Das Zittern geht weiter
«Die bisherigen Erkenntnisse treffen zu», sagt Georg Fromm, Präsident Graubünden Wein. Die traurige Annahme der vergangenen Woche habe sich bestätigt, so Fromm auf Anfrage weiter. Allerdings bleibe das Schadensbild mehr oder weniger variantenreich. Während ein Winzer in Malans auf zwei von seinen drei Parzellen einen Totalausfall zu beklagen habe, seien andere glimpflicher davon gekommen.
Doch nun sei Geduld angesagt. In den kommenden 14 Tagen könne sich die Situation zumindest für das kommende Jahr verbessern. «Wir müssen nun schauen, was mit den Nebenaugen von verfrorenen Blüten geschieht» so Fromm. Meist entstehen daraus zwar für das laufende Jahr keine Früchte. Aber immerhin Triebe, die dann 2018 Früchte tragen können.
Blick auf den Wetterbericht
Aktuell gilt das Augenmerk aber auch den Wettervorhersagen für die laufende Woche. Denn in der Nacht auf Donnerstag seien noch einmal Temperaturen um den Gefrierpunkt angesagt. Als erste Massnahme sollte nun das Gras unter den Rebstöcken gemäht werden, um den Kälteabfluss zu verbessern. Und dann hat Fromm in Frankreich neue Frostkerzen bestellt. Bisher hat er allerdings noch keine Antwort bekommen, ob diese auch rechtzeitig geliefert werden können. «Wir müssen nun von Tag zu Tag schauen», so Fromm.
Prinzip des Rebschnitts: Links eine Rebe Stand Herbst 2015. An den drei grünen Stellen wurde die Rebe im Frühjahr 2016 geschnitten. Die Tragrute für 2016 (links) wird nach rechts an einen Draht der Rebanlage gebunden (neue Tragrute). Daraus wachsen im Frühling Triebe, die im Herbst Trauben tragen sollen – sofern sie in Frostnächten nicht erfrieren (siehe Titelbild).
Nach 1981 gab es 25 Jahre lang kaum Frostschäden im Bündner Weinbau. 2016 führte eine Frostnacht Ende April zu einem Ernteverlust von zehn Prozent. Und im laufenden Jahr wird die Bauernregel Lügen gestraft, wonach Spätfröste nie in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftreten.