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Dem Fischereiverband Graubünden fehlt der Nachwuchs

Dem Fischereiverband Graubünden fehlt der Nachwuchs

Für das Fangjahr 2017 ist ein Rückgang sowohl bei den Fischerpatenten als auch beim Fischbestand zu erkennen. Verbandspräsident Radi Hofstetter sieht die Gründe dafür vor allem in der fehlenden Attraktivität für Nachwuchsfischer, aber auch in anderen natürlichen Einflüssen.

Südostschweiz
vor 3 Jahren in
Ereignisse
Mikroplastik und Pestizide im Wasser könnten eine Mitschuld tragen. Im Bild: Die Äsche war der Fisch des Jahres 2016.
SYMBOLBILD RAINER KÜHNIS

Am vergangenen Wochenende hat der Kantonale Fischereiverband Graubünden Radi Hofstetter zu seinem neuen Präsidenten gewählt. Der Verband zeigte an der Versammlung ausserdem erste Zahlen aus dem Fangjahr 2017. So wurden im vergangenen Jahr in Graubünden rund 8500 Patente verkauft. Dabei setze sich der Trend fort, dass vermehrt Tagespatente nachgefragt würden. Die Zahl der Saisonpatente belief sich 2017 auf lediglich 4999.

Auf Anfrage von Radio Südostschweiz erklärt der neue Verbandspräsident Radi Hofstetter, weshalb es aus Sicht des Verbandes an Nachwuchs mangelt.

Herr Hofstetter, worauf führen Sie die tiefen Zahlen zurück?

Radi Hofstetter: Die Zahlen sind noch nicht definitiv. Fest steht aber, dass es einen Rückgang geben wird. Dies liegt zum einen daran, dass die Fischerei immer weniger attraktiv ist, da man immer weniger fängt – insbesondere als Jungfischer. Möglicherweise führen aber auch andere Gründe dazu.

Könnte es auch sein, dass das Fischen einfach ein Hobby ist, das nicht nur sehr zeitintensiv, sondern auch kostspielig ist?

Dass es relativ teuer ist, dem stimme ich zu, wobei das Patent für Jungfischer mit rund 115 Franken nicht sonderlich kostspielig ist. Auch für andere Dinge geben die Jungen viel Geld aus. Deshalb sehe im finanziellen Aspekt nicht das eigentliche Problem.

Seit ein paar Jahren wird auch ein Sachkundenachweis für das Patent benötigt. Denken Sie, dass auch das einen Einfluss haben könnte?

Der Sachkundenachweis ist seit dem Jahr 2002 obligatorisch – also seit rund 16 Jahren. Die besten Jungfischerzahlen hatten wir in den Jahren 2010 bis 2014. Daher denke ich, dass auch diese Pflicht nicht dazu geführt hat. Vielmehr denke ich, dass das Interesse an der Fischerei an sich rückgängig ist. Die Wahrscheinlichkeit, etwas zu fangen, ist einfach deutlich gesunken. Insbesondere Jungfischer sind dann relativ schnell enttäuscht, auch weil diese noch nicht über Tricks verfügen, wie sie die Spezialisten kennen.

Was könnte man denn tun, um die Attraktivität wieder zu steigern?

Dies bearbeiten wir aktuell gerade mit dem Amt für Jagd und Fischerei. Wir müssen versuchen, die Fischerei wieder attraktiver zu machen und primär mehr Jungfischer anzusprechen. Konkrete Lösungen zu finden ist allerdings schwierig, da wir noch nicht alle Ursachen kennen. Das Amt für Jagd und Fischerei hat momentan mehrere Forschungsarbeiten am Laufen, in denen versucht wird, herauszufinden, wie wieder mehr Fische auf natürliche Weise in den Bächen aufkommen. Aber auch die Schwankungen der Kraftwerke, Mikroplastik oder Pestizide haben Einfluss darauf, die es zu erforschen gilt.

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