×

Wie umgehen mit Unwetterwarnungen?

Es regnet stark und ohne Unterbruch: Wie weiss ich, ob die Strasse ins Dorf gefährdet ist, ob ich um meinen Keller bangen muss? Welcher Wetter-App vertraue ich? «Am besten den Anweisungen der Behörden», sagt Daniel Murer von Meteo Schweiz.

Südostschweiz
Mittwoch, 14. August 2019, 04:30 Uhr Warnstufen 1 bis 5
Die Behörden warnen die Einwohner im Falle von starken Niederschlägen mit Hochwassergefahr.
ARCHIV

«Wenn wir eine Unwetterwarnung ab Stufe 3 und höher rausgeben, ist das für die Behörden mehr als nur eine Empfehlung», erklärt Daniel Murer von Meteo Schweiz gegenüber Radio Südostschweiz. Dann gilt es also ernst. Meteo Schweiz bedient sich in Bezug auf Unwetterwarnungen einer Skala von 1 bis 5. «Das ist eine international vereinbarte Skala.» Bei Stufe 3 können in Bezug auf Niederschläge bereits kleinere Überflutungen oder Hangrutsche auftreten, wie Murer erklärt. Und ergänzt: «Eine Unwetterwarnung Stufe 3 bedeute aber nicht immer dasselbe.» Je nach Gelände, je nachdem, wie fest es in den vergangenen Tagen bereits regnete, seien unterschiedliche Massnahmen zu treffen.

Meteo Schweiz kennt fünf Gefahrenstufen bezüglich Unwetter.

Der Meteorologe beschreibt die Aufgaben von Meteo Schweiz, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie: «Als Bundesbehörde überwachen wir das Wetter pausenlos und machen Prognosen für die nächsten fünf Tage. Erreichen Niederschlags- oder Windwerte eine definierte Schwelle, formulieren wir gemeinsam im Team Unwetterwarnungen.» Diese werden dann an die entsprechenden Behörden der Kantone übermittelt. Erst die Behörden würden dann konkrete Massnahmen wie zum Beispiel Strassensperrungen umsetzen oder vorbereitende Massnahmen treffen wie Sandsäcke bereitstellen oder Brücken sperren, so Murer.

Von Meteo Schweiz zum Kanton zu den Gemeinden

Für Privatpersonen sind die Meldungen von Meteo Schweiz Empfehlungen, wie sie sich bei extremem Wetter und Unwetterwarnungen zu verhalten haben. «Eine wichtige davon ist, die Anweisungen der Behörden zu beachten. Denn nur diese geben im Falle eines Unwetters konkrete Handlungsanweisungen», so Murer. Gibt Meteo Schweiz eine Unwetterwarnung raus, schätzen die Naturgefahrenberater der jeweiligen Kantone die Lage in den eigenen Regionen nochmals ein und gehen dann auf die gefährdeten Gemeinden zu. Diese informieren letztlich ihre Einwohner, veranlassen Evakuierungen oder andere notwendige Massnahmen. Wenn es richtig brenzlig wird, gibt es eine zusätzliche Regelung: Ab Gefahrenstufe 4 können Radio und Fernsehen verpflichtet werden, die Warnungen zu verbreiten.

Verschiedene Schwellenwerte

Was, wenn ich in Zeiten der Digitalisierung mehrere Wetter-Apps abonniert habe? Was, wenn diese nicht dieselben Unwetterwarnungen formulieren? «Das ist ein uns bekanntes Problem», sagt Murer. «Private Messstationen haben oft andere Schwellenwerte als wir. Das führt immer wieder zu Verwirrung.» Meteo Schweiz habe schon mehrmals versucht, diese Werte zu vereinheitlichen. «Aber ohne Erfolg», so Murer.

Die Zusammenarbeit mit den Kantonen verläuft gemäss Murer aber sehr gut. An einer Konferenz werde jährlich besprochen, ob die jeweiligen Warnschwellen noch stimmen oder ob Anpassungen nötig seien. Vor rund 15 Jahren wurden diese Werte vereinbart und seither laufend überprüft. «Die Kantone hören nur auf unsere Warnungen», erklärt Murer. Nur sie seien massgebend für den Umgang mit Unwettern. «Auch wenn zum Beispiel das Fernsehen andere Meldungen macht», so Murer. (sz)

Kommentar schreiben

Kommentar senden