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Blinde will keine Extrawurst

Blinde will keine Extrawurst

Wenn das Hundeverbot am Aabach kommt, will sie keine Ausnahmeregelung, stellt die Schmerknerin Theresa Reichert klar. Der Gemeinderat hatte für die stark sehbehinderte Frau und ihren Blindenhund eine Sonderregelung in Aussicht gestellt. So wollte er dem Vorwurf der Diskriminierung entgegentreten.

Christine
Schibschid
vor 3 Jahren in
Ereignisse
Theresa Reichert und Magic gehen gern am Aabach Gassi.
CHRISTINE SCHIBSCHID

Das geplante Hundeverbot am Aabach in Schmerikon erhitzt weiter die Gemüter. In einem offenen Brief an den Gemeinderat meldet sich nun die sehbehinderte Schmerknerin Theresa Reichert zu Wort. «Aus der Presse habe ich erfahren, dass dieses völlig unnötige Hundeverbot für mich und meine Blindenführhündin nicht gelten soll – falls es denn überhaupt zustande kommt», schreibt sie.

Reichert betont, dass sie von dem «vermeintlich generösen Angebot» keinesfalls Gebrauch machen wird. Darüber hinaus wirft sie die Frage auf, was sich der Gemeinderat bei der Entscheidung gedacht hat.

Kritik wegen Diskriminierung

Gemeindepräsident Félix Brunschwiler hatte die Ausnahme für Reichert im Zusammenhang mit dem Rekurs gegen das geplante Verbot in Aussicht gestellt. Die Rekurrenten hatten kritisiert, das Hundeverbot sei diskriminierend, insbesondere im Fall der sehbehinderten Reichert.

Brunschwiler entgegnete, dass er das Verbot an sich nicht für diskriminierend halte. Lediglich im Fall der Sehbehinderten, die auf die Begleitung ihres Hundes angewiesen sei, lasse der Gemeinderat das Argument gelten. «Hier können wir eine Ausnahme ins Auge fassen», sagte der Gemeindepräsident.

Politischer Schachzug?

Damit verärgerte er Reichert, die ebenfalls gegen das Hundeverbot unterschrieben hatte. In ihrem offenen Brief stellt sie die Vermutung an, dass der Gemeinderat mit der Ausnahme ein etwas brisantes Thema aus der Diskussion nehmen wollte. Der Schritt sei «weniger eine gute Tat, denn ein cleverer politischer Schachzug, um die eigenen Zwecke zu verfolgen», so Reichert.

«Ich müsste ein Schild mit der Aufschrift ‘doch, ich darf’ um den Hals tragen, wenn ich nicht auf Schritt und Tritt von gesetzestreuen Spaziergängern belehrt und ausgeschimpft werden wollte», stellt sie sich die Zukunft vor. Ausserdem macht sie auf einen Fehler in der Argumentation aufmerksam: «Menschen mit Diensthunden sind nicht während der Spaziergänge auf ihren Begleiter angewiesen, sondern lediglich auf dem Weg dorthin.» Allerdings seien sie sehr wohl darauf angewiesen, dass es genügend Möglichkeiten gebe, nah von zu Hause mit den Hunden Freizeit zu verbringen. «Das Hundeverbot am Aabach wäre eine empfindliche Einschränkung», so Reichert.

«Kritik klingt absurd»

Gemeindepräsident Brunschwiler kann die Kritik nicht nachvollziehen: «Das klingt absurd. In der Rekursschrift wird die Diskriminierung der Frau drei oder vier mal angesprochen, sogar im Schlusssatz.» Der Gemeinderat habe einen Weg gesucht, um Diskriminierung zu verhindern. Es handle sich keineswegs um politische Taktik. «Wenn eine Ausnahme nicht gewünscht ist, dann eben nicht», sagt Brunschwiler. Und verweist darauf, dass Reichert künftig vielleicht genauer prüfen sollte, mit wem sie sich zusammenschliesse und wie man die gemeinsamen Ziele verfolge.

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