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Auch in Graubünden: Deutlicher Rückgang der HIV-Neuansteckungen

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Kurz vorher gab es vom Bundesamt für Gesundheit eine frohe Botschaft: Neuansteckungen mit dem HI-Virus haben im vergangenen Jahr deutlich abgenommen - auch in Graubünden. Dennoch stecken sich Jahr für Jahr Menschen mit dem nach wie vor unheilbaren Virus an.

Südostschweiz
Donnerstag, 29. November 2018, 20:31 Uhr Good News zum Welt-Aids-Tag
Die Fallzahlen haben im vergangenen Jahr um 16 Prozent abgenommen.
SYMBOLBILD KEYSTONE

Im Jahr 2017 haben sich schweizweit 445 Personen mit dem HI-Virus infiziert. Dies entspricht gegenüber 2016 einem Rückgang von 16 Prozent, berichtet das Bundesamt für Gesundheit in einer kürzlich veröffentlichten Statistik.

Als Gründe für diesen Rückgang sieht der Bundesrat hauptsächlich gezielte Kampagnen, vermehrt durchgeführte Tests bei Personen mit erhöhtem Risiko sowie die frühzeitige Behandlung von HIV-positiven Patienten.

Der Rückgang der HIV-Fälle zeige die Wirksamkeit der in den letzten Jahren betriebenen Präventionspolitik und das starke Engagement aller involvierten Akteure, heisst es in der Mitteilung weiter.

Fakten gemäss Aids-Hilfe Schweiz:

  • Insgesamt leben in der Schweiz rund 20‘000 Personen mit HIV.
     
  • 2017 wurden in der Schweiz 445 neue Diagnosen gestellt.
     
  • Der Frauenanteil bei den Neudiagnosen beträgt unverändert 22 Prozent.
     
  • Bei heterosexuellen Frauen nahmen die Neuansteckungen zwischen 2012 und 2017, von 131 auf 69, um fast die Hälfte ab.
     
  • Für Männer mit HIV-Diagnose wurde auch im Jahr 2017 als häufigster Ansteckungsgrund Sex mit anderen Männern genannt (53,6 Prozent). An zweiter Stelle folgten heterosexuelle Kontakte (22 Prozent). Die Benutzung kontaminierten Spritzbestecks bei intravenösem Drogenkonsum (IDU) wurde in 1,7 Prozent der HIV-Diagnosen bei Männern festgestellt.
     
  • Bei den heterosexuell infizierten Frauen hatten 32 Prozent die Nationalität eines Landes, das nach WHO-Kriterien als HIV-Hochprävalenzland eingestuft wird. In der Schweiz spielen dabei hauptsächlich Länder südlich der Sahara eine Rolle. Bei den Männern mit heterosexuellem Ansteckungsweg stammten weniger als halb so viele aus einem Hochprävalenzland (13 Prozent).
Neue HIV-Infektionen nach Regionen.
UNAIDS 2018

Auch in Graubünden

Wie der Bündner Kantonsarzt Martin Mani auf Anfrage erklärt, ist die Infektion mit dem HI-Virus auch im Kanton Graubünden rückläufig: «Es gab im Jahr 2018 nur eine handvoll Fälle.» Das Thema sei deshalb bei ihm vom Alltagsradar verschwunden.

Auf Nachfrage beim Bundesamt für Gesundheit gab Mediensprecher Adrien Kay bekannt, dass es im Kanton Graubünden im Jahr 2017 fünf Fälle, im Kanton Glarus einen Fall gab, bei dem sich Menschen mit dem HI-Virus infizierten.

HIV-Inzidenz nach Regionen.
BUNDESAMT FÜR GESUNDHEIT
Altersverteilung von HIV-Patienten nach Ansteckungsweg und Geschlecht.
BUNDESAMT FÜR GESUNDHEIT

HIV-Tests nehmen deutlich zu

Die Anzahl der 2017 durchgeführten Tests in den Zentren für freiwillige Beratung und Testung (Voluntary Counselling and Testing, VCT) sei gegenüber 2016 um elf Prozent, bei der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) sogar um 20 Prozent gestiegen.

Regelmässige Tests würden es ermöglichen, auf mehreren Ebenen anzusetzen, um die Zahl der Neuinfektionen zu verringern. So liessen sich damit einerseits teilweise Fälle vermeiden, bei denen eine infizierte Person das HIV überträgt, weil sie nicht weiss, dass sie HIV-positiv ist. Andererseits könne nach einer positiven Diagnose rasch mit der Behandlung begonnen werden.
Mit den heutigen Behandlungsmethoden gelinge es bei konsequenter Anwendung, die Viruslast so stark zu reduzieren, dass sich bei einer HIV-positiven Person niemand mehr anstecke (nicht nachweisbar = nicht ansteckend).

HIV-Labormeldungen nach Geschlecht und Testjahr.
BUNDESAMT FÜR GESUNDHEIT

Einfache Regeln befolgen

Um das Ziel der HIV-Elimination bis 2030 zu erreichen, müssen die Regeln des Safer Sex auch künftig unbedingt befolgt werden:

  • Vaginalsex und Analsex nur mit Kondom
     
  • Individuelle Empfehlungen zur eigenen Sexualität gibt der Safer-Sex-Check

Gemäss der Aids-Hilfe Schweiz bedeute Safer Sex aber nicht nur, sich beim Sex möglichst konsequent zu schützen, sondern auch, dass man handle, wenn etwas passiert sei.

Weitere Informationen sowie Beratungen bietet unter anderem die Aids-Hilfe Graubünden an.

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