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Grossverteiler? Aber sicher doch!

Im «Claro Midenand Lade», der dieses Jahr sein vierzig-Jahre-Jubiläum feiert, stehen vor allem Aspekte des fairen Handels und der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Das heisst aber nicht, dass nur mit Kleinstmengen gearbeitet wird.

Barbara
Gassler
25.10.22 - 16:55 Uhr
Ereignisse
Lisbeth Hegnauer, Erika Pertschi und Käthi Fausch mit ihren Verkaufschlagern.
Lisbeth Hegnauer, Erika Pertschi und Käthi Fausch mit ihren Verkaufschlagern.
bg

Jedes Jahr vor Weihnachten und noch einmal im Januar wird das Haus an der Promenade 28, in dem sich der «Claro Midenand Lade» befindet, zum Gross-Umschlagplatz. «Letztes Jahr stapelten sich im ganzen Treppenhaus 430 Kisten voll mit Orangen, Grapefruits und Clementinen», erzählt Lisbeth Hegnauer vom Team. Das sind gut 3,5 Tonnen Zitrusfrüchte, die da Abnehmer finden. Die Zusammenarbeit mit den spanischen Produzenten läuft seit rund 35 Jahren und wird zunehmend beliebter. «Die Früchte können bei uns bestellt werden und stehen dann ab einem bestimmten Datum zum Abholen bereit.» Hinter der Kooperation steht die Geschichte eines Schweizers, der in den 1970er-Jahren eine Finca in Spanien kaufte. Inklusive Plantage notabene. Inzwischen wird der Betrieb von den Enkeln geführt, und die unbehandelten Früchte finden in Davos noch immer reissenden Absatz. So oder so ähnlich klingen die meisten Produzentengeschichten.

Vorselektion

Teammitglied Käthi Fausch bäckt Totenbeinli und näht «Chriesisteisäcke». Doch in erster Linie ist sie zuständig für die Handarbeiten, die der «Claro Midenand Lade» gegen eine Kommission anbietet. Sie begutachtet, verhandelt und entscheidet, was davon schliesslich den Weg in den Laden findet. Da ist viel Gestricktes und Genähtes für Babys und Puppen dabei. Nicht zu vergessen natürlich die warmen Bettsocken von Lisbeth Hegnauer. «Einmal akzeptierte ich gehäkelte Strampelhöschen. Doch niemand wollte sie. So musste ich sie nach einem Jahr halt wieder zurückgeben», erinnert sich Käthi Fausch. Guten Absatz findet hingegen die neueste Sortimentserweiterung. Die hölzernen Schneidbretter und Glasuntersetzer mit eingelegten Steinbockmotiven finden guten Absatz. «Sie stammen von einem gehörlosen Handwerker aus dem Kanton Zürich», hebt sie zu erzählen an. Was folgt, ist die immer wieder gleiche Geschichte von jemanden, der jemanden kennt, der ...

Verarbeiten, was vorhanden

Eine Ausnahme bildet die Konfitürenproduktion. Diese liegt seit rund fünf Jahren fest in den Händen von Erika Pertschy. Die Ausgangsprodukte kaufe sie gelegentlich im Handel, erzählt sie, doch: «Dieses Jahr gab es genügend Heidelbeeren, um sie selber zu sammeln und verarbeiten.» Und wo sie etwas nicht selber beschaffen kann, kennt jemand jemanden ... So wechselt das Sortiment immer wieder, und manchmal ist auch etwas ausverkauft. Doch die Kundschaft kennt das und weicht auf eine andere Frucht aus oder wartet, bis Nachschub kommt.

Exklusives und Exotisches

So bietet der «Claro Midenand Lade»  Platz für Nischenprodukte und ermöglicht Einkommen für kleinere Produzenten. Bei den einheimischen Produzenten wie Gran Alpin, Raselli Erboristeria Biologica oder der Solgio-Produkte AG lernen die Teammitglieder bei Betriebsausflügen die Hintergründe selber kennen. Bei den Produkten aus dem globalen Handel nimmt die Claro Fair Trade AG die Prüfung der Standards vor. Sie stellt sicher, dass nur Produkte und Hersteller ins Sortiment aufgenommen werden, die ihren Kriterien in Bezug auf fairen Handel, soziale Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit entsprechen. Begeistert sind die Frauen gerade von den Gläsern mit Sonnenkollektoren als Deckel aus Südafrika. «Wir rechneten nicht mit einem solchen Interesse, und inzwischen stockt schon der Nachschub.» Doch einige wenige Stück sind in Davos noch erhältlich. Und wenn etwas mal nicht an Lager ist, lohnt es sich, ein bisschen zu stöbern. Das Sortiment ist breit, und es ist so manche Trouvaille darunter. Und im Notfall kennt jemand ...

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