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Gewalttat in Eschenbacher Postfiliale schlägt Wellen

Ein Randständiger verprügelt den Leiter der Poststelle in Eschenbach, nachdem eine Mitarbeiterin ihn auf einen Zahlungsrückstand hingewiesen hat. Die Staatsanwaltschaft verurteilt ihn dafür per Strafbefehl zu einer bedingten Haftstrafe. Die Post zeigt sich betroffen und nimmt ihre Angestellten aus der Schusslinie.

Südostschweiz
Samstag, 11. August 2018, 04:30 Uhr Eschenbach
Gewaltexzess: Nach seinen Tätlichkeiten gegen den Eschenbacher Poststellenleiter demolierte der 21-jährige Angreifer beim Hinausgehen eine Werbetafel
MARKUS TIMO RÜEGG

Von Christoph Leiber

Eine Straftat in Eschenbach schaffte es kürzlich in die weit verbreitete Pendlerzeitung «20 Minuten». Wie aus einem Strafbefehl der St. Galler Staatsanwaltschaft hervorgeht, verprügelte ein 21-jähriger Randständiger aus der Region am 6. März in der Eschenbacher Postfiliale den Leiter. Dabei erlitt dieser Prellungen, einen Bluterguss und Schürfwunden im Gesicht sowie eine Zerrung an der Wade. Zudem brach ihm ein Stück eines Zahns ab. Für die Tat kassierte der Angreifer eine bedingte Gefängnisstrafe von 90 Tagen. Aufgespürt hat den rechtskräftigen Strafbefehl die «Zürichsee-Zeitung».

Auslöser des Gewaltexzesses war eine offene Rechnung: Als der 21-Jährige auf der Poststelle einen Brief abholen wollte, wies ihn die Mitarbeiterin am Schalter auf einen Zahlungsrückstand hin. Wie es in dem Strafbefehl heisst, hatte der Mann bei einer Zahlung am 8. Januar 100 Franken zu wenig bezahlt. Dies bestritt er jedoch. Dabei wurde er laut und begann, gegen die Schalterscheibe zu schlagen.

Beschimpft, bedroht, geschlagen

Als sich der Poststellenleiter einschaltete, eskalierte die Situation weiter. Laut dem Strafbefehl betitelte der Täter die beiden Pöstler als «Vollpfösten» und «Vollidioten». Als Reaktion wies ihn der Poststellenleiter an, die Filiale zu verlassen und «bugsierte ihn in Richtung Ausgang», wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Ausser sich vor Wut, drehte sich der Beschuldigte um und drohte mehrfach: «Komm, komm, ich schlag dich nieder!» Um sich zu schützen, ergriff der Pöstler ein gelbes Putzwarnschild und drängte den Mann weiter zur Tür.

In der Folge rastete der 21-Jährige total aus: Er schubste den Poststellenleiter und kickte mit dem Fuss gegen dessen Kopf, sodass dieser nach hinten fiel. Der Angreifer liess sich nicht davon beirren, dass das Opfer seine Brille verlor und aus der Nase zu bluten begann. Mit geballter Faust beugte er sich gemäss Strafbefehl über den Verletzten und drohte ihm erneut, bevor er die Postfiliale verliess. Beim Ausgang demolierte er noch eine Werbetafel. Kostenpunkt: 169 Franken.

Die bedingte Haftstrafe von 90 Tagen begründet die Staatsanwaltschaft mit der wirtschaftlichen Situation des Täters: Weil er ein arbeitsloser Sozialhilfeempfänger sei und Schulden von mehreren Zehntausend Franken habe, komme für seine Gewalttat eine Geldstrafe nicht infrage. Da der Beschuldigte schon wegen eines Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden ist, wird die Probezeit auf drei Jahre ausgedehnt – mit obligatorischer Bewährungshilfe. Zudem muss der Mann für die Sachbeschädigung eine Busse von 200 Franken begleichen.

«Hohe Gewaltbereitschaft»

Bei der Post ist die Betroffenheit über den Vorfall gross. «Das Ausmass an Gewaltbereitschaft, das der Täter gezeigt hat, erschüttert uns», sagt Mediensprecherin Léa Wertheimer. Wie sie betont, handelt es sich bei dem Gewaltausbruch in dieser Ausprägung um einen Einzelfall, auch wenn die Post über solche Vorfälle keine Statistik führe. Laut Wertheimer werden die Mitarbeiter im Umgang mit schwierigen Kunden geschult und erhalten von dem Unternehmen psychologische Hilfe angeboten, wenn sie Opfer eines Übergriffs werden.

Nicht kommentieren will die Sprecherin den im Strafbefehl geschilderten Sachverhalt, dass die Eschenbacher Postmitarbeiter im März für eine im Januar getätigte Zahlung 100 Franken nachforderten. Für das Unternehmen stehe im Vordergrund, dass der Poststellenleiter sich von der brutalen Tat erholen könne: «Es gibt nichts, was einen solchen Übergriff rechtfertigen würde», hält Wertheimer fest.

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