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«Auf Bündner Strassen wird viel aggressiver gefahren»

Auf Bündner Strassen werde viel zu aggressiv gefahren, findet Leser Walter K. Das wiederum führe oft zu brenzligen Situationen. In einem Kommentar zur Bündner Unfallstatistik machte er auf das Problem aufmerksam.

Mittwoch, 22. August 2018, 04:30 Uhr Harte Umgangsformen
Laut Leser Walter K. gilt an Churer Kreiseln das Gesetz des Stärkeren.
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«Als Neuzuzüger aus dem Berner Oberland stelle ich fest, dass auf Bündner Strassen viel aggressiver gefahren wird als auf Berner Bergstrassen», erklärte Leser Walter K. in einem Kommentar zu einem Artikel auf «suedostschweiz.ch» zur Bündner Unfallstatistik.

Im Kommentar begründet K. seine Feststellung: «Während vielen Kilometern kreuz und quer durch die Bündner Berge wurde ich auf den engsten Strassen von Lieferwagen bedrängt und konnte schon zweimal einen Frontalunfall nur verhindern, weil ich das Glück hatte, nach rechts in das freie Feld ausweichen zu können.»

Frontalkollision nur mit Glück abgewendet

Der letzte Fall steckt K. noch in den Knochen. Auf Anfrage von «suedostschweiz.ch» schildert er, wie er und seine Frau diesen Monat nur knapp einer Frontalkollision entkamen: «Auf dem Bild sieht man die Strasse zuhinterst im Safiental. Am Horizont verschwindet sie nach links, wo es hohes Gebüsch hat. Genau an dieser Stelle tauchte vor uns ein weisser Volvo SUV in voller Fahrt auf. Wie man auf dem Bild sehen kann, hatte er keine Möglichkeit, nach rechts auszuweichen, ohne in die Büsche zu fahren. Ich hatte das grosse Glück, dass es rechts neben der Strasse Gras hatte. So konnte ich das Auto dank einer sehr raschen Reaktion, kurz vor dem perfekten Frontalunfall, dorthin lenken.»

Die von K. beschriebene Strasse im Safiental, auf der es beinahe zum Unfall gekommen wäre.
LESER WALTER K.

Für K. war die Möglichkeit, ins Gras auszuweichen, lediglich eine Ausnahmesituation. «Bei gleicher Geschwindigkeit hätte es auf einer Bergstrasse mit Abhang und Felswand kein Entrinnen gegeben. Für mich war erschreckend, dass jemand an diesem Ort, wo er schon mehrere Kilometer auf schlechten und unübersichtlichen Bergstrassen unterwegs war, einfach drauflos brauste.» Entäuscht zeigt sich K. denn auch über das rücksichtslose Verhalten des Fahrers. «Der Fahrer hat nach dem Vorfall nicht abgebremst, sondern ist einfach weiter gefahren.»

An alle brenzligen Situationen kann sich K. nicht mehr erinnern. Zu viele seien es gewesen. Vor allem Lieferwagen seien «massiv zu schnell» unterwegs und auch Motorradfahrer würden sich nicht an die Gesetze halten. Das Ganze ist so schlimm, dass K.'s Frau nicht mehr unter der Woche nach Arosa fahren möchte.

Rücksichtslosigkeit an Churer Kreiseln

Weiter stellte K. fest, dass vor den Churer Kreiseln gar nicht erst abgebremst werde, sondern dass man ohne nach rechts zu schauen in den Kreisverkehr einbiege. «Ein Churer bremst vor einem Kreisel nur ab, wenn es im Kreisel stockt. Andernfalls fährt man hier ohne Blickkontrolle nach rechts einfach in den Kreisel. Schliesslich hat man ja Vortritt, wenn man sich im Kreisel befindet.» Und wer diesen Vortritt wolle, müsse logischerweise rasch fahren, damit der von rechts Kommende nicht vorher im Kreisel sei. «Ein sehr egoistische Verhalten eines Autofahrers, der offensichtlich unter Dauerstress steht - auch wenn es nur zum Einkauf geht», erklärt K.

Grosse Unterschiede in der Fahrweise

Laut K. gibt es grosse Unterschiede zwischen den Bündnern und den Bernern, auch in der Fahrweise. «Der Berner Oberländer wird wohl nicht zu Unrecht von den übrigen Schweizern als bedächtig dargestellt. Diese Aussage hat mich früher eher gestört als beruhigt. Heute stelle ich fest, dass im Raum Gstaad viel respektvoller gefahren wird. Es gibt weniger Unfälle – zumindesten habe ich selten in der Zeitung davon gelesen. Es wird vorausschauender gefahren und viel weniger gehetzt.»

Als Lösung des Problems sollten die Strassen durch das eigene Fahrverhalten sicherer gemacht werden, findet K. «Für mich sind verschiedene Aktionen denkbar. Man sollte die Verkehrsunfälle nicht bagetallisieren. Jeder Verkehrsunfall ist einer zu viel.»

Abschliessend erklärt K., dass er einem Gespräch mit Polizeikommandant Walter Schlegel nicht abgeneigt wäre: «Wenn sich all das, was ich bis heute erlebte, munter so weiter entwickelt, möchte ich mich mal mit dem Kommandanten der Kantonspolizei, Walter Schlegel, an einen Tisch setzen. Dabei möchte ich herausfinden, wie die Kantonspolizei in diesem Bereich tickt.»

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Irgendwie habe ich Probleme mit der Argumentation von der Einfahrt in den Kreisel, denn da hat der Verkehr von links Vortritt, also muss ich nach links und nicht nach rechts schauen, ausnehmend es komme vielleicht ein Berner als Geisterfahrer um die Ecke! Ich habe jedenfalls bei allen meinen Fahrten im Bernerland kein Kreisel mit Rechtsverkehr angetroffen!

Die "Rücksichtslosigkeit an Churer Kreiseln" kann ich bestätigen. Gerade heute am Kreisel Rheinstrasse/Ringstrasse fuhr ein weisser Tesla "GR 8.." - welcher mir vorher schon aus einer Seitenstrasse die Vorfahrt genommen hat - fährt in den Kreisel ein, obwohl dort schon sehr nahe eine BMW Richtung Masans fuhr. Im letzten Moment hat der Tesla-Fahrer angehalten und der BMW-Fahrer konnte nur durch ein Ausweichmanöver einen Zusammenstoss vermeiden.

Lieber Walter, wir haben in unserm schönen Kanton auch Züge auf Schienen, die sogar bis auf Arosa fahren... Im Safiental gibts die grossen gelben Busse, die Ihnen aber wohl auch zu schnell unterwegs sind.?
Für ihre Ausweichtechnik möchte ich ihnen jedenfalls gratulieren! Sie sind auf dem richtigen Weg wenn Sie so weiterfahren (im übertragenen Sinn). Leider weisen nur wenige Fahrer solche Geschicktheit auf.

Ja so Ähnliches erlebt man auch imKanton URI. Warum macht man keine Kontrollen im Seelisbergtunnel?DieUrner scheinen dort ein ein Sonderrecht zu haben.Niemand hält sich an die Beschränkung 100 km.140 sind keine Seltenheit!!

Etwa die Hälfte der "Abstimmenden" wählen "Nein, er übertreibt völlig!". Obwohl dieser Autofahrer den langzeitigen Vergleich zum Berner Oberland hat. Wer hat den schon in GR?
Zuviel der GR-Selbstgerechtigkeit, die ich bereits GRF attestierte?
Zudem zitierte mich der SCHPARZ 2017 betreffend GR-Kultur (die als aktueller USP/Strategie von GRF hochgejubelt wird): "Für intellektuelle Gesprächsrunden, für Feingeister, scheint mir der (Kanton) der groben Klötze der völlig kontraindizierte Ort zu sein."
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