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Am Morgen strampeln, am Nachmittag in der Manege hampeln

Biken und Akrobatik in der Manege haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Dass diese Kombination gut funktioniert, beweist das erste Bike-Akrobatik-Camp in Betschwanden.

Sara
Good
22.10.22 - 04:30 Uhr
Ereignisse

Nervosität liegt in der Luft, als das Licht in der Manege des Zirkus Mugg ausgeht. Man hört, wie die zehn Artistinnen und Artisten hinter dem Vorhang tuscheln – bis der Vorhang aufgeht und die Mountainbikes auf die Bühne flitzen. Die Zirkusaufführung vor der Familie bildete am Donnerstagnachmittag Highlight und Schlusspunkt des Lagers zugleich. In der letzten Herbstferienwoche haben sich die Teilnehmenden im Zirkusdorf in Betschwanden ausgetobt. Am Morgen stand jeweils Biken auf dem Programm, am Nachmittag wurde in der Manege Akrobatik geübt.

«Wir wollten diese zwei Bereiche zusammenbringen. Auch fürs Biken braucht man Gleichgewicht und man muss sich auf etwas fokussieren. Insofern ergänzt sich das gut», erklärt der Lagerleiter Franz Bär. Er hat das Camp zusammen mit Zirkustrainerin Annekatrin Stefan und Delia Landolt durchgeführt. In dieser Form wurde das Lager zum ersten Mal durchgeführt. Organisiert wurde es vom Sportamt des Kantons Glarus, anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Sportförderprogramms Jugend und Sport (J+S).

Zehn Kinder und Jugendliche haben sich angemeldet. Sie sind mehrheitlich aus dem Sarganserland. «Für mich waren die Kinder definitiv das Highlight», erzählt Franz Bär. «Die Gruppe hatte einen tollen Zusammenhalt, die Kinder halfen einander und warteten aufeinander.» Gerne würden die Teilnehmenden nächstes Jahr wiederkommen. Ob das Bike-Akrobatik-Camp in eine zweite Runde geht, sei derzeit aber noch offen.

Drei Teilnehmende erzählen, was sie im Lager erlebt haben.

Bild Sasi Subramaniam

Elias Jenny, 10 Jahre alt, aus Schwanden

«Mir gefiel es am besten, dass ich so viele neue Kollegen und Kolleginnen gefunden habe. Sie sind anders als ich, weil sie einen anderen Dialekt sprechen. Ich habe im Lager viel mit dem Diabolo gespielt. Ich habe gelernt, wie man es hochwirft und es mit überkreuzten Stöcken wieder fängt. Vorher ist mir der Trick sicher hundert Mal missraten. Es ist schwierig, dass sich die Schnüre an den Stöcken nicht verdrehen.

Der Ausflug mit den Velos nach Braunwald war cool. Das Lager war sehr streng. Wir haben immer unsere Muskeln gebraucht. Aber wir haben immer zuerst gedehnt und nachher auch, darum habe ich keinen Muskelkater. Ich war am Abend sehr müde, ich bin jeweils nur noch ins Bett gefallen und bin gleich eingeschlafen. Wir haben auch Seich gemacht, aber du musst ja nicht unbedingt schreiben, was wir genau gemacht haben. Ich nehme viel Freude aus dem Lager mit und neue Tricks.»

Bild Sasi Subramaniam

Ronja Wildhaber, 11 Jahre alt, vom Flumserberg

«Im Lager habe ich mit dem Einrad den Trick ‘Wheel Walk’ geübt. Dabei sitze ich auf dem Sattel und gebe mit den Füssen an. Das ist schwierig, weil man nicht zu schnell und nicht zu langsam sein darf. Rhönradfahren hat mir am meisten Spass gemacht, weil ich das vorher noch nie ausprobiert habe. Zuerst darf man nur gewisse Übungen machen. Später kann man andere Tricks ausprobieren, zum Beispiel hält man sich im Rad fest und macht eine ganze Umdrehung. Es braucht Mut, weil man runterfallen kann.

Mit den Bikes haben wir einmal ein Wettrennen gemacht. Das war streng, weil es bergauf ging. Wir haben aber auch «Schnäggli-Rennen» gemacht. Bei denen gewinnt der Langsamste. Zum Glück musste ich nie abwaschen, sondern nur das Geschirr trocknen. Manchmal haben nicht alle aufgegessen und die Teller waren voller Spaghetti. Das war grusig. Die meisten habe ich schon gekannt, weil wir einmal pro Woche zusammen biken. Das Zirkusleben war neu für mich, hat mir aber gut gefallen. Wir konnten selber viel ausprobieren, Karussell fahren, Tricks üben oder Spiele machen, wie ‘Wer zuerst lacht, hat verloren’.»

Bild Sasi Subramaniam

Aaron Romer, 14 Jahre alt, aus Mols

«Mir hat besonders das Rhönradfahren gefallen. Ich habe gelernt, wie man sich im Rhönrad festhält und eine Umdrehung macht. Diesen Trick haben wir ‘Affe’ genannt. Wenn ich diesen Trick mache, fühlt es sich so an, als ob ich fliegen würde. Ich habe beim ersten Mal ein bisschen Überwindung gebraucht, weil ich Angst hatte, dass ich meine Finger einklemme. Das ist mir zum Glück nicht passiert.

Auch das Biken hat viel Spass gemacht. Ich mag es, über Schanzen zu springen. Mein Highlight war es, als wir am Donnerstag mit der Braunwaldbahn nach oben gingen und über einen Trail runterfuhren, das durften wir sogar zweimal machen. Aufwärtsfahren ist zwar auch cool, aber das Runterfahren gefällt mir besser. Das Lager war sehr aufregend und wir blieben am Abend lange auf. Am Mittwochabend liefen wir mit Fackeln zum Diesbachfall und brätelten dort Marshmallows. Meine schmeckten gut, die von Elias sind leider verbrannt.»

Sara Good verantwortet die Glarner Inhalte auf «suedostschweiz.ch». Zudem kreiert sie multimediale Inhalte und schreibt Artikel für die «Glarner Nachrichten». Sie hat den Diplomlehrgang am MAZ absolviert und Multimedia Production in Chur studiert. Mehr Infos

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