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Tonnenweise Solidarität

Die Hilfsbereitschaft der Bündner Bevölkerung für die Kriegsopfer in der Ukraine ist riesig. Auch der Kanton wird für die Betroffenen spenden.

Olivier
Berger
02.03.22 - 18:02 Uhr
Ereignisse
Hilfe, so weit das Auge reicht: An der Sammelstelle an der Churer Raschärenstrasse stapeln sich die Hilfsgüter.
Hilfe, so weit das Auge reicht: An der Sammelstelle an der Churer Raschärenstrasse stapeln sich die Hilfsgüter.
Pressebild

«So toll», sei die Hilfsbereitschaft der Bündner Bevölkerung, erklärte Maria Wolf-Beskorovayniy am Mittwoch. Seit sie vergangene Woche gemeinsam mit Gleichgesinnten ein Hilfswerk aus dem Boden gestampft hat, reisst der Strom der Spenden nicht mehr ab. Nachdem schon in den ersten Tagen der Aktion vier Tonnen Hilfsgüter hatten gesammelt werden können, transportierte am Mittwoch ein weiterer Lastwagen 25 Paletten nach Bern. Weitere Transporte werden in den kommenden Tagen folgen.

Dabei erhält der Verein jetzt Unterstützung von der Bündner Sektion des Nutzfahrzeugverbands Astag. Diese wird unter ihren Mitgliedern Transportunternehmen suchen, welche Fahrten nach Bern übernehmen können, wie Präsident Roland Jäggi am Mittwoch auf Anfrage erklärte. «In einer solchen Situation helfen wir selbstverständlich gerne unbürokratisch und unkompliziert mit.» Wenn das Bündner Transportgewerbe zur Linderung der Not beitragen könne, werde es das tun.

Neue Sammelstellen

Inzwischen hat der zunächst lose Zusammenschluss von Helferinnen und Helfern der Ukrainehilfe einen Verein gegründet; Wolf-Beskorovayniy ist Präsidentin. Eine Kontonummer für Geldspenden wird in den kommenden Tagen auf der Internetseite ukrainehilfe-gr.ch veröffentlicht. Inzwischen sind zu den ursprünglich vier Sammelstellen im Kanton weitere dazugekommen: in Scuol, Thusis, Ilanz, Grüsch und Fideris.

Kleider habe der Verein inzwischen ausreichend gesammelt, sagte Vorstandsmitglied Retus Sgier. Nach wie vor gefragt seien aber Unterwäsche und Socken. Auch alle anderen Artikel, welche im Internet aufgelistet seien, würden weiterhin dringend benötigt. «Auch nicht verderbliche Esswaren sind natürlich jederzeit willkommen.» Und medizinisches Material sei sogar «extrem gesucht». 

Auch der Kanton spendet

Wie andere Kantone wird auch Graubünden Geld für die Opfer des Krieges spenden. Das bestätigte Finanzdirektor Christian Rathgeb auf Anfrage. «Wir sind mit Hochdruck an den notwendigen Abklärungen für eine Spende.» Unter anderem kläre der Kanton ab, an welche Organisation die Spende fliessen werde, um am effektivsten helfen zu können, so Rathgeb. «Der Entscheid wird sehr rasch fallen, damit die Mittel fliessen können.»

Ein Hilfsprojekt hat auch die unabhängige Spendenplattform there-for-you.com aus Arosa lanciert. Innerhalb von nur 24 Stunden hat der ehemalige Schweizer Olympiateilnehmer Andreas Isoz über 80’000 Franken gesammelt, am Mittwochabend waren es bereits über 90’000 Franken. Am Samstag will Isoz mit mehreren Bussen Hilfsgüter an die Grenze zwischen Ungarn und der Ukraine transportieren. «Jeder Franken zählt. Mit dem Betrag können wir viel nützliches Material einkaufen und den Menschen helfen», wird Isoz in einer Mitteilung zitiert. 

Olivier Berger wuchs in Fribourg, dem Zürcher Oberland und Liechtenstein auf. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die Medien in der Region, aktuell als stellvertretender Chefredaktor Online/Zeitung. Daneben moderiert er mehrmals jährlich die TV-Sendung «Südostschweiz Standpunkte». Mehr Infos

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