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Laut Bazl werden Gebrauchtteile gerne wiederverwendet

Die im August am Piz Segnas abgestürzte «Tante Ju» flog mit Motorenzylinder, die 60 Jahre im Eis lagen. Keine Seltenheit, wie das zuständige Bundesamt bestätigt.

Dienstag, 27. November 2018, 04:30 Uhr «Tante Ju»
Die in der Schweiz verwendeten Ju-52 besitzen originale BMW-Motoren.
ARCHIV KEYSTONE

Im kürzlich veröffentlichten Zwischenbericht zum Absturz einer «Tante-Ju» letzten August wurde ersichtlich, dass in der Unglücksmaschine Teile einer Absturzmaschine verbaut waren, die zuvor rund 60 Jahre unter einer Eisschicht gelegen sind.

Auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» erklärt Urs Holderegger, Leiter Kommunikation beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), wie es dazu kommen konnte und bestätigt, dass das Bazl vor Veröffentlichung des Zwischenberichts keine Kenntnis von der Verwendung solcher Teile hatte. «Es stimmt, dass wir keine Kenntnisse von der Gebrauchtteil-Verwendung in diesem konkreten Fall hatten. Da die Beschaffung von genügend Ersatzteilen für Oldtimer-Flieger aber schwer ist, ist es nicht unüblich, dass Teile von anderen Fliegern wiederverwendet werden. Bei den Ersatzteilspendern kann es sich daher auch um bereits verunfallte Flugzeuge handeln.»

Nicht jedes Teil ist geeignet

Doch nicht jedes Teil kann für die Wiederbelebung eines Oldtimers verwendet werden. «In strengen Tests muss zum Beispiel die Materialbeständigkeit geprüft und ausgewiesen werden. Mittels Unterschrift bestätigt der Eigentümer dann, dass die verwendeten Teile die gleichen Anforderungen erfüllen wie die Originalteile im ursprünglichen Zustand.»

Seltene Modellvariation

Ein weiterer Faktor für die Wiederverwendung der Motorenzylinder in diesem konkreten Fall betrifft die Seltenheit der Ju-52-Modelle, die in der Schweiz eingesetzt werden. «Bei den Ju-52, die in der Schweiz geflogen werden, handelt es sich um Flugzeuge, die noch die originalen BMW-Motoren verwenden. Diese sind im Gegensatz zur Version mit amerikanischen Motoren sehr selten», so Holderegger.

Nebst der Verwendung von Ersatzteilen aus anderen Flugzeugen gibt es gemäss Holderegger allerdings auch noch andere Optionen. «Eine weitere Möglichkeit wäre die Verwendung von Replikas, sprich von nachgebauten, neuwertigen, Teilen. Diese müssen aber genau wie die Originalteile dieselben strengen Tests bestehen und mindestens gleich gut oder gar besser wie diese abschneiden.»

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