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Der Wettlauf gegen die Zeit

Von einer Lawine verschüttet zu werden, ist lebensgefährlich. Innert 30 Minuten sinkt die Überlebenschance massiv.

Marco
Lüthi
Samstag, 05. Januar 2019, 13:11 Uhr Lawinen
Nach einem Lawinenniedergang sollten die Rettungsteams möglichst schnell alarmiert werden.
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Jährlich könnten in der Schweiz viele der mehr als 100 Lawinenunfälle vermieden werden. Sei dies mit einer guten Vorbereitung, einer aufmerksamen Beurteilung der Lawinengefahr vor Ort oder einem an die Verhältnisse angepassten Verhalten. Laut Rega ist Prävention, also möglichst gar nicht erst von einer Lawine erfasst zu werden, das A und O. Für den Ernstfall sollte man vorbereitet sein, denn für alle Beteiligten zählt jede Minute.

Die Vorbereitung

Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos informiert zweimal täglich über die aktuelle Lawinengefahr. Dies mittels fünfstufiger Gefahrenskala:

  • Sehr gross – Katastrophensituation: Viele spontane, grosse Lawinen sind zu erwarten, selbst in mässig steilem Gelände. Verzicht auf Skitouren wird empfohlen.
  • Gross – akute Lawinensituation: An Steilhängen sind Lawinen leicht auslösbar. Grosse Lawinen sind sehr wahrscheinlich. Nur mässig steiles Gelände befahren.
  • Erheblich – kritische Lawinensituation: Lawinen können an Steilhängen (ab 30 Grad) leicht ausgelöst werden. Spontane Lawinen und Fernauslösungen sind möglich. Die Hälfte aller tödlichen Lawinenunfälle ereignet sich bei dieser Gefahrenstufe.
  • Mässig – mehrheitlich günstige Lawinensituation: Lawinen können an sehr steilen Hängen (mehr als 35 Grad) ausgelöst werden. Grössere spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. Gute Tourenverhältnisse bei vorsichtiger Routenwahl.
  • Gering – allgemein günstige Lawinensituation: Lawinen können nur vereinzelt an extrem steilen Hängen (steiler als 40 Grad) ausgelöst werden.

Da die Lawinengefahr je nach Gebiet stark variieren kann, wird empfohlen, sich vor Ort, etwa bei den Bergbahnen, nochmals über die lokalen Bedingungen zu informieren.

Die Ausrüstung für den Notfall

Zur Prävention gehört laut Rega auch die richtige Ausrüstung: Die Standard-Notfallausrüstung für Schneesportler, die sich abseits von gesicherten Pisten und Wegen bewegen, besteht aus einem Lawinenverschüttungsgerät, Schaufel und Sonde. Zusätzlich ist es sinnvoll, ein Mobiltelefon oder Funkgerät sowie eine Notfallapotheke dabei zu haben.

Richtig handeln

Trotz aller guten Planung und Umsicht kann es passieren, dass man von einer Lawine erfasst oder Zeuge einer Verschüttung wird. Die Rega rät daher, sich wie folgt zu verhalten:

  • Wer von einer Lawine erfasst wird, sollte versuchen, der Lawine seitlich zu entkommen und dabei die Stöcke loslassen sowie die mögliche Schutzausrüstung wie etwa den Airbag benutzen. Und solange der Schnee fliesst versuchen, an der Oberfläche zu bleiben. Bevor der Schnee zum Stillstand kommt, sollte man mit beiden Händen einen Hohlraum vor Mund und Nase bilden und versuchen, die Atemweg möglichst freizuhalten.
  • Wer Zeuge eines Lawinenunglücks wird, sollte den Niedergang und die mitgerissene Person genau beobachten (Zeitpunkt und Ort des Verschwindens). Wichtig dabei ist, auch auf die eigene Sicherheit zu achten. Nachdem man sich einen Überblick verschafft hat, sollten umgehend die Rettungskräfte alarmiert werden via der Alarmnummer 1414 oder Rega-App. Danach sollte mit der Rettung des Verschütteten begonnen werden, bis die Rega-Crew, die Lawinensuchhunde-Teams und Bergretter des Schweizer Alpen-Club (SAC) am Unfallort eintreffen.

Entscheidend für das Überleben in einer Lawine ist gemäss dem Rega-Magazin vom November 2017 die schnelle Rettung: Nur wer innert kürzester Zeit gerettet wird, hat intakte Chancen, zu überleben. 43 Prozent aller verschütteten Personen, die vollständig von den Schneemassen bedeckt werden, erliegen unmittelbar ihren Verletzungen oder finden den Erstickungstod.

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