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Auf vielen Strassen geht nichts mehr

Im Unterengadin sind gleich drei wichtige Verkehrsachsen wegen Lawinengefahr gesperrt – eine Herausforderung für das Tiefbauamt.

23.01.18 - 08:00 Uhr
Ereignisse
Auf dem Ofenpass liegt der Schnee so hoch wie seit Jahren nicht mehr.
Auf dem Ofenpass liegt der Schnee so hoch wie seit Jahren nicht mehr.
TIEFBAUAMT GRAUBÜNDEN

Das Unterengadin ist in den letzten Tagen zeitweise von der Umwelt abgeschnitten gewesen. Die Strasse und die Bahnlinie Richtung Oberengadin sind gesperrt, ebenso der Ofenpass in Richtung Val Müstair. Die Strasse in Richtung Österreich und Samnaun musste wegen Lawinengefahr erneut gesperrt werden. Samnaun ist aktuell sogar in der höchsten Lawinenstufe klassifiziert. Weitere Schneefälle sind angesagt, sodass eine Entspannung der Situation nicht in Sicht ist. Für das Tiefbauamt Unterengadin/Val Müstair bedeuten die anhaltenden Schneefälle sehr viel Arbeit.

Dass die Strecke Vinadi–Samnaun im Winter eine Herausforderung darstellt, ist nichts Neues. «Auf dem Ofenpass aber haben wir normalerweise weniger Probleme und die Strecke zwischen Cinuos-chel und Zernez ist selten geschlossen – das hatten wir seit Jahren nicht mehr», sagt Jachen Kienz, Chef des Tiefbauamts Bezirk 4, gestern auf Anfrage. Die aktuellen Verhältnisse lassen Erinnerungen an den Winter im Jahr 1999 wach werden, als es zwei Wochen am Stück geschneit hat. Doch vergleichen könne man die Situationen laut Kienz nur bedingt. «1999 war nur der untere Teil des Engadins stark betroffen, jetzt ist das ganze Engadin in der roten Gefahrenzone», erläutert er. Das Bezirkstiefbauamt hat die Einsatzleitung auf 24 Stunden am Tag aktiviert, die Strassen werden permanent geräumt. «Die Schneefälle sind im Moment leider noch etwas schneller als wir», meinte der Bezirkschef.

Im Dauereinsatz

43 Personen sind im Distrikt 4 im Einsatz, 30 davon auf der Strasse. Eine interne Lawinenkommission beurteilt laufend die Gefahrenlage und entscheidet die Massnahmen. Wenn die Schneefälle noch lange andauern, könnten die personellen Ressourcen laut Kienz zu einem Problem werden. Noch gebe es zwar Möglichkeiten, um einzelne Mitarbeiter zu ersetzen und Pausen zu ermöglichen. «Aber den grossen Teil der Mitarbeiter brauchen wir momentan immer», erklärte er.

Verschnaufpausen werden geschaffen, indem nicht die ganze Nacht Schnee geräumt wird. Der Pflug fährt höchstens bis Mitternacht und danach wieder ab halb vier oder vier Uhr morgens. Eine Entlastung bringen die privaten Vertragspartner, die mit ihren Mitarbeitern bei der Strassenräumung mithelfen. Ein Austausch mit anderen Bezirken des Tiefbauamtes Graubünden ist aus organisatorischen und logistischen Gründen aber auch wegen mangelnder Ortskenntnis nicht möglich

Es bleibt kritisch

Obwohl Reisende im Unterengadin in diesen Tagen viel Geduld brauchen, gibt es laut Kienz kaum Reklamationen. «Das Verständnis ist gross», meint er. Wenn Schnee bis ins Tal falle und die Leute schon früh am Morgen vor der eigenen Türe eine halbe Stunde schaufeln müssen, sei stets mehr Verständnis da, als wenn es nur in höheren Lagen schneit. Geduld wird es auch weiterhin brauchen.

Samnaun–Martina–Vinadi und der Ofenpass konnten gestern nicht mehr geöffnet werden. Die Strecke Cinuos-chel-Zernez bleibt ebenfalls weiterhin gesperrt, zudem wurde der Abschnitt zwischen Zernez und Susch gestern um 13 Uhr geschlossen. Wie es in den nächsten Tagen weitergehen wird, hängt nicht nur von Frau Holle ab, sondern auch von den Temperaturen. «Wenn es sehr warm wird oder reinregnet, kann sich alles wieder ändern», meinte Kienz. Seine Mannschaft sei jedenfalls für alle möglichen Wetterkapriolen gewappnet.

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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