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Von gutem Hanf und von schlechtem Hanf

Hanfkonsum ist nicht mehr in jedem Fall illegal. Dann, wenn Cannabis einen THC-Wert von unter einem Prozent aufweist … – und jetzt wird es kompliziert.

Pierina
Hassler
Mittwoch, 27. Juni 2018, 04:30 Uhr Hanfkonsum
Aufklärung: Im aktuellen Suchtreport der Bündner Suchthilfe informieren Toni Berthel, Susanna Gadient und Sebastian Kirsch (von links) über die Thematik des CBD-Hanf.
THEO GSTÖHL

Die Stiftung Bündner Suchthilfe hat gestern in Chur ihren aktuellen Suchtreport vorgestellt. Diesmal zum Thema respektive mit der Frage: «Guter Hanf, schlechter Hanf?» Inhaltlich gehe es um die Situation, welche die Freigabe des Tetrahydrocannabinol-armen Hanfes ausgelöst habe, sagte Sebastian Kirsch, Geschäftsführer der Stiftung Bündner Suchthilfe.

Cannabis-Produkte mit einem THC-Wert von unter einem Prozent fallen nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz – diese Produkte dürfen offiziell produziert, verkauft und konsumiert werden. Je nachdem kommen aber das Heilmittelgesetz, das Lebensmittelgesetz oder das Bundesgesetz über die Produktsicherheit ins Spiel.

Unter den THC-armen Cannabisprodukten gewinnen vor allem jene mit einem erhöhten Cannabadidiol- (CBD)-Gehalt an Bedeutung. Der Verkauf des CBD-Hanfes hat einen Boom ausgelöst. Hanfläden schiessen überall wie Pilze aus dem Boden.

«Wir müssen weiterkommen in der langen und verwirrlichen Geschichte rund um Cannabis.»

Für die Stiftungsratspräsidentin der Bündner Suchthilfe, Susanna Gadient, stellen sich mit der Freigabe des CBD-Hanfes neue Fragen: «Wird es mehr Abhängige geben als bisher? Wie muss man in Sachen Jugendschutz agieren?» Es gehe aber auch um Prävention und um die Wirkung respektive um die Nebenwirkungen von CBD.

Mehr Forschung

Das Bundesamt für Gesundheit und die Heilmittelkontrolle Swissmedic haben auf den aktuellen Hanf-Hype schon mal reagiert. Die Shops dürfen keine Heilversprechen abgeben. Und als Arzneimittel ist die Substanz nur unter strengsten Bedingungen zugelassen. Gerade mal 3000 Patienten sind in der Schweiz registrierte Nutzer von Hanf-Arznei.

Toni Berthel ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen (EKDF). Die aktuelle CBD-Hanf-Thematik bezeichnet er als einen Boom, der sich bald verflüchtigen werde. «Das sehr eingeschränkte Wirkungsprofil des CBD-Hanfes reicht als Erklärung für diesen CBD-Megahype nicht aus», sagte er an der Medienkonferenz der Suchthil- fe. Jetzt brauche es verstärkte Forschungsbemühungen, um gesichertes Wissen über diese Substanz zu generieren.

Lebens- und Risikokompetenz

In Bezug auf Jugendschutz vertritt Berthel die Meinung, dass eine gute Prävention die jungen Menschen in ihrer Lebens- und Risikokompetenz stärkt. «Prävention heisst hier wohl auch, zu einer Substanz Nein zu sagen, die nur sehr beschränkt Wirkungen verspricht.» Problematisch sei sicher, wenn CBD mit Tabak vermischt geraucht werde. Es könne so zu einer möglichen Nikotinabhängigkeit kommen, so der Suchtmediziner. «Insofern bleibt auch der CBD-Hanf-Konsum mit Risiken verbunden.»

Für Berthel ist aber unverständlich, weshalb die Diskussion über Cannabis so emotional geführt wird. «Cannabis ist vom Suchtpotenzial und seinem Schädlichkeitsprofil weniger problematisch als eine Vielzahl anderer legaler Sucht- und Genussmittel.» Die EDK setzt sich deshalb für Regulierungsmodelle ein, welche sich an der Gefährlichkeit der Einzelsubstanz orientieren. «Wir müssen weiterkommen in der langen und verwirrlichen Geschichte rund um Cannabis und einen zukunftstauglichen Weg im Umgang mit Cannabis finden.»

Steuern in Millionenhöhe

Einen «zukunftstauglichen Weg» beschert die Regulierung des CBD-Hanfmarktes dem Eidgenössischen Finanzdepartement. Gemäss grober Schätzung werden die Tabaksteuereinnahmen für das Jahr 2017 auf CBD-Hanf rund 15 Millionen Franken betragen.

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