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Chemieunfall: Mitarbeiter neutralisierten Gas mit Wasser

Glück im Unglück: Nach dem Chemieunfall in der Lintharena in Näfels berichtet Oliver Galliker über den Vorfall. Zwei Kinder haben das Spital wieder verlassen. Die Sportanlagen können wieder genutzt werden.

Claudia
Kock Marti
Mittwoch, 14. März 2018, 04:30 Uhr Chlorvorfall
Geschlossen: 
In der Lintharena kann wegen des Chlorvorfalls im Moment nicht geschwommen werden.

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In der Lintharena kann wegen des Chlorvorfalls im Moment nicht geschwommen werden.

SASI SUBRAMANIAM

Das Telefon beim Eingang zum Bad läutet den ganzen Vormittag über. Olivia Speck erklärt den Anruferinnen und Anrufern, dass das Sportzentrum wegen eines technischen Defekts vorerst geschlossen sei. Weitere Informationen gebe es erst am Nachmittag. Das Schulschwimmen ist laut Geschäftsführer Oliver Galliker vorsorglich abgesagt. Er rechnet damit, dass er die Sportanlagen wieder öffnen kann. Was das Bad betrifft, werde noch abgeklärt.

Experten eruieren Ursache

Was genau am Montag zum Chemieunfall mit Chlorgas geführt hat, kann Galliker noch nicht im Detail erklären. Die Spezialisten der Bafilco AG, einer Winterthurer Firma für Schwimmbadtechnik, sind noch im Technikraum im Untergeschoss an der Arbeit.

Bedienungsanleitung und Ersatzteillisten liegen auf einem Fass, das mit Calcium-Hydrochlorit-Granulat angeschrieben ist. Das Corpus Delicti, die Mischanlage, die den Defekt verursacht haben soll, ist teils auseinandergebaut. Eine Automatik sorgt hier normalerweise dafür, dass das Granulat in einem geschlossenen System mit Schwefelsäure versehen wird, um zuletzt dosiert das Schwimmbadwasser zu desinfizieren. So viel ist laut Galliker aber bereits klar: «Es war ein technischer Defekt, kein menschliches Versagen.» Die Sicherungen der sogenannten Granudos-Anlage, die nun ausgewechselt werden, würden untersucht, um ihr Ausfallen zu verstehen. Mehr Erkenntnisse erwarte er deshalb vom Rapport der Firma. «Dass eine Platine einfach den Geist aufgibt, kommt sehr, sehr selten vor», ist von einem Experten zu erfahren. Die Anlage ist über 40 Jahre alt und wurde zuletzt 2016 revidiert, wie Galliker erklärt. Vorgesehen sei, sie bei der Sanierung der Lintharena komplett zu erneuern.

«Man könnte problemlos schwimmen gehen. Es ist nicht zu viel Chlor im Wasser, sondern Chlorgas im Garderobengang ausgetreten», korrigiert Galliker die erste Polizeimeldung. Dann beschreibt er im Detail, wie der Chemieunfall am Montagnachmittag gegen 13.45 Uhr vor sich ging – und während weniger hektischer Minuten für viel Aufregung sorgte.

Das Gas reize die Atemwege und Augen so sehr, dass es jeden das Weite suchen lasse, der es wahrnehme, so Galliker. Der Schulschwimmlehrer habe ihn informiert. Daraufhin sei die Lintharena umgehend evakuiert worden. Dies bedeutet, alle Kinder und Erwachsenen aus der Gefahrenzone zu bringen, in die Turnhalle oder nach draussen. In nicht betroffenen Garderoben konnten sich die Kinder, die in Badehosen waren, umziehen.

Galliker erklärt weiter, wie zwei seiner Mitarbeiter mit Vollmaske in den Technikraum gelangten, um das Gas mit Wasser zu neutralisieren. Die Feuerwehr schliesslich habe das Gebäude gesichert und mit einem Gebläse restliches Chlorgas aus dem Gebäude geblasen.

Zwei Kinder sind nach einer Nacht im Spital wieder zu Hause

Rund 80 Personen waren zum Zeitpunkt des Unfalls laut Polizeimeldung in der Lintharena registriert. Vor allem Schulkinder. Wie Galliker erklärt, wurden zehn Schüler direkt ins Spital gefahren, weitere 60 angewiesen, einen Check beim Arzt zu machen. Zwei Schüler mussten die Nacht zur Sicherheit im Spital bleiben, konnten aber gestern wieder entlassen werden. «Auch unseren Mitarbeitern geht es den Umständen entsprechend gut. Wir hatten alle Glück im Unglück», fasst Galliker den Unfall zusammen.

Dass er am Montag gleich das gesamte Sportzentrum geschlossen habe, erklärt er als Vorsichtsmassnahme. «Die Sicherheit steht für mich zuoberst.» Wann das Sportzentrum und das Schwimmbad wieder freigegeben würden, entscheide das Arbeitsinspektorat mit dem kantonalen Umweltschutzamt.

Am Nachmittag steht dann fest: Die diversen Sportanlagen dürfen wieder genutzt werden. Das Hallenbad bleibt aber bis auf Weiteres geschlossen, da das defekte Gerät erst noch ausgewechselt werden muss. Wie lange der Ausfall dauert, ist noch nicht klar. Informiert wird auf der Webseite der Lintharena sowie via Facebook.

Infos auf www.lintharena.ch oder www.facebook.com/lintharena.

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