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Grossbritannien gedenkt der Opfer der Grenfell-Tower-Katastrophe

Mit einem Trauermarsch haben Angehörige und Freunde an die 72 Todesopfer des verheerenden Brandes im Grenfell Tower in London vor einem Jahr erinnert. Mit Blumen und Bildern ihrer Lieben in den Händen marschierten dutzende Hinterbliebene zum ausgebrannten Hochhaus.

Agentur
sda
Donnerstag, 14. Juni 2018, 14:48 Uhr London
Im Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower wurde der Wohnturm in der Nacht grün angestrahlt.
Im Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower wurde der Wohnturm in der Nacht grün angestrahlt.
KEYSTONE/AP PA/JONATHAN BRADY

Dort verlasen sie die Namen der Toten und hängten ihre Fotos an eine Gedenkwand. Die Prozession in der Nacht zum Donnerstag endete um 00.54 Uhr - dem Zeitpunkt, zu dem die Feuerwehr vor einem Jahr den ersten Notruf zum Brand im Grenfell Tower erhalten hatte. Die Menschen hielten 72 Schweigesekunden ein in Erinnerung an die 71 Todesopfer sowie ein ungeborenes Baby.

Der ausgebrannte Wohnturm wurde zur Erinnerung an die Opfer in Grün angestrahlt. Im Rahmen der Aktion «Grün für Grenfell» leuchteten zur Erinnerung auch andere Einrichtungen in Grün, etwa Regierungsgebäude und das Riesenrad London Eye.

Der verheerende Brand im 24-stöckigen Wohn-Hochhaus Grenfell Tower war in der Nacht zum 14. Juni 2017 ausgebrochen. Brandursache war ein defekter Kühlschrank in einer Wohnung im vierten Stock. Über eine nicht brandsichere Fassadenverkleidung breitete sich das Feuer über weite Teile des Wohnturms aus.

Traumatisches Erlebnis

Die Menschen in der Nachbarschaft im Westen Londons sind bis heute traumatisiert. «Ich habe damals alles mit angesehen. Danach konnte ich drei Wochen lang nicht schlafen», sagte die 42-jährige Anwohnerin Farhiya Abdi, die vor einem Jahr als eine der ersten an dem brennenden Hochhaus eingetroffen war. «Sobald ich meine Augen schloss, hörte ich die Hilferufe, sah die Kinder am Fenster stehen. Ich habe Menschen in den Tod springen sehen.»

«Ich dachte, die Zeit würde unsere Wunden heilen - aber die Zeit hat gar nichts getan», sagte der 50-jährige Chris Imafidon. Durch seine freiwillige Arbeit für eine Bildungseinrichtung kannte er sechs Familien, die durch den Brand Angehörige verloren haben.

Kritik an Feuerwehr und Behörden

Bereits am Mittwochabend fand in dem Wohngebiet eine Gedenkfeier von Anwohnern statt. Die Organisatoren stellten Gedenk-T-Shirts vor, die Gerechtigkeit für die Opfer der Katastrophe fordern.

Kritiker werfen der Feuerwehr Versagen vor. Sie hatte die Bewohner des brennenden Turmes zunächst aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben. Erst nach zwei Stunden wurde eine komplette Evakuierung angeordnet.

Die erste Reaktion auf den Brand sei nicht ausreichend gewesen, sagte Premierministerin Theresa May in einem Interview. «Ich weiss nicht, warum es so lange gedauert hat.»

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