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Auch Spitäler bereiten sich auf die Lockerungen vor

Ab Montag werden die Corona-Massnahmen in einigen Bereichen gelockert. Dazu zählt auch der medizinische Bereich. Darum müssen sich Spitäler nun Gedanken machen, wie sie trotz der Lockerungen die erforderlichen Hygiene- und Schutzmassnahmen einhalten.

Südostschweiz
Sonntag, 26. April 2020, 04:30 Uhr Einblick ins Spital Oberengadin
Das Spital Oberengadin bereitet sich auf die kommenden Lockerungen vor.
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Die Coronakrise hat die letzten Wochen der meisten Bündner bestimmt. Zuletzt sorgten die vom Bundesrat angeordneten Lockerungen der Corona-Massnahmen für Gesprächsstoff. Ab Montag dürfen nämlich Betriebe mit Dienstleistungen für Personen, wie Coiffeure und Kosmetikstudios, öffnen. Ebenso können Bau- und Gartenfachmärkte sowie öffentliche nicht-bediente Einrichtungen wie Waschanlagen ihren Betrieb wiederaufnehmen. Und auch im medizinischen Bereich gibt es Anpassungen. Zum einen sind ambulante Therapien wieder möglich, zum anderen dürfen Eingriffe vorgenommen werden, die vorher als nicht dringend galten.

Für ein Spital bedeutet diese Entscheidung des Bundes vor allem, dass es sich auf mehr Patienten vorbereiten muss, wie Beat Moll, CEO des Spitals Oberengadin, gegenüber der Südostschweiz erklärt: «Es werden wieder mehr Personen im Spital unterwegs sein. Wir wissen aber nicht, ob sie das Virus in sich tragen oder nicht. Darum müssen wir die anderen Patienten sowie das Personal schützen», so Moll. Dies sei jedoch schwierig, denn jede Person auf das Virus zu testen, sei unmöglich. Vor allem bei ambulanten Patienten müssten geeignete Lösungen gefunden werden. «Wir suchen momentan nach einem guten Weg, der praktikabel ist, aber auch die nötige Vorsicht bietet.»

Überprüfungen sind nötig

Wie genau das Schutzkonzept aussieht, ist momentan noch unklar. Beat Moll meint: «Wahrscheinlich werden alle Personen, die eine Operation haben und anschliessend stationär behandelt werden müssen, auf das Virus getestet werden.» Im Idealfall finde diese Überprüfung schon im Voraus statt, damit klar sei, ob der Patient das Virus habe und die Pflege dementsprechend geplant werden könne. «Wenn wir wissen, ob ein Patient positiv oder negativ getestet wurde, können wir ihn dementsprechend isoliert oder mit anderen Patienten zusammen pflegen.» Der Vorgang bei ambulanten Patienten unterscheidet sich aber, wie Moll betont. «Bei ambulanten Patienten werden wir uns mit Befragungen durch Fragebögen oder per Telefon absichern. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass Leute Zutritt zum Spital erhalten, die mit dem Virus infiziert sind.»

Auch seien die bisherigen Vorsichts- und Hygienemassnahmen weiterhin einzuhalten. Genauso bleibe das Besuchsverbot im Spital Oberengadin bis auf Weiteres gültig. «Diese Massnahmen sorgen dafür, dass wir nicht zu viel Menschenverkehr im Spital haben.» Trotz den Herausforderungen, seien die Lockerungen im medizinischen Bereich essenziell, da es sonst zu finanziellen Schwierigkeiten kommen könnte. Denn wie Beat Moll erzählt, brauchen die Spitäler die Umsätze dieser Behandlungen, um die Löhne zu bezahlen. «Wir müssen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr Mitarbeiter für Notfälle bereithalten. Also müssen wir sie bezahlen, egal ob Arbeit vorliegt oder nicht. Diese Kosten können wir nicht verhindern.»

«Es wird zwei Gruppen geben»

Wie sieht aber der Alltag im Spital Oberengadin ab Montag aus? «Grundsätzlich wird es so weiterlaufen wie bisher», stellt Beat Moll fest und fügt hinzu: «Bei Notfällen und dringenden Eingriffen gibt es keine Unterschiede. Im ambulanten Bereich müssen wir beachten, dass die Termine nicht zu eng nacheinander gesetzt werden, damit der Wartebereich nicht überfüllt ist und wir die Abstandsregeln einhalten können.» Bei der eigentlichen medizinischen Arbeit gebe es keine Unterschiede zu den vergangenen Wochen. «Die Hygienemassnahmen sind im Spital-Alltag normal. Ebenfalls sind unsere Mitarbeiter geschult und wissen, wie sie sich verhalten müssen», so Moll.

Ob und wie viele Leute schlussendlich sich ab Montag wieder im Spital behandeln lassen, sei allerdings noch unklar. Denn nach Molls Ansichten wird es zwei Gruppen geben: Menschen, die vorsichtig sind und Bedenken haben, das Spital aufzusuchen. Sowie Menschen, die einen Leidensdruck haben und mit Sicherheit kommen. «Klar ist, dass es Untersuchungen gibt, die durchgeführt werden müssen. In solchen Fällen können die Betroffenen nicht länger abwarten. Schlussendlich ist es auch so, dass das Risiko sich beim Einkauf anzustecken grösser ist, als im Spital», so Moll. (paa)

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