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12 verschiedene Pestizide auf Kinderspielplätzen

Ein Forscherteam hat auf Spielplätzen in Südtirol hormonell wirksame Stoffe nachgewiesen.

Fadrina
Hofmann
Freitag, 24. Mai 2019, 23:29 Uhr Kontaminiert
Studienergebnisse: Knapp die Hälfte der untersuchten Spielplätze war mit Pestiziden kontaminiert.
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Obst- und Weinbau zählen zu den landwirtschaftlichen Sparten mit besonders hohem Pestizideinsatz. Unklar war bisher, inwiefern angrenzende öffentliche Flächen durch Pestizidverwehungen betroffen sind. In der weltweit ersten Studie dieser Art wurden 71 Spielplätze in Südtirol auf mögliche Pestizidkontaminationen untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend. Knapp die Hälfte der untersuchten Spielplätze war mit Pestiziden kontaminiert. Insgesamt konnten zwölf verschiedene Pestizide auf den untersuchten Spielplätzen nachgewiesen werden. Spielplätze im Vinschgau waren am häufigsten mit Pestiziden belastet, während jene im Bozener Unterland die höchsten Pestizidkonzentrationen aufwiesen. Das Vinschgau ist eine Nachbarregion des Münstertals.

Gefährliche Substanzen

Als besonders bedenklich werten die Verantwortlichen der Studie, dass 92 Prozent der gefundenen Pestizidwirkstoffe als hormonell wirksam gelten. «Diese Stoffe können in den menschlichen Hormonhaushalt eingreifen und dort zu Störungen führen, was besonders bei Kindern bedenklich ist. Solche hormonschädlichen Substanzen können zur Entstehung chronischen Krankheiten wie etwa Adipositas, Diabetes oder auch Krebs beitragen», erklärt der Toxikologe und Mitautor der Studie, Peter Clausing vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany).

Die Studie ergab weiter, dass die Pestizidbelastung von der Entfernung zu den Obstanbauflächen und von deren Flächenanteil in der Umgebung abhängt. Zusätzlich werden die Pestizidrückstände von den herrschenden Strahlungs- und Windbedingungen sowie den Niederschlagsmengen beeinflusst. «Konkret zeigen die Ergebnisse, dass die untersuchten Kinderspielplätze einen Mindestabstand von 100 Metern zu den Agrarflächen haben sollten, um eine Pestizidkontamination möglichst zu vermeiden», erläutert die Hauptautorin der Studie, Caroline Linhart.

Sie räumt allerdings ein, dass die Pestizide bei mittleren bis höheren Windgeschwindigkeiten mehr als 300 Meter vertragen werden. Je nach Strahlungsbedingungen seien auch höhere Konzentrationen wahrscheinlich. Diese Aspekte wurden gemäss den Verfassern der Studie bei der bisherigen Anwendung von Pestiziden und bei deren Bewertungen meistens nicht berücksichtigt.

Pestizid-Monitoring gefordert

Die Ergebnisse dieses internationalen Kooperationsprojektes wurden kürzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift «Environmental Sciences Europe» veröffentlicht.

Das Fazit der Studie ist laut Koen Hertoge, Studienleiter des Pesticide Action Network Europe, deutlich: «Die derzeitigen Massnahmen zur Minderung der Pestizidabdrift reichen offenbar nicht aus.» Das Forschungsteam plädiert deswegen für ein Pestizid-Monitoring – zumindest auf öffentlich genutzten Plätzen in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft.

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