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«Mir fehlen die gemeinsamen Proben mit Musikerkollegen»

Künstler sind von der Corona-Krise stark betroffen. Die «Linth-Zeitung» hat Kunstschaffende virtuell besucht und sie nach ihrem Befinden gefragt. Heute Katja Mair (51), Musikerin und Dozentin aus Rapperswil-Jona.

Urs
Schnider
Donnerstag, 23. April 2020, 16:43 Uhr Künstler in Corona-Zeiten
Plädiert für ein Grundeinkommen für Künstler in allen Sparten: Musikerin Katja Mair.
SELFIE: KATJA MAIR

Konzerte sind abgesagt, Lesungen vertagt, Schüler dürfen nicht unterrichtet werden. Die Corona-Krise trifft Künstler hart. Die Musikerin und Dozentin Katja Mair lässt sich nicht unterkriegen.

Frau Mair, wie kommen Sie mit der Corona-Krise zurecht?

KATJA MAIR: Bis jetzt sehr gut. Die Familie ist gesund. Und für mich selber hat sich nicht so viel verändert im Tagesablauf. Was mir fehlt, sind gemeinsame Proben mit anderen Musikerinnen und ein klar gestecktes Ziel, sprich: Konzert geben. Zum Glück habe ich einen eigenen Proberaum! Das kostet allerdings Geld, welches ich mit Privatschülerinnen generiere – diese fallen aber im Moment ebenfalls weg.

Sie haben keine Aufträge derzeit?

Nein, keine Aufträge, keine Konzerte. Ich plane, in den nächsten Tagen ein kleines Solo-Konzert aufzunehmen und dann zu veröffentlichen. Wem es gefällt, darf mir gerne ein kleines Eintrittsgeld auf mein Konto überweisen.

Erhalten Sie von der Stadt oder sonstige Unterstützung?

Nein.

Wie bestreiten Sie Ihren Lebensunterhalt?

Ich habe ein kleines Pensum als Dozierende an der Hochschule Luzern, Jazzabteilung. Zu meinem grossen Glück!

Wie verbringen Sie die arbeitsfreie Zeit?

Ich übe viel, entwickle neue Ideen – wobei ich ohnehin schon daran war –, damit ich ready bin, wenn wir wieder mit Konzerten loslegen können.

Würden Sie (mehr) Unterstützung erwarten, und falls ja: Von wem und in welcher Form?

Ich würde mir sowieso ganz grundsätzlich mehr Unterstützung wünschen, und sei es nur die Akzeptanz, dass Üben auch Arbeit ist. Ich plädiere für ein Grundeinkommen für Kunstschaffende in allen Sparten. Ich finde es unnötig zermürbend, wenn man bei jedem Projekt noch überall um Geld betteln muss. Das ist nicht nur höchst unangenehm, sondern auch zeit- und energieraubend. Eine andere Unterstützung, die ich mir wünschen würde, ist: Medien, interessiert euch für Kunst und Kultur! Zeitungen: Schickt jemanden an Konzerte und schreibt darüber. Radios: Lädt lokale Profi-Musikerinnen ein, wagt etwas Neues! Es hätte für so viel mehr Platz als all die schon tausendmal gespielten Songs!

Was kann die Gesellschaft tun, um Künstler zu unterstützen – so von wegen Solidarität?

CDs direkt bei den Musikerinnen kaufen, Konzerte besuchen, und damit meine ich die kleinen feinen Konzerte, nicht die Grossanlässe. Wenn mehr interessiertes Publikum da wäre, könnte man mehr Konzerte veranstalten, was wiederum mehr bezahlte Arbeit für die Musikerinnen bedeuten würde.

Denken Sie, die Situation wird sich nach der Corona-Krise wieder entspannen in Ihrem Metier?

Solche Prognosen sind schwierig zu stellen. Die Hoffnung ist schon da, dass die Leute dann vermehrt wieder ausgehen, aber vielleicht doch lieber Essen, Kino, Party. Ich glaube nicht, dass sich dann mehr Leute plötzlich für Jazz interessieren.
Ich hatte schon nach «9/11» die Hoffnung, dass sich die Leute wieder mehr für «Wahres» interessieren und sich die ganze Unterhaltungsbranche zum Positiven verändert. Hat sie aber nicht. Und durch die ganze Entwicklung mit Youtube, Facebook und Gratis-Downloads ist für Musikerinnen die Produktion von eigenem Tonmaterial zum finanziellen Ruin geworden – dabei braucht man diese ja, um überhaupt Konzerte zu akquirieren.

Sind Sie in einem Verband oder einer Gewerkschaft organisiert und erhalten Sie dort Unterstützung?

Ja, ich bin bei Sonart (Musikschaffende Schweiz). Sie bieten Hilfe an. Da ich aber nicht auf Hilfe angewiesen bin, habe ich mich dort nicht gemeldet.

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