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Wo gibt es im Glarnerland noch Toilettenpapier?

Was bedeutet die «ausserordentliche Lage» im Alltagsleben im Glarnerland? Die Zeitung «Glarner Nachrichten» versucht, Antworten auf die brennendsten Fragen aus ihrer Leserschaft zu geben.

Marco
Häusler
Donnerstag, 19. März 2020, 05:20 Uhr Fragen und Antworten zum Coronavirus
Vereinzelt trifft man auf leere Gestelle im Supermarkt.
Sasi Subramaniam

Auf den Aufruf der «Glarner Nachrichten» in der Ausgabe vom Dienstag, sich mit Fragen oder Hilfsangeboten an die Redaktion zu wenden, hat die Leserschaft bereits reagiert. Hier ein Teil der eingegangen Fragen:

«Darf ich noch einkaufen gehen?», will eine 84-jährige Frau aus Mollis wissen.

Ja, dürfen schon. Alle über 65-jährigen Personen zählen aber zur Risikogruppe. Sie sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben, um sich selbst vor einer Ansteckung zu schützen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, selbst einzukaufen, sollte dies ausserhalb der Stosszeiten geschehen – möglichst ohne öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Auch alle Hygienevorschriften sollten beachtet und grosse Abstände zu anderen Personen gewahrt werden. Besser wäre es aber, Angehörige, Freunde, Bekannte oder jemand anderen mit dem Einkauf zu beauftragen (zum Beispiel Genossenschaft Kiss Kanton Glarus, Telefon 079 603 20 50; oder www.nachbarschaftshilfe-glarus.ch unter Telefon 076 297 97 66).

Wo und wann bekomme ich noch WC-Papier?

Die beiden grössten Schweizer Detaillisten Coop und Migros beantworten diese Frage ähnlich – und gleich unbefriedigend. Beide stellen «eine stark erhöhte Nachfrage» nach Gütern des täglichen Bedarfs fest, wozu auch Artikel für die Körperhygiene, Beilagen, Konserven, Mehl oder Zucker gehören. Trotz «massiv erhöhten Lieferkapazitäten und riesigem Personaleinsatz» komme es in den Filialen teilweise zu leeren Regalen, heisst es aus der Medienstelle der Migros. «Das tut uns leid.» Es werde rund um die Uhr daran gearbeitet, die Filialen mit zusätzlichen Mengen zu beliefern, obwohl es nicht nötig sei, «grosse Vorräte anzulegen, die weit über den Alltagsbedarf hinausreichen». Mit anderen Worten: Es hätte genug für alle, wenn es nicht zu Hamsterkäufen käme. Von Einschränkungen beim Einkauf bestimmter Artikel sehen Coop und Migros zumindest vorläufig noch ab. Generelle Engpässe seien bei Coop aktuell kein Thema, heisst es, eine Rationierung einzelner Produkte sei momentan nicht geplant. «Wir zählen auf das Verständnis und die Vernunft unserer Kundinnen und Kunden.»

«Eine Rationierung einzelner Produkte ist momentan nicht geplant. Wir zählen auf die Vernunft unserer Kundinnen und Kunden. Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe.»

Findet Garagissimo in Glarus am 21. und 22. März statt?

Nein. Die Glarner Garagisten dürfen zwar in ihren Werkstätten weiter arbeiten, die Showräume müssen aber geschlossen werden. Viele bieten telefonische oder Online-Beratungen, einen Hol- und Bringservice für die Autos oder andere Möglichkeiten zur Abwicklung der Dienstleistungen ohne persönlichen Kontakt an. Vor der Fahrzeugrückgabe werden in diesen zudem Lenkrad, Schaltknauf und Türgriffe gründlich gereinigt.

Jetzt ist Pflanzzeit, aber alle Läden sind zu. Wo bekomme ich Setzlinge für den Garten?

Im Internet oder über Bestellungen per Telefon oder E-Mail. Blumenläden oder Verkaufslokale von Gärtnereien sind zwar geschlossen. Einzelne bieten jedoch einen Hausliefer- oder Selbstabholservice an. Zwei Beispiele aus dem Kanton Glarus sind in Engi www.garten-baebler.ch oder in Glarus www.bluehlang.ch. Die Landi in Mitlödi ist zwar geöffnet, muss aber ihr Sortiment abschirmen, das aus Gütern besteht, die nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt sind. Auch die Landi betreibt aber einen Online-Shop, wie das auch die meisten Bau- und Hobbymärkte tun. Sie weisen aber darauf hin, dass es bei der Lieferung per Post zurzeit zu Verzögerungen kommen könne.

Welche Poststellen sind noch geöffnet?

Im Kanton Glarus alle (Stand 18. März). Je nach Partnern können einzelne Postagenturen aber aufgrund der bundesrätlichen Anordnung vorübergehend geschlossen werden. Unter www.post.ch wird dazu eine Liste laufend aktualisiert. Weiter teilt die Post mit, dass Briefe, Pakete und Zeitungen zurzeit später als üblich in den Briefkästen landen könnten.

Ich bin über 75-jährig und müsste nächste Woche zum medizinischen Check, um weiterhin Auto fahren zu dürfen. Gilt das entsprechende Aufgebot noch?

Nein. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat alle Aufgebote für die sogenannten periodischen verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchungen sistiert. Daneben wurde eine ganze Reihe spezieller Massnahmen im Strassenverkehr beschlossen. So wird den Kantonen derzeit zum Beispiel auch erlaubt, die Gültigkeitsdauer von Lernfahrausweisen «angemessen» zu verlängern, weil keine Prüfungen absolviert werden können. Alles unter: www.astra.admin.ch.

Sollen Kinder noch draussen miteinander spielen, und wenn ja: wie viele und was ist zu beachten?

Auch beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird Verständnis dafür gezeigt, «dass die Betreuung der Kinder in der aktuellen Situation herausfordernd ist». Trotzdem sei es wichtig, dass sich keine grösseren Gruppen von Kindern in Parks oder an anderen Orten treffen. Gruppen von maximal fünf Kindern seien möglich, wobei vor allem wichtig sei, dass dann die Eltern oder andere Erwachsene nicht zusammenkämen. «Vor allem müssen ältere Menschen und andere gefährdete Personen den Kontakt zu Kindern meiden.» Immer einzuhalten seien die Hygiene- und Verhaltensregeln wie Abstand halten, wobei sich auch das vor allem auf die Betreuungspersonen bezieht.

Bisher ging ich einmal pro Woche zu meiner Mutter zum Mittagessen. Soll ich das weiter so machen?

Private Essen im kleinen Kreis sind laut BAG zwar nicht verboten. «In der aktuell kritischen Situation müssen wir jedoch alle unsere sozialen Kontakte möglichst reduzieren», heisst es dazu – gefolgt von einem Appell an die Eigenverantwortung: «Vermeiden Sie alle sozialen Aktivitäten, die nicht zwingend notwendig sind.»

 

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Die Redaktion der «Glarner Nachrichten» versucht dann, Antworten zu finden und diese für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Da ich wärend des Krieges 1942 geboren bin und nach dem Krieg aufgewachsen, mussten wir jeweils jeden Samstag WC Papier aus den Zeitungen schneiden.Da auch die Papiersammlung ausfällt in Glarus Nord ,könnte man ja wieder das WC Papier aus den Zeitungen schneiden.Haben zwar jetzt noch WC Papier für längere Zeit.Auch das Brot, musste man als ich Kleinkind war mit Rationierungsmarken kaufen.