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«Es kann zu heiklen Situationen kommen»

Wie gross ist die Hochwassergefahr? Und lassen sich überhaupt Präventivmassnahmen treffen? Fünf Fragen an Christian Wilhelm, Bereichsleiter Naturgefahren beim Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.

21.04.18 - 04:30 Uhr
Ereignisse
Christian Wilhelm vom Amt für Wald und Naturgefahren klärt auf.
Christian Wilhelm vom Amt für Wald und Naturgefahren klärt auf.
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Herr Wilhelm, es hat viel Schnee in den Bergen. Wie ist die Lage in Graubünden? 

In Graubünden hat es tatsächlich überdurchschnittlich viel Schnee in hohen Lagen. In Nordbünden liegen ab einer Höhe von 2000 Meter zwei bis drei Meter Schnee. In Mittelbünden und Südbünden nimmt die Schneemenge kontinuierlich ab bis auf etwa einen Meter im Engadin. Die Schneedecke ist in diesen Höhenlagen verbreitet bis doppelt so hoch wie in durchschnittlichen Jahren.

Das heisst, es könnte tatsächlich zu Hochwasser in Graubünden kommen?

Das Potenzial oder die Ausgangsbedingungen sind da, dass bei der Schneeschmelze viel Wasser abfliessen könnte. Das ist bei ordentlicher Schneeschmelze weniger ein Problem für Graubünden, sondern mehr für den unteren Teil des Rheins.  Wenn es aber starke Niederschläge bis in hohe Lagen gibt, kann es auch in Graubünden zu heiklen Situationen kommen.

Sind für solche Fälle Präventivmassnahmen geplant?

Die Ausgangsbedingungen sind ja bekannt. Wir haben Wetterprognosen auf mehrere Tage hinaus und sehen dann, ob es irgendwo wirklich zu heiklen Situationen kommen könnte. Aber das heisst nicht, dass man den genauen Ort kennt, an dem etwas geschehen könnte. Daher ist es schwierig, irgendwelche Vorkehrungen im grösseren Rahmen zu treffen.

Wie geht das Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden nun vor?

Wir verfolgen die Lage und wir informieren, dass es viel Schnee in höheren Lagen hat. Die Gemeinden kennen die Bäche und Gerinne, wo es im Frühling Probleme geben könnte. Wir empfehlen, diese Orten besonders aufmerksam zu beobachten, die Bäche zu räumen, die Durchlässe freizuhalten. Wird besonders starker, lang anhaltender Regen angesagt, wo grossräumige Auswirkungen zu erwarten wären, würden wir die Gemeinden vorab informieren.

In Bondo dürfte die Furcht vor solchen starken Niederschlägen besonders gross sein. Ist man in Bondo auf ein allfälliges Frühlinshochwasser vorbereitet?

Selbstverständlich. Im Nachgang zu den Murgängen des vergangenen Herbstes hat man das Ausgleichsbecken geräumt und die Dämme provisorisch wieder aufgebaut. Ebenfalls auf- und ausgebaut wurde die Murgangalarmanlage. In dem Sinn ist vorgesorgt, falls weitere Murgänge ausgelöst werden sollten.

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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