Wasserkraft nein, aber?
Auch wenn sich das Parlament zuletzt zähneknirschend der Argumentation von EWD und Kleinem Landrat (KL) beugte, warum auf das Kraftwerk Flüela zu verzichten sei, hatten diese zuvor viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Auch wenn sich das Parlament zuletzt zähneknirschend der Argumentation von EWD und Kleinem Landrat (KL) beugte, warum auf das Kraftwerk Flüela zu verzichten sei, hatten diese zuvor viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Landrat Simi Valär stellte die Antwort der Regierung auf das Postulat Christian Thomann betreffend Nutzung der Wasserkraft (DZ vom 12.8.) vor. Die Aufgabe der EWD AG, einer hundertprozentigen Tochter der Gemeinde, sei es, eine wirtschaftliche und sichere Energieversorgung zu gewährleisten, sagte er. Ein Kraftwerk Flüelabach liefere keinen Beitrag zu dieser Versorgungssicherheit, da dessen Produktion im Sommer anfalle, wenn es ohnehin eine Überdeckung gebe. Dennoch verlängere die Gemeinde die erteilte Konzession zur Wassernutzung und würde bei Bedarf reagieren. «Heute ist das jedoch nicht sinnvoll.» Hingegen plane das EWD eine alpine Photovoltaik-anlage (PV) im Raum Davos. «Vor zwei oder drei Monaten hätte ich dem EWD, sprich dem KL, zähneknirschend zugestimmt, denn aus betriebswirtschaftlicher Sicht hatte das EWD recht», erwiderte Postulant Christian Thomann (EVP). Doch heute höre er, dass die Preise auch zur Mittagszeit am Explodieren seien. Ausserdem erhalte er zahlreiche Rückmeldungen aus der Tourismusbranche, dass die Nicht-Umsetzung des Projektes eine marketing- und energiepolitische Katastrophe für Davos sei.
Ausserdem verwies er auf die Davos Klosters Bergbahnen (DKB), die in die Wasserkraft investieren würden. «Niemand kann mir sagen, dass das nicht rentiere.» So forderte er, angesichts der neuen Ausgangslage den Ausbau der Wasserkraft noch einmal zu prüfen. In die gleiche Bresche hieb Andrea Ambühl (FDP). Auch sie sprach von einem falschen Signal und berichtete, dass die DKB laufend neue Turbinen in Betrieb nehmen würden. «In ihrer Erfahrung gibt es nur während gerade mal drei Wochen, wenn die ganze Beschneiung auf Volllast läuft, keinen Strom. Sonst produzieren die Anlagen auch im Winter hindurch Energie.»
Zu grosses Risiko
Da war der Einsitz nehmende Vorsitzende der Geschäftsleitung der EWD AG, Jürg Flückiger, gefordert, zu überzeugen. Er zeigte noch einmal die in der Botschaft des KL enthaltenen Grafiken, um den fehlenden Winterstrom aufzuzeigen. Aufgrund der vorgeschriebenen Restwassermengen sei vom Kraftwerk Flüelabach überhaupt kein solcher zu erwarten, sagte er. «Doch dieser ist gefragt.» Mit dem jetzt zügig vorangehenden Ausbau von PV-Anlagen werde es ausserdem immer mehr Sommerstrom geben. Zusätzlich sei unklar, wo die Fördermittel in drei Jahren stehen würden. «Das Risiko ist einfach zu gross.» Denn die EWD AG sei verpflichtet, jeden Franken optimal einzusetzen. Zum implizierten Vorwurf, die DKB könnten, was die EWD nicht können, sagte er, dass es um eine ganz andere Ausgangslage gehe. «Die DKB produzieren in einem geschlossenen System. Sie müssen auf keine Restwassermengen Rücksicht nehmen.» Ausserdem seien das deutlich kleinere Anlagen. Ein gewichtiges Argument ist auch der Leitungsbau. Dort half Statthalter Stefan Walser mit einer Erklärung: «Als das Kraftwerk projektiert wurde, ging man noch von einer Zusammenlegung mit der Kanalisation von der Pischa über die Bedra bis zum Färich aus. Ausserdem war eine Kombination mit der Beschneiung der Langlaufloipe vorgesehen.» Gemeinsame Grabarbeiten hätten das Projekt wirtschaftlich erträglich gemacht. Da die letztgenannten Projekte inzwischen anders gelöst worden seien, sei das inzwischen nicht mehr gegeben.
«Wir sind offener geworden»
Da von Landrat Simi Valär zugunsten der PV votiert wurde, musste sich dieser bald Fragen zu der bisherigen Verweigerungshaltung der Behörden bei der Bewilligung von Anlagen an Fassaden gefallen lassen. Es gehe dabei auch immer um eine Abwägung von Ästhetik zu Energieproduktion, gab er zurück. Zu sagen gebe es auch, dass viele PV-Anlagen äusserst lieblos konzipiert worden seien und dass mit Nachbesserungen unheimlich viel bewirkt werden könne. «Inzwischen hat sich die Haltung geändert, und wir bewilligen Anlagen, die wir vor einem Jahr noch nicht zugelassen hätten.» Nach einigem weiteren Hin und Her, geschah etwas, was in der Politik eher selten vorkommt: Die SP-Frauen erklärten sich überzeugt und zogen ihre Unterstützung zum Antrag Thomann zurück. So waren es schliesslich nur noch drei Landräte, bei zwei Enthaltungen, die mit Thomann votierten. Der Antrag des KL das Postulat als erledigt abzuschreiben, wurde mit zwölf Ja-Stimmen gutgeheissen.
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