeichnete wiederum einen Temperaturüberschuss von 4,5 Grad, allerdings war es im April 2018 und 2020 noch wärmer. Ausgerechnet der Wonnemonat Mai brachte nur noch verhaltene Temperaturen, es war sogar kühler als im Schnitt der letzten 30 Jahre. Die Kältephase war aber nur von kurzer Dauer. Im Juni erlebten wir den zweitwärmsten Juni nach 2003. In Elm betrug der Temperaturüberschuss über 5 Grad. Vor allem die zweite Monatshälfte war sehr heiss und brachte der Stadt Glarus 5 Hitzetage. Auf dem Jungfraujoch wurde sogar der höchste Junimittelwert verzeichnet, noch vor 2003.
Bescheidene zweite Jahreshälfte
Männiglich war auf einen Jahrhundertsommer gefasst, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ausgerechnet der Juli fiel ins Wasser, und die Temperaturen lagen wieder unter dem Schnitt der letzten 30 Jahre. Glarus brachte es auf nur gerade zwei Hitzetage im Juli. Mitte August kehrte der Sommer nochmals zu uns zurück, und der August war 2,7 Grad zu warm.
Damit hatte Petrus aber sein Pulver verschossen. Im September lagen die Temperaturen nur noch knapp 1 Grad über der klimatologisch relevanten Norm, im Oktober betrug in Elm der Temperaturüberschuss sogar nur noch 0,1 Grad. Dabei erlebte Elm den kältesten Oktober seit 2011. Auch im November blieben die Temperaturen tief. In Glarus war es erneut kühler als im Schnitt der letzten 30 Jahre, und vom 20. bis 28. November lag Schnee im Hauptort, danach war es bis zum Jahresende wieder grün.
In Elm war die Schneedecke am 27. November 30 Zentimeter mächtig. Sie konnte sich bis am 7. Dezember halten, danach ging es auch dort grün weiter. Erst im Dezember wurde es wieder extrem mild. Auf dem Säntis war der Monat 5 Grad zu warm, in der Nebelschicht im Mittelland waren es dagegen 2 bis 3 Grad. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in unserem Kanton. In der Stadt war es 2,2 Grad wärmer als sonst, in Elm aber mehr als 4 Grad.
Bullenhitze blieb aus
In diesem Jahr blieb in der Schweiz die ganz grosse Hitze aus. Payerne verzeichnete den höchsten Messwert mit 36,5 Grad. Das waren 0,1 Grad mehr als der Jahreshöchstwert 2024, aber deutlich weniger als der absolute Hitzehöchstwert von 41,5 Grad aus dem Jahre 2003, gemessen in Grono im Misox.
In Glarus betrug der Höchstwert 31,9 Grad, registriert am 9. August. Das sind doch 3,7 Grad weniger als beim Höchstwert von 35,6 Grad im Sommer 2003. In Elm blieben 2025 Hitzetage aus, und der Höchstwert wurde am 2. Juli mit 29,2 Grad gemessen. Umgekehrt war es auch nicht extrem kalt. Die tiefste Temperatur des Jahres wurde in Elm am 13. Januar mit –13,8 Grad aufgezeichnet.
Grosse Niederschlagsunterschiede
Im Glarnerland war das vergangene Jahr eindeutig zu trocken. In Braunwald und Elm fielen ziemlich genau 81 Prozent des üblichen Niederschlages, in Glarus waren es rund 90 Prozent. Besonders die drei Frühjahrsmonate zeichneten sich durch grosse Trockenheit aus, ebenso der Dezember.
Allgemein war es im Osten der Schweiz massiv zu trocken. So verzeichnete der Säntis 2189 Millimeter Niederschlag. 2023 waren es mit 3955 Millimetern fast doppelt so viel. Dagegen fiel am Nordrand der Schweiz deutlich mehr Niederschlag als sonst; so beispielsweise in Basel, wo fast 20 Prozent mehr Regen niederging als im langjährigen Schnitt. Auch im Süden lagen die Niederschlagswerte meist deutlich über der Referenz, in Lugano ebenfalls um 20 Prozent.
Im vergangenen Jahr wurden wir schweizweit mit viel Sonnenschein verwöhnt. Praktisch alle Stationen meldeten ein Plus an Sonnenscheinstunden, auch wenn es mit 7 Prozent in Glarus nicht üppig war. In Luzern waren 27 Prozent mehr Sonnenschein schon deutlicher spürbar, und auch in Zürich waren es 23 Prozent. Damit ging im vergangenen Jahr der Trend zu mehr Sonnenschein weiter, wobei es schwierig ist zu quantifizieren, wie viel die Sonnenscheindauer zunahm und wie viel einer verbesserten Messtechnik zuzuschreiben war.
Erneut grosse Gletscherschmelze
Im vergangenen Winter lag bis Ende Januar in den Glarner Alpen meist überdurchschnittlich Schnee. Hohe Temperaturen und wenig neuer Niederschlag setzten aber im Frühling der Schneedecke arg zu. So war das Schneemessfeld oberhalb von Elm auf knapp 1700 Metern Meereshöhe schon Mitte April aper. Auf dem Messfeld Hausstock auf knapp 2500 Metern Höhe aperte es Mitte Juni vollständig aus.
Kein Wunder verloren die Schweizer Gletscher erneut 3 Volumenprozent ihres Eises. Das ist die viertgrösste Verlustrate dieses Jahrhunderts nach 2022, 2023 und 2003. Trotz allgemeiner Erwärmung sind aber Starkschneefälle weiter möglich, wie der Gründonnerstag eindrücklich und dramatisch zeigte, als beispielsweise in Montana 58 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden – so viel wie dort noch nie im April.
Das Fazit
2025 war nicht mehr ganz so warm wie die Vorjahre, was auch dem globalen Trend entspricht. Inwieweit dies mit dem Klimaphänomen El Niño zusammenhängt, das in den Jahren 2023 und 2024 sehr ausgeprägt war, ist Gegenstand der Forschung. Der Trend zu allgemein mehr Sonnenschein scheint sich zu bestätigen. Dies dürfte auch mit der abnehmenden Luftverschmutzung zu tun haben. Niederschlagstrends sind weiterhin schwierig auszumachen, dagegen sind die Schwankungen von Jahr zu Jahr unverändert gross.
Sebastian Dürst ist Redaktionsleiter der «Glarner Nachrichten». Er ist in Glarus geboren und aufgewachsen. Nach Lehr- und Wanderjahren mit Stationen in Fribourg, Adelboden und Basel arbeitet er seit 2015 wieder in der Heimat. Er hat Religionswissenschaft und Geschichte studiert. Mehr Infos
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