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«The same as last year ...»

Während Jahren wurde das Chaos auf Davos’ Strassen vor und während des Jahrestreffens des World Economic Forum immer grösser. 2019 zog die Gemeinde schliesslich die Notbremse und erliess ein rigoroses Bewilligungsverfahren.

Barbara
Gassler
10.11.22 - 06:50 Uhr
Ereignisse
Die Umbauten am WEF bewegen sich auf einem stabilen Niveau.
Die Umbauten am WEF bewegen sich auf einem stabilen Niveau.
Archiv DZ

Irgendwie wollen alle die Milchkuh WEF-Jahrestreffen melken, und man überbot sich gegenseitig darin, Ladenflächen und Fahrnisbauten ein- sowie auszuräumen, die Innengestaltungen fast im Stundentakt umzubauen und eine Veranstaltung an die andere zu reihen. All das führte natürlich zu massivem Mehrverkehr entlang der Einfallstrassen und Stau entlang der Promenade und deren Trottoirs. Nachdem 2018 wegen dieser Bautätigkeiten in Kombination mit ausgiebigen Schneefällen der Verkehr während Stunden vollständig zusammengebrochen war, beschloss die Gemeinde zu handeln. Die bestehende Bewilligungspraxis wurde deutlich verschärft und sogenannte Logistikzonen und -zeiten wurden eingeführt. Damit dürfen Auf- und Abbauten nur noch während zwei Wochen vor und einer Woche nach dem Anlass stattfinden. Zusätzlich ist das Ein- und Ausladen nur innerhalb definierter Zonen und zu zugewiesenen Zeiten erlaubt. Um all dies regeln zu können, sind Veranstalter verpflichtet, jeweils bis Ende Oktober ein Betriebskonzept einzureichen. Nach einer Prüfung auf Gesetzeskonformität – hier geht es um Grenzabstände, maximal zulässige Geschosshöhe und die Belegung gemäss Brandschutzrichtlinien – werden die entsprechenden Bewilligun-gen kostenpflichtig erteilt.

Nullsummenspiel

Für eine Baubewilligung müssen mindestens 300 Franken oder 3 Prozent der Baukosten abgeliefert werden. Für die Benutzung öffentlicher Flächen – meistens handelt es sich um Strassen und Trottoirs – sind 550 Franken pro Tag fällig, weitere 400 Franken kostet jedes Fahrzeug, das darauf zu stehen kommt. Selbst wer die ganzen Arbeiten ausführen kann, ohne öffentlichen Grund zu tangieren, entrichtet noch eine Abgabe für Logistik und Verkehr von 250 Franken pro Tag. Und auch das Anbringen und Auswechseln von Werbung fällt unter diese Bestimmungen und ist damit bewilligungspflichtig. Die Gemeinde begründet das damit, dass auch solche Anbieter Bauverkehr erzeugten und direkt von der durch die Gemeinde vorgenommenen Koordination aller Projekte profitieren würden. Denn die zahlreichen Ordnungskräfte vor und während des Jahrestreffens werden aus den so eingenommenen Gebühren bezahlt. Werden nachträglich zusätzliche Ansprüche gestellt oder stellt sich heraus, dass versäumt wurde, Bewilligungen einzuholen, fallen neue, höhere Gebühren an. Auch wer sein Gesuch wieder zurückzieht, kommt nicht ungeschoren davon, und ab Mitte Dezember wird gar keine Rückerstattung mehr vorgenommen. Insgesamt strebt die Gemeinde bei diesen Gebühren und Abgaben eine ausgeglichene Rechnung an. Will heissen, ihre ganzen Aufwendungen werden von den Verursachern direkt bezahlt.

Gut akzeptiert

Seit der Einführung dieser Bestimmungen hat sich die Situation massiv beruhigt. «Auch der öffentliche Verkehr kann die Promenade inzwischen ohne grosse Wartepausen passieren», stellt die Gemeinde auf Anfrage fest. Im Schnitt werden alljährlich etwa 75 Umnutzungsgesuche und 20 Anträge für Fahrnisbauten eingereicht. Etwa gleich viele betreffen reine Fassadenwerbung. «Die Erfahrung zeigt, dass bis Ende Jahr noch einige Gesuche zurückgezogen werden. So wurden im Mai im Bereich Temporärbauten rund ein Drittel weniger erstellt, als eingegeben wurden.» Das Konzept werde von den Veranstaltern sehr gut akzeptiert, wird angefügt. Es komme 2023 zum vierten Mal zur Anwendung, und die Verstösse gegen die Bestimmungen hätten sich seit 2019 halbiert. «Die Verstösse von Seiten der Zeltbauer beschränken sich mehrheitlich auf die Nichteinhaltung der zugeteilten Aufbautage oder das Nichtmitführen der erforderlichen Transportscheine für ihre Transportfahrzeuge.» Auch aufseiten der Gemeinde wird ständig an Verbesserungen gearbeitet, und dieses Jahr konnten die Gesuche erstmals vollständig digital eingereicht werden. Das lasse einerseits die Arbeit der Gemeinde effizienter werden, heisst es von deren Seite. Andererseits: «Ebenfalls positiv äusserten sich die Gesuchsteller dazu, da die Eingabeplattform mittels hinterlegter Logik lediglich projektspezifische Angaben verlangte. Bislang kann diese Form der Baueingabe als grosser Erfolg bezeichnet werden.» Ausgebaut wurde das Angebot an Logistikflächen. Während des Auf- und Abbaus steht der Kirchner Park für Lieferanten zur Verfügung, während der Veranstaltungswoche können die Fahrzeuge in der Stilli und in den Brüch abgestellt werden.

Suchverkehr vermeiden

Während des Jahrestreffens im Mai zum ersten Mal getestet wurde das sogenannte «Parkflow-System». Es war damals aber offenbar noch zu wenig bekannt. Auf das kommende Jahrestreffen soll das geändert werden, denn: «Es erlaubt den Limousinenfahrern, per App festzustellen, wo es freie Parkplätze gibt, was den Suchverkehr reduzieren sollte.» Zu greifen beginnen auch die neuen Bestimmungen bezüglich Beheizung von Temporärbauten. Fast alle grösseren Bauten würden inzwischen mit Pellets oder Luft-Wärme-Pumpen beheizt. «Die beiden Bauten, die weiterhin fossile Brennstoffe verwenden, haben ihre Gebäudehüllen gemäss Merkblatt angepasst.» 2023 wird das Jahrestreffen des WEFs vom 16. bis 20. Januar durchgeführt. Entsprechend verschiebt sich die zweiwöchige Aufbauzeit und fällt einen Tag kürzer aus. «Am Montag, 2. Januar, an welchem erfahrungsgemäss noch grosser Ferienverkehr herrscht, dürfen noch keine Aufbauten starten», entschied die Gemeinde.

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