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Das gilt es über das Coronavirus zu wissen

Weshalb soll das Coronavirus gefährlicher sein als eine herkömmliche Grippe? Wie sehen die Symptome aus und wie schützt man sich am besten vor einer Infektion? Felix Fleisch, Leiter Infektiologie des Kantonsspitals Graubünden hat Antworten.

Südostschweiz
Samstag, 29. Februar 2020, 04:30 Uhr Keine Panikmache – nur Fakten
«Nicht in Panik verfallen»: Felix Fleisch, der Leiter Infektiologie des Kantonsspitals Graubünden gibt Auskunft.
PHILIPP BAER

Kaum eine Stunde vergeht ohne neue Schlagzeilen zur Ausbreitung des Coronavirus. Während die stete Berichterstattung für manche bereits eindeutig als «Panikmache» zu verurteilen ist, fühlen sich andere verunsichert und suchen gezielt nach Informationen zum Coronavirus.

Deshalb hier, nüchtern und sachlich, einige Fakten zum Coronavirus vom obersten Infektiologen des Kantonsspitals Graubünden, Felix Fleisch.

Felix Fleisch, Leiter Infektiologie des Kantonsspitals Graubünden, im Interview mit TV Südostschweiz.

Anna Nüesch: Wie unterscheidet sich das Coronavirus von einer normalen Grippe?

Felix Fleisch: Das Coronavirus ist ein neues Virus und niemand hat eine Immunität gegen dieses Virus. Das bedeutet, dass sich grundsätzlich jeder anstecken kann. Bei der normalen Grippe hat der Körper bereits einen gewissen Schutz aus vorhergehenden Infektionen entwickelt. 

Wie sehen die Symptome aus?

Es handelt sich um Atemwegssyptome. Das kann die oberen Atemwege (Schnupfen, Halsschmerzen) oder die unteren Atemwege (Husten oder seltener Lugenentzündung) betreffen. Meistens treten diese Symptome in Verbindung mit Fieber auf.

Wie muss ich vorgehen, wenn ich solche Symptome habe?

Nicht in Panik geraten ist das wichtigste. Bis jetzt starben am Coronavirus sehr wenige Personen und bei diesen handelte es sich meist um ältere oder kranke Personen. Für die grosse Mehrheit wird eine Ansteckung nicht anders als eine normale Grippe verlaufen. Bezüglich des Verhaltens ist es wichtig, dass man nicht gleich ein Spital aufsucht. Wenn jeder mit einem Schnupfen ein Spital aufsuchen würde, kämen die Spitäler rasch an ihre Grenzen. Ich empfehle die Hotline des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) oder den Hausarzt telefonisch zu kontaktieren. An die Möglichkeit einer Coronavirus-Infektion muss man erst denken, wenn man mit jemandem in Kontakt war, der oder die infiziert ist oder wenn man sich in Gebieten mit vielen Coronafällen aufhielt. Konkret: Norditaltien, China, Singapur oder Iran.

Wie kann ich mich vor dem Virus schützen?

Die Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln ist das wichtigste: Regelmässig die Hände waschen, in die Armbeuge niessen und anschliessend die Hände waschen, gebrauchte Taschentücher entsorgen und aktuell empfiehlt es sich grosse Menschenansammlungen zu meiden.

Wie lange überleben die Viren in der Umgebung?

Solche Viren können grundsätzlich mehrere Stunden überleben. Bis jetzt sind allerdings keine Fälle bekannt, wo sich Personen nur über ihre Umgebung angesteckt haben. Alle positiven Fälle haben sich im Kontakt mit einer infizierten Person angesteckt. 

Weitere häufig gestellte Fragen:

Warum bereitet das Coronavirus den Experten aktuell derart Sorge?
Prozentual sterben am Covid-19 Virus mehr Menschen als an der saisonalen Grippe. Wie hoch die Sterblichkeitsrate wirklich ist, ist noch nicht klar abschätzbar. In China liegt der Wert bei rund zwei Prozent, ausserhalb von China liegt dieser Wert tiefer. Weiter können sich Risikogruppen vor der saisonalen Grippe impfen. Beim Coronavirus ist das noch nicht möglich.

Für wen ist das Virus am gefährlichsten?
Am stärksten gefährdet sind ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Die meisten Todesopfer sind über 60 Jahre alt. Schwere Krankheitsverläufe zeigen sich insbesondere bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Kinder erkranken kaum und wenn, nicht schwer. Käme es zu einem lokalen Ausbruch, sollten man im privaten Umfeld eher an den Schutz der Grosseltern denken. 

Warum sollte ich bei einem Infektionsverdacht nicht umgehend das nächste Spital oder die nächste Arztpraxis aufsuchen?
Das Risiko in einem Spital oder in einer Arztpraxis andere Menschen anzustecken, wäre viel zu gross. Deshalb gilt es zuerst einen Arzt telefonisch zu kontaktieren, der Sie über die weiteren Schritte informiert. (bae)
 

Diese drei Grundregeln gilt es zu beachten.

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