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Vor 80 Jahren begrub der Fels bei Flims 18 Menschen

Am 10. April 1939, einem Ostermontag, lösten sich vom Flimserstein enorme Massen an Fels und Geröll und stürzten talabwärts. Der Felssturz kostete fünf Erwachsenen und 13 Kindern das Leben.

Seraina
Zinsli
Mittwoch, 10. April 2019, 04:30 Uhr Rückblick auf die grosse Katastrophe

Furchtbare Felssturzkatastrophe. Kinderheim bei Fidaz verschüttet. 5 Tote – 11 Gerettete, darunter mehrere schwer verletzt – 12 Vermisste»: So lautete in der «Neuen Bündner Zeitung» die Schlagzeile, einen Tag nach dem tragischen Felssturz bei Fidaz. Das Unglück ereignete sich heute vor genau 80 Jahren, am 10. April 1939 – einem «schwarzen Ostermontag», wie das «Bündner Tagblatt» damals schrieb. Keiner wusste zu diesem Zeitpunkt, dass die Geröllmassen 18 Opfer fordern würden: fünf Erwachsene und 13 Kinder.

800'000 Kubikmeter Fels

Wie jedes Mal im Frühling, hatte die Bevölkerung auch in jenen Tagen vor gut 80 Jahren vermehrten Steinschlag von den fast senkrechten Felswänden des Flimsersteins wahrgenommen. Ohne allerdings deswegen beunruhigt zu sein, wie das «Bündner Tagblatt» einen Tag nach dem Unglück schrieb. Aber dann, kurz vor 12 Uhr, hätten die Bewohner plötzlich ein «hartes Getöse und Gepolter» vernehmen können.

Ein Augenzeuge schilderte die Katastrophe damals wie folgt: «Ich denke zuerst an eine gewaltige Lawine, die sich vielleicht im Ringelgebiet losgelöst hat; doch schon sehe ich am nahen Flimserstein, in einer Falte der schroffen Wand, eine ungeheure Staubwolke, die sich mit grosser Schnelligkeit direkt gegen das Kinderheim und weiter hinaus, Richtung Trinsermühle, bewegt, eine mächtige weisse Geröllspur hinterlassend.»

Und tatsächlich, der Felssturz begrub das Wiesland in einer Breite von rund 300 Metern mehrere Meter hoch unter Schutt, Gestein und grossen Felsblöcken. Teilweise einen halben Kilometer talabwärts. Je nach Berechnungen und Quelle donnerten an diesem Tag bis zu 800 000 Kubikmeter die Felswand hinunter.

Eine Wahrscheinlichkeit, dass in den Stein- und Erdmassen noch Menschen überlebt haben könnten, habe bereits unmittelbar nach der Verschüttung nicht bestanden, hiess es in der «Neuen Bündner Zeitung». Trotzdem seien die Suchaktion und die Bergungsarbeiten weiterhin mit dem Einsatz aller erforderlichen Mittel von der Gemeinde mit Unterstützung des Kantons fortgesetzt worden, hiess es weiter.

Dann, zehn Tage nach der Felssturzkatastrophe, die Nachricht, dass die Bergungsarbeiten eingestellt worden seien. «Leider lassen nun weitere Grabungsarbeiten keinen nennenswerten Erfolg mehr erwarten», so die «Neue Bündner Zeitung» am 20. April 1939.

Gedenkstätte für die Opfer

Als Gedenkstätte für die Toten und Vermissten dient bis heute der Bergfriedhof bei Fidaz. Dort steht auch eine Erinnerungstafel. Darin, im dunklen Granit eingemeisselt, finden sich alle Namen der Opfer der Felssturzkatastrophe vom 10. April 1939. Für die – bis heute – nicht gefundenen Opfer, darunter vier Kinder, wurden Gedenksteine errichtet.

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