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Lukas Seiler baut bei der Schwander Inauen Schätti AG zum Lehrabschluss eine Seilbahn

Die Inauen Schätti AG in Schwanden ist weltweit tätig im Seilbahn- und Anlagenbau. Den Nachwuchs fördert sie mit Projekten wie jenem von Lukas Seiler: eine Materialseilbahn über fast 700 Höhenmeter.

Glarus
Bezahlter Inhalt: Firmenporträt
15.06.24 - 04:30 Uhr
von Swantje Kammerecker

Vier Jahre lang geht die Ausbildung zum Anlagen- und Apparatebauer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ, die Lukas Seiler gerade bei der Inauen Schätti AG in Schwanden absolviert hat. Diplomfeier ist am 27. Juni. Kurz vor der Inbetriebnahme steht auch seine selbst hergestellte Konstruktion – die neue Materialseilbahn Hintersand–Obersand ob Tierfed/Linthal. Intensiv hat er während der letzten drei Monate an der Fertigstellung gearbeitet, die einzelnen Schritte wurden in dieser Reportage festgehalten.

März 2024, Projektstart

Das Material liegt in der grossen Werkhalle bereit. 14 passgenaue Metallelemente für die Berg- und Talstation samt Antrieb sind zu fertigen. Das heisst: flexen, bohren, schweissen, biegen, richten. Grossformatige Konstruktionspläne und lange Dossiers mit Verarbeitungsschritten liegen bereit.

«Ein Anlagen- und Apparatebauer muss die einzelnen Schritte selbstverantwortlich planen und umsetzen können.»

Ruedi Tresch, Fertigungsleiter bei Inauen Schätti

Zum Projektstart kommen auch die Experten der Prüfungskommission sowie Fertigungsleiter Ruedi Tresch und die Fachvorgesetzten Dominik Waldvogel und Rolf Tschudi. Alles, was Lukas Seiler ab jetzt bearbeitet, wird er genau protokollieren. Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, auf die er sich freut, vor der er aber auch Respekt hat. «Ein Anlagen- und Apparatebauer muss die einzelnen Schritte selbstverantwortlich planen und umsetzen können. Dazu braucht es nicht nur technische Kenntnisse, sondern auch kreatives Denken und Flexibilität. Denn jede Seilbahn ist einzigartig», erklärt Ruedi Tresch. Und gerade das mache diese Arbeit spannend.

11. April, Präsentation

An diesem Donnerstagmorgen um 7 Uhr stellt Lukas Seiler der Prüfungskommission sein Projekt vor; zuerst mit einer Powerpoint-Präsentation im Büro, anschliessend zeigt er die fertigen Teile vor Ort in der Werkhalle. Die Experten schauen genau hin, kommt es doch an den wichtigen Stellen auf Zehntelmillimeter und genaue Krümmungswinkel an. Detaillierte Fragen nach den verwendeten Werkzeugen, Schweissdrähten und Legierungen sind zu beantworten. Begriffe wie Kernlochbohrung, Gewindeschneider, Reissnadel, Spindelpresse oder Acetylen fallen. Am Schluss nickt die Kommission zufrieden. Grosse Worte werden nicht gemacht, aber Wertschätzung ist zu spüren.

1. Mai, Vormontage

Wie ein Zwerg kann sich ein Mensch in der hohen Halle zwischen Kränen, Gabelstaplern und riesigen Werkzeugen fühlen. Nur schon der Schraubenschlüssel ist ein Koloss. In rund 24 Arbeitsstunden hat Lukas Seiler, teils mit zwei Monteuren, die Anlage aufgebaut. Nach dem 11. April wurden noch kleine Anpassungen vorgenommen und die komplette Konstruktion feuerverzinkt – gegen Korrosion.

«Jede einzelne Schraube der Anlage wird kontrolliert, bevor wir sie für den Transport wieder zerlegen.»

Lukas Seiler, Auszubildender bei der Inauen Schätti AG

Das Einsetzen der leuchtend gelb lackierten Seilscheiben (Räder) ist anspruchsvoll: «Dazu muss die Scheibe erwärmt und das Lager aber gekühlt werden», erklärt Seiler. Er zeigt, wie Antrieb und Bremse der Bergstation funktionieren: elektrisch. «Jede einzelne Schraube der Anlage wird kontrolliert, bevor wir sie für den Transport wieder zerlegen.» Die alte Älpler-Seilbahn ist schon demontiert und – teils per Helikopter – abtransportiert.

31. Mai, Montage auf Hintersand

Der Schnee hatte sich lange gehalten, doch nun ist auch auf der Alp Hintersand der Vorfrühling eingekehrt. Nachdem die letzten Betonarbeiten an der Talstation abgeschlossen sind, ist eine vierköpfige Crew in der letzten Maiwoche mit dem Einbau der Anlage beschäftigt.

Zum Finish kommen Lukas Seiler und Ruedi Tresch mit Znüni zur Baustelle. Fazit: Es passt alles, jetzt muss nur das bereits vorhandene Seil eingehängt werden. Draussen, im Nebeldunst, ist dessen Verlauf hinauf nach Obersand erst zu erahnen. Dort, auf fast 2000 Metern, liegt noch immer Schnee.

«Es ist entscheidend und kann sehr viel Zeit sparen, wenn man fitte Leute hat, die auch im Berggelände zurechtkommen.»

Ruedi Tresch, Fertigungsleiter bei Inauen Schätti

Die Montage der Bergstation brauche aber weniger Aufwand, sagt Tresch. Sein Fazit zum Abschluss: «Das war effizient. Es ist entscheidend und kann sehr viel Zeit sparen, wenn man fitte Leute hat, die auch im Berggelände zurechtkommen. Die gut ausgerüstet sind, alles Werkzeug parat haben und als Team auch in der Kommunikation funktionieren.»

Auch Lukas Seiler strahlt. Er hat es so gut wie geschafft: Noch vier theoretische Prüfungen, dann kann er sich auf die Lehrabschlussfeier freuen.

Zu Lukas Seiler

Die Liebe zum Metall reicht bis in Lukas Seilers Kindheit zurück, in der er sich für ein Konstruktionsspiel mit Kugelgelenken und die Modelleisenbahn begeisterte. In der vierten Primarschulklasse wählte er bei einer Projektwoche aus verschiedenen Angeboten den Besuch seines jetzigen Arbeitgebers. Auch in der fünften Klasse ging er wieder zu Inauen Schätti, durfte schon am Metall arbeiten und fand das sehr cool.

Sein heutiger Chef Ruedi Tresch lebt wie Lukas Seiler in Rüti und ermutigte ihn, sich für die Lehrstelle zu bewerben. Dem naturverbundenen jungen Mann, der in der Freizeit dem Jagen und Fischen nachgeht, waren natürlich die von Inauen Schätti erstellten Glarner Seilbahnen gut bekannt. «Doch anfangs war mir gar nicht bewusst, dass das ein weltweit operierendes Unternehmen ist mit ganz verschiedenen Schwerpunkten. Also nebst Seilbahnen und Schrägaufzügen geht es noch um Lawinenauslösesysteme, Spezialmontagen, unterirdische Kabelverlegungen, Sondermaschinen- und Stahlbau.»

Liebe zum Metall: Lukas Seilers erster Besuch bei Inauen Schätti geht auf seine Zeit in der vierten Primarschulklasse zurück. 
Liebe zum Metall: Lukas Seilers erster Besuch bei Inauen Schätti geht auf seine Zeit in der vierten Primarschulklasse zurück. 
Bild Swantje Kammerecker

Diese Vielseitigkeit schätzt Lukas Seiler und freut sich auch über die Möglichkeit, im Ausland eingesetzt zu werden. Die USA würde er gerne einmal sehen. In der Ausbildung habe er nicht nur fachlich, sondern auch sozial sehr profitiert, meint Lukas Seiler. Früher eher zurückhaltend, wurde er selbstbewusster, offener. Zugleich habe er – früher nicht ganz schwindelfrei – Mut gefasst für das Arbeiten in der Höhe. «Angeseilt am SBB-Masten in Locarno in luftiger Höhe zu arbeiten, war ein Highlight», schwärmt er heute.

Lukas Seiler fühlt sich wohl im Betrieb, die Atmosphäre sei toll. «Ich wurde von Anfang an super unterstützt, die Generationen helfen einander.» So erhielt er nicht nur Tipps für die Arbeit, sondern etwa auch, wie man am besten durchs Militär kommt. Dafür helfe er einem Älteren gerne mal mit dem iPad.

«Angeseilt am SBB-Masten in Locarno in luftiger Höhe zu arbeiten, war ein Highlight.»

Lukas Seiler, Auszubildender bei der Inauen Schätti AG

Lukas Seiler identifiziert sich mit dem Glarner Hinterland und freut sich, etwas zu dessen Gedeihen beitragen zu können. Er hat schon den Anschlussvertrag bei Inauen-Schätti unterzeichnet. Eine Weiterbildung später kann er sich vorstellen, ist momentan aber einfach froh, zuerst einmal «nur arbeiten» zu dürfen. So oder so ist seine Ausbildung breit genug angelegt, um immer wieder interessante Jobs zu finden.

Ein Zukunftswunsch? «Es wäre schön, wenn ich in 25 Jahren nach Hintersand käme und sähe: Wow, die Bahn läuft immer noch, das war mein Abschlussprojekt.»

Dieser Beitrag wurde nach journalistischen Kriterien, aber im Auftrag der Inauen Schätti AG erstellt. Weitere Informationen dazu unter promotion@somedia.ch.

 

Eine Ausbildung bei der Firma Inauen Schätti

Jedes Jahr fängt etwa eine auszubildende Person Anlagen- und Apparatebau neu in der Firma an. 2024 ist es erstmals eine junge Frau. 25 bis 30 solche jungen Berufsleute hat Fertigungsleiter Ruedi Tresch während seiner Zeit im Betrieb schon begleitet. Die Firma bietet auch Lehrstellen für Produktionsmechaniker, Seilbahn-Mechatroniker, Konstrukteure und Kaufleute (KV) an. «Sie sind unsere Zukunft», heisst es in der Firma.

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