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Das Aufräumen läuft und die Schäden kommen ans Licht

Nachdem Sturm «Burglind» im Linthgebiet gewütet hat, laufen die Aufräumarbeiten. Das ganze Ausmass der Schäden können Versicherungen und Förster noch nicht beziffern. Eine Strasse bleibt weiter gesperrt.

Christine
Schibschid
Freitag, 05. Januar 2018, 04:30 Uhr «Burglind» wütete auch im Linthgebiet
Gesperrt: Zwischen Eschenbach und Schmerikon wird noch aufgeräumt.
MARKUS TIMO RÜEGG

Die Wettersituation hat sich beruhigt. Heute Morgen um 9 Uhr laufen Sturm- und Regenwarnung von Meteo Schweiz für das Linthgebiet aus. Sturm «Burglind» hatte hier am Mittwochmittag seinen Höhepunkt erreicht. Die verursachten Schäden lassen sich noch nicht beziffern.

«Die Summe wird noch ermittelt», sagt etwa Willi Meissner von der Hochschule Rapperswil (HSR). Dort hatte «Burglind» einige Gebäude beschädigt. «Es wurden Dachabdeckungen oder Installationen wie Klimaanlagentürme weggerissen», so Meissner. Der Betrieb sei aber nicht gestört worden. Auch bei Knies Kinderzoo ist die Schadenssumme noch nicht bekannt. «Die Terrasse der Himmapan-Lodge wurde regelrecht weggefegt», sagt Mediensprecher Benjamin Sinniger. Dachziegel seien weggeblasen worden, Fenster zerschlagen. «Inzwischen haben wir aber alles bestmöglich repariert. Der Betrieb läuft.»

Pizolbahnen machten Pause

Die Pizolbahnen blieben nach dem Drama vom Mittwoch gestern stehen. Fachleute kontrollierten das Gebiet auf Schäden. Heute sollen die Lifte wieder fahren. In einer Mitteilung verwies CEO Klaus Nussbaumer darauf, dass die Verantwortlichen am Mittwoch bereits beschlossen hatten, das Skigebiet zu schliessen, als plötzlich starke Böen Bäume abbrachen. Diese landeten auf Leitungen zweier Seilbahnen und 25 Fahrgäste sassen stundenlang fest (Ausgabe von gestern).

Strasse wegen Schäden gesperrt

Auch an der Kantonsstrasse zwischen Schmerikon und Eschenbach waren mehrere Bäume umgefallen. Sie ist wegen Aufräumarbeiten weiterhin gesperrt. «Die Strasse wird nicht vor heute Abend freigegeben werden» stellt der zuständige Förster Sepp Kuriger in Aussicht. Die Fahrbahn sei zwar inzwischen freigeräumt, es müssten aber auch beschädigte Bäume am Strassenrand beseitigt werden. «Wir können die Strasse erst freigeben, wenn die Lage wirklich sicher ist», so Kuriger. Wie gross die Schäden in seinem Revier sind, kann der Förster noch nicht sagen: «Ich habe noch keine Übersicht.»

Zunächst ist Kuriger mit den Aufräumarbeiten an Strassen und in Quartieren beschäftigt. «Es liegen aber auch im Wald einige Bäume rum. Wahrscheinlich habe ich die nächsten zwei Monate gut zu tun», sagt der Förster.

Schäden bei Lothar schlimmer

Zahlen zu den Schäden in den Wäldern konnte auch Regionalförster Rolf Ehrbar noch nicht nennen: «Es konnten noch nicht alle Gebiete abgesucht werden.» Die Schäden seien aber bei weitem nicht so gross wie bei Orkan «Lothar» im Jahr 1999. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, aber für die Waldbesitzer ist es dennoch ärgerlich.»

Gebrochene oder gesplitterte Bäume seien deutlich weniger wert als unbeschädigte, sagte Ehrbar. Auch seien die Aufräumarbeiten aufwändig. Der Regionalförster hofft, dass es aufhört zu regnen. Er sorgt sich unter anderem, dass es zu Erdrutschen kommen könnte. Die Ortsgemeinde Rapperswil-Jona weist zudem darauf hin, dass der Wald derzeit keinesfalls betreten werden darf. «Auch wenn auf den ersten Blick alles gut aussieht, können schräg stehende Bäume oder hängende Astteile eine immense Gefahr darstellen», heisst es in einer Mitteilung.

Hausbesitzer, deren Gebäude beschädigt wurden, bleiben in aller Regel nicht auf den Kosten sitzen. Sämtliche Gebäude im Kanton sind bei der Gebäudeversicherung GVA versichert. Diese greift auch bei Sturmschäden wie beschädigten Dächern. Kürzungen kann es aber bei Konstruktionsmängeln oder mangelndem Unterhalt geben.

«Wenn die Gartenmöbel des Nachbarn gegen die Hauswand knallen, ist dies ebenfalls versichert», sagt Natalie Koller vom Rechtsdienst der GVA. Bis gestern um 15 Uhr seien 330 Schadensmeldungen bei der Versicherung eingegangen. Die geschätzte Schadensumme liege bislang bei 800 000 Franken, dürfte aber noch zunehmen, so Koller. «Es ist davon auszugehen, dass weitere Meldungen eingehen.» Das Linthgebiet sei im Kanton die am stärksten betroffene Region.

Laufend neue Meldungen

Schäden an Hausrat, Autos und anderen Gegenständen sichern dagegen Privatversicherer ab, zum Beispiel die Axa. «Im Moment kommen bei uns laufend Meldungen hinzu, wir können für einzelne Regionen noch keine Zahlen nennen», sagt Axa-Mediensprecherin Anna Ehrensperger. Die Versicherung zahle bei versicherten Sturmereignissen mit einer Windgeschwindigkeit von mehr als 75 Kilometern pro Stunde. «Dies liegt zweifelsohne vor», so Ehrensperger. Die Axa verzeichne unter anderem viele Schäden an Autos.

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