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Braucht es während Prüfungen Toilettenkontrollen?

Während der eidgenössischen Diplomprüfung der Immobilienbewirtschafter wurden Ende Februar Lösungen auf der Toilette entdeckt. Nun soll die Prüfung im Juni wiederholt werden - ganz zum Ärger der Prüflinge. Eine betroffene Bündnerin erzählt.

Mittwoch, 21. März 2018, 04:30 Uhr Der Ärger ist gross
Die Lösungen wurden auf der Toilette entdeckt.
SYMBOLBILD ALEXANDRA BÜRLI

Während der eidgenössischen Diplomprüfung zum Immobilienbewirtschafter Ende Februar in Winterthur sei gegen das Prüfungsreglement verstossen worden, berichtete «20 Minuten» am Montag.

Beim Vorfall wurden Lösungen auf der Toilette des Prüfungslokals entdeckt. In der Folge habe die Prüfungskommission die Polizei verständigt und mittels Brief an die Prüflinge eine Wiederholung der Teilprüfung auf nächsten Juni angesetzt.

Waren es Musterlösungen?

Mit dabei war auch eine Bündnerin*, die anonym bleiben möchte. Sie geht bei den gefundenen Lösungen von Musterlösungen aus: «Wenn es tatsächlich Musterlösungen waren, müssen diese wohl von der Kommission stammen.»

Auch sei seitens der Prüfungskommission widersprüchlich kommuniziert worden. «Die Aussagen, die vor Ort und später per Brief gemacht wurden, stimmen nur zum Teil überein.» Dies geht auch aus dem Bericht von «20 Minuten» hervor, wonach ein Prüfling behauptete, dass die Aussagen, die im Brief der Prüfungskommission und jene die nach dem Fund vor Ort gemacht wurden, in einem «krassen Gegensatz» zueinander stünden.

Durch die Wiederholung der Prüfung entstünden für alle Prüflinge insgesamt grosse Nachteile. «Dies bedeutet insbesondere, dass wir länger auf den Bescheid und somit eventuelle Aufstiegsmöglichkeiten oder Ähnliches warten müssen. Zudem Repetitionsaufwand, Kosten, freier Tag und erneuter Prüfungsstress.»

Verbesserte Kontrollen gefordert

Wenn es sich tatsächlich um Musterlösungen gehandelt habe, über die nur die entsprechende Prüfungskommission verfüge, deute dies ausserdem auf schlechte Kontrollen hin. Unsere anonyme Gesprächspartnerin weist daher auf einen künftigen sorgfältigeren Umgang mit Musterlösungen hin. Sie fordert in Zukunft zudem «kompetentere Prüfungsaufsichten, strengere Eingangskontrolle, eine Protokollierung der WC-Besuche inklusive der Zeit sowie Kontrollen der Toilettenkabinen nach jedem Besuch.» 

Einige der Prüflinge hatten sich in der Zwischenzeit gar juristische Hilfe geholt. Nicht dazu gehört unsere Interviewpartnerin: «Ich habe mich aber anderweitig beraten lassen. Ich möchte erreichen, dass die Prüfung gewertet wird, nachdem sorgfältig abgeklärt und kommuniziert wird, was Sache ist und wer geschummelt hat. Die Prüfung samt der Teilprüfung, die zuletzt stattgefunden hat, soll auf jeden Fall korrigiert werden, soweit das nicht bereits geschehen ist.»

Ausserdem fordert sie, dass «zumindest jene Noten, der nicht zu wiederholenden Prüfungen, bekannt gegeben werden, damit die Kandidaten passend disponieren können.»

«Ich hatte allgemein ein gutes Gefühl»

Den Ärger verstärken dürfte ausserdem die Tatsache, dass bis zum Fund der Lösungen alles wie am Schnürchen lief: «Ich hatte allgemein ein gutes Gefühl - besonders in der Teilprüfung zuletzt.»

*Name der Redaktion bekannt.

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