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Kanton lockert Vorgaben für Bündner Bauern

Wegen der Trockenheit unterstützt der Kanton Graubünden ihre Bauern. Das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG) hat Sofortmassnahmen als Beitrag zur Entschärfung der Situation beschlossen.

Südostschweiz
Samstag, 11. August 2018, 11:31 Uhr Trockenheit mit Folgen
Kühe und andere Tiere dürfen länger auf der Alp bleiben.
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Graubünden greift den von Trockenheit und Futtermangel betroffenen Bauern unter die Arme. Der Kanton lockert Vorgaben für Zahlungen an Alpbetriebe sowie Weide- und Futtervorschriften. Er folgt damit den Kantonen St. Gallen, Thurgau und dem Jura. Auf Anfrage von Radio Südostschweiz bestätigt der Präsident vom Bündner Bauernverband, Thomas Roffler, die Problematik. «Unser Verband hat relativ viele Rückmeldungen aus der Landwirtschaft erhalten, die uns auf die Trockenheit aufmerksam gemacht und Massnahmen gefordert haben».

Amt hat Kompetenz dazu

Auf den Landwirtschafts- und Sömmerungsbetrieben werde das Futter immer knapper, teilte das Bündner Amt für Landwirtschaft und Geoinformation am Freitag mit. In solchen Fällen sieht die Verordnung über die Direktzahlungen vor, dass die Kantone auch dann Beiträge ausbezahlen können, wenn die Bedingungen nicht eingehalten werden. Bei der momentanen Trockenperiode handle es sich eindeutig um einen solchen Fall. Deshalb hat das ALG entschieden, von seiner Kompetenz Gebrauch zu machen.

Tiere kürzer auf der Alp halten

Bauern, die ihre Tiere wegen der Dürre früher von der Alp holen müssen, werden die Beiträge nicht gekürzt. Die Bauern müssen dazu allerdings ein Gesuch stellen. Auf das Gesuch kann nur eingetreten werden, wenn der betroffene Sömmerungsbetrieb während den letzten Jahren regelmässig zwischen 90 und 110 Prozent bestossen wurde und die aktuelle Alpsaison mit einem vergleichbaren Tierbestand begonnen hat.

Oder auch länger 

Aufgrund der Trockenheit im Tal und des entsprechenden Futtermangels auf den Heimbetrieben kann ein Sömmerungsbetrieb, falls genügend Weidefutter vorhanden ist, auch länger als üblich bestossen werden. Auch hier müsse ein Gesuch gestellt werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Wird deswegen ein Überbesatz von 110 Prozent und mehr erreicht, so kann auf Gesuch hin auf die Kürzung des Sömmerungsbeitrags verzichtet werden. Auf das Gesuch kann nur eingetreten werden, wenn der betroffene Sömmerungsbetrieb genügend Weidefutter hat. 

Auch extensive Wiesen

Weiter dürfen Bauern in bestimmten Fällen ihre Tiere ab sofort auch auf extensive und wenig intensiv genutzte Wiesen lassen, die normalerweise erst ab Anfang September beweidet werden können. Extensive Wiesen sind nur schwach oder gar nicht gedüngt und haben deshalb spezielle Auflagen.

Lockerung beim Raus-Programm und beim Futter

Auch die Bestimmungen für das Raus-Programm werden vorübergehend gelockert. Wenn zu wenig Gras zum Weiden auf dem Betrieb vorhanden ist und damit nicht mehr 25 Prozent der Tagesration durch das Weidefutter gedeckt sind, kann der Weidegang mit Auslauf im Laufhof ersetzt werden. Die Tiere müssen aber 26-mal pro Monat in den Laufhof gelassen werden.

Die Vorgaben für den Anteil an Weidefutter werden ausgesetzt. Weil viele Bauern Futter zukaufen müssen, drücken die Kontrolleure auch bei der Einhaltung der Nährstoff- oder Futterbilanz beide Augen zu. (sda/so)

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