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«Bilder von lesenden Rekruten waren bis anhin wohl eine Rarität – jetzt nicht mehr»

«Bilder von lesenden Rekruten waren bis anhin wohl eine Rarität – jetzt nicht mehr»

Vor einigen Wochen wurde der Ausgang für Rekruten eingeschränkt. Grund dafür war ein Coronafall eines Rekruten in Bern. Seitdem dürfen auch die Rekruten in Chur das Gelände des Waffenplatzes nicht mehr verlassen. Damit ihr Alltag abwechslungsreicher wird, haben sich die Bündner Bibliotheken etwas überlegt: die alten Bücherkisten sind zurück.

Südostschweiz
vor 1 Jahr in
Ereignisse
In der Rekrutenschule wird wieder vermehrt gelesen.
STADTBIBLIOTHEK

Wir alle sind von der momentanen Situation betroffen und teilweise auch eingeschränkt. Trotzdem dürfen wir uns noch frei bewegen und verbringen die Zeit oftmals mit unserer Familie. Stellt Euch aber vor, Ihr dürftet Euer Zuhause nicht mehr verlassen, hättet keine Unterhaltungsmöglichkeiten wie beispielsweise einen Fernseher, und müsstet die Zeit ohne eure Familie verbringen.

Genau so sieht der Alltag vieler Rekruten aus. Denn es herrscht schon länger eine Ausgangssperre im Militärdienst. Auch in Chur dürfen die Rekruten die Kaserne nicht mehr verlassen. Armeesprecher Daniel Reist erklärte dies bereits vor rund vier Wochen gegenüber der «Südostschweiz»: «Die Churer Rekruten dürfen nicht mehr in die Stadt in den Ausgang. Sie müssen auf dem Gelände des Waffenplatzes bleiben.»

Die Bücherkisten sind zurück

Aber was kann man im Militär machen, um die Zeit zu überbrücken? Schliesslich ist die Kaserne nicht vergleichbar mit dem eigenen Heim. Die Liebsten sind weit weg, und Unterhaltungsmöglichkeiten wie Spiele sind eher eine Seltenheit. Bis jetzt. Denn genau dies soll sich nun ändern.

Wie es in einer Mitteilung heisst, versorgen die Stadtbibliothek Chur, die Kantonsbibliothek Graubünden und die Mediothek der gewerblichen Berufsschule, die Infanterie Rekrutenschule 12 in Chur neu mit Büchern, Comics, Filmen und Spielen. Per Bücherkiste erhielten die Rekruten die Sachen. Die Verantwortlichen betonen, wie sehr sie sich freuten, dass sie eine Lücke in den Kasernen füllen könnten und eine neue Zielgruppe erreichen könnten. «Bilder von lesenden Rekruten waren bis anhin wohl eine Rarität – jetzt nicht mehr», so die Worte der Bibliotheken.

Die Rekruten holen eine sogenannte Bücherkiste ab.

Lange Geschichte

Diese geistige Überlebenshilfe ist jedoch keine Neuigkeit. Schon während des Grenzdienstes des Ersten Weltkrieges wurden die Soldaten mit Büchern versorgt. Damals wurden erstmals Bücherkisten dafür gebraucht. Diese sind auch viele Jahre später nicht in Vergessenheit geraten. Die Stadtbibliothek liefert die Bücherkiste aus den 1930er-Jahren an verschiedene Schulklassen. So ist es jeweils ein Höhepunkt für die Schulkinder, wenn sie ihre Bücher aus der alten Kiste herausnehmen dürfen. Nun gehen die Kisten wieder ihrem altbekannten Zweck nach und sollten den Rekruten eine Freude machen.

Und das tun die Kisten allem Anschein nach auch. Die Rekrutenschule bedankt sich für das Angebot der Bibliotheken auf Facebook:

 

Angebot für Kunden bleibt bestehen

Aber nicht nur die Rekruten werden mit Büchern versorgt. Wie es weiter in der Mitteilung heisst, möchten die Bündner Bibliotheken in der momentanen Situation ihr Angebot weiterhin für Interessierte zugänglich machen. So seien kreative Lösungen wie ein literarisches Care Paket in St. Moritz, kostenlose Onlineleihen in Ilanz und ein Hauslieferdienst in Müstair gefunden worden.

Auch für Kundinnen und Kunden der Kantonsbibliothek Graubünden und der Stadtbibliothek Chur gäbe es weiterhin verschiedene Angebote. Die Leute könnten sich telefonisch und per E-Mail an die Bibliothek wenden, die digitalen Angebote nutzen, oder sich Bücher zu einem günstigeren Preis als üblich per Post nach Hause liefern lassen. (paa)

Weitere Infos zu den Angeboten der Bibliothek findet Ihr hier.

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