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Gelungener Auftakt für neues Theaterfestival

Am Samstag konnte Selma Mahlknecht in einem feierlichen Rahmen im Zuoz Globe den «Premi Travers Zuoz» entgegennehmen. Ihr erstes romanisches Theaterstück wird im Herbst 2023 uraufgeführt.

Fadrina
Hofmann
20.11.22 - 20:00 Uhr
Ereignisse

Zuoz hat eine alte Theatertradition. Die erste Aufführung eines Theaterstücks in romanischer Sprache datiert von 1534. Der Humanist, Jurist und Weltenbürger Gian Travers hat die biblische Joseph-Geschichte auf den Dorfplatz von Zuoz dramaturgisch umgesetzt. Das Festival Travers knüpft an diese Tradition an und möchte romanisches Theaterschaffen wieder buchstäblich ins Rampenlicht rücken. Die Verleihung des ersten Premi Travers Zuoz am Samstag war die Auftaktveranstaltung des neuen Theaterfestivals. Gewinnerin Selma Mahlknecht, Autorin und Regisseurin aus Zernez, hat die Jury mit ihrem Stück «Üna sbrinzla da spranza per S-chus-ch» (Ein Funken Hoffnung für S-chuos-ch) überzeugt. Zehn anonym eingereichte Textauszüge und Konzepte wurden insgesamt bewertet. Der Preis von der Lia Rumantscha und der Gemeinde Zuoz ist mit 15’000 Franken dotiert.

Im Video: Leander Albin und Asa Hendry bei ihrer Performance.

Ein Kaleidoskop von Fragen

Die Tragikomödie von Mahlknecht spielt in einem Bergdorf und gibt den Einwohnerinnen und Einwohnern Raum für Ängste und Träume. Die Gemeinschaft und der Gemeindevorstand müssen entscheiden, wie sie mit einer Offerte von Investoren umgehen sollen, welche Land und Häuser kaufen wollen, um einen Bunker zu bauen, in welchem man sich gegen Gefahren wie Klimakrise, Krieg, Energiemangel schützen kann. Der Grössenwahn und die Gier auf beiden Seiten wird von der Natur mit einem Erdrutsch à la Cengalo bestraft. «Das Stück ist eine Art Märchen, das sich mit einem Kaleidoskop von globalen Fragen befasst, die gleichzeitig auch einen lokalen Kosmos betreffen», erläuterte Rico Valär als Vertreter der Jury in seiner Laudatio. Das eingereichte Konzept zeige viel Potenzial auf sprachlicher und dramaturgischer Ebene, es handle sich um eine «kritische, satirische und selbstironische Reflexion».

Jonathan Ferrari und Annina Sedlacek

Die Preisübergabe war weit mehr als nur Reden, Blumenstrauss und Apéro. Annina Sedlacek und Jonathan Ferrari zeigten eine literarische Performance, inspiriert von allen zehn eingereichten Stücken. Asa Hendry und Leander Albin wiederum präsentieren ihre neue Theaterperformance, und die Band Ursina spielte die akustische Version ihrer jüngsten Songs. Das Gewinnerstück  von Mahlknecht wird nächstes Jahr während der ersten Ausgabe des «Festival Travers Zuoz» uraufgeführt.

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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