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Mehrere kranke Tiere mussten erlegt werden

Im Safiental grassiert beim Steinwild die hochansteckende Gamsblindheit. Mehrere Tiere mussten von ihrem Leiden erlöst werden. Um den Tieren mehr Ruhe zu gewährleisten, wurde eine temporäre Wildruhezone erlassen.

Philipp
Wyss
Samstag, 01. Februar 2020, 04:30 Uhr Gamsblindheit auf Vormarsch

Im Moment sei der vordere Teil des Signinagebiet im Gebirgskamm zwischen dem Safiental und dem Lugnez stark von der Gamsblindheit betroffen, bestätigt Hannes Jenny einen Facebookpost des Kantons Graubünden auf Anfrage.

Der Wildbiologie vom kantonalen Amt für Jagd und Fischerei spricht von überaus schlimmen Bildern, welche die Gamsblindheit hervorrufen kann. «Die Krankheit kann ganz unterschiedlich ausbrechen, von latent chronisch mit Tränenfluss bis zu einer extremen Aggressivität, bei der die Hornhaut in 10 bis 14 Tagen durchbrochen wird und anschliessend die Augen des Tieres auslaufen», so Jenny. Bilder dazu (Achtung: auch extreme Bilder!) könnt Ihr im untenstehenden Facebook-Post sehen.

Erkrankter Steinbock im Anfangsstadium mit Sekretstrassen unter dem Auge. ARCHIV

Die Krankheit wird durch Mykroplasmen von Tier zu Tier übertragen. Das ist eine Zwischenform von Viren und Bakterien, erklärt Jenny. Und sie ist hochansteckend. Gegen die Gamsblindheit gibt es keine medizinischen Schutzmassnahmen. Während befallenen Nutztieren geholfen werden kann, ist eine Behandlung bei Wildtieren wie Gämsen oder Steinwild nicht möglich. Hirsch und Reh sind nicht gefährdet.

Um die Jahrtausendwende versuchten Forscher einen Impfstoff zu entwickeln – bislang vergeblich. Wie Jenny weiter sagt, gibt es kaum Krankheiten, die durch Mykroplasmen weitergegeben und mit Impfungen verhindert werden können.

Betroffenen Tieren erkranken die Augen, die Hornhaut und die Bindehaut entzünden sich. Oftmals verlieren die Tiere die Sehkraft. Erkrankte Tiere erkennt man daran, dass sie ins Leere oder im Kreis herumlaufen (siehe Bild im Facebookpost), die Vorderläufe anstossen und kein Furchtverhalten zeigen. Ein Hinweis für die Krankheit sind auch verschmierte und/oder trübe Augen. Stark betroffene Tiere sind nicht überlebensfähig; sie verhungern oder stürzen ab.

Nicht alle Tiere kommen um

Im Safiental wurde bislang gut ein Dutzend Tiere von der Wildhut erlöst, sagt Jenny. Auch Wildtiere würden helfen, dass sich die Gamsblindheit nicht weiter ausbreite, weil erkrankte Tiere ein leichtes Opfer für Wolf, Steinadler, Bartgeier oder Luchs sind.

Es gibt aber auch Tiere, die die Krankheit überleben. «Das sind dann die wertvollsten Tiere, weil sie gegen die Gamsblindheit immun sind», so Jenny. Konkret können sie die Krankheit nicht mehr übertragen. Aus diesem Grund ist die Wildhut mit Abschüssen auch zurückhaltend. Laut Jenny werden lediglich einzelne Tiere erlegt. Denn auch Abschüsse sind Störungen für Wildtiere. Genauso wie Wintersportler.

Interaktive Karte zum Kanton Graubünden zum Thema Wildruhezonen (draufklicken um mehr zu sehen). SCREENSHOT

Wintersportler: Achtung

Ein möglicher Schutz für betroffene Tiere ist Ruhe. Störungen – insbesondere durch Menschen – können das Abwandern der Tiere in andere Kolonien und damit das Ausbreiten der Krankheit zur Folge haben. Menschen können Wildtieren helfen, wenn sie sich ihnen nicht nähern, um beispielsweise ein (noch besseres) Foto zu schiessen.

Um dies zu verhindern, hat die Gemeinde Safiental in Zusammenarbeit mit dem Kanton eine zusätzliche Wildruhezone eingerichtet. Laut Gesetz kann eine Gemeinde in Notsituationen den Zutritt in ein Gebiet jederzeit verbieten und damit das freie Betretungsrecht gemäss das Zivilgesetzbuch ‹aushebeln›, erklärt Jenny. Nach dem Gemeindebeschluss kommunizierte der Kanton und stellte entsprechende Schilder auf. Im Safiental ist die Massnahme vorerst temporär eingerichtet worden.

Beobachtungen rund um die Gamsblindheit sollten dem zuständigen Wildhüter gemeldet werden. Dadurch können die Ausbreitungen beobachtet und gegebenenfalls weitere Massnahmen getroffen werden – wie nun im Safiental.

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