Hoffen auf ruhigen Winter
Die Arbeiten nach den Murgängen bei Bondo kommen gut voran. Normalität ist noch nicht ganz eingekehrt.
Die Arbeiten nach den Murgängen bei Bondo kommen gut voran. Normalität ist noch nicht ganz eingekehrt.
Seit einem Monat leben die meisten Bewohner von Bondo wieder in ihrem Dorf. Normalität ist bisher aber nur bedingt eingekehrt. Auf der Seite von Promontogno prägt ein grosser Damm das Bild. Rund zwei Jahre wird dieser als provisorische Schutzmassnahme stehen bleiben. Die lauernde Gefahr, die vom Berg ausgeht, ist somit permanent sichtbar. «Die meisten Bewohner haben sich eingerichtet und sind jetzt ruhiger, aber es ist für sie immer noch eine besondere Situation», sagt Christian Gartmann, Kommunikationsbeauftragter im Führungsstab der Gemeinde Bregaglia. Information nehme daher einen besonderen Stellenwert ein. In regelmässigen Abständen werden Informationsveranstaltungen mit Fachspezialisten für die Bevölkerung durchgeführt, zuletzt am Donnerstagabend. 120 Personen kamen, um sich über den aktuellen Stand zu informieren.
Unter anderem sind die Bergeller über die Gefahrenlage in Kenntnis gesetzt worden .«Die Leute wollen genau wissen: Was ist, wenn ein neuer Rutsch kommt?», erzählt Gartmann. In den nächsten Jahren müssen sie immer wieder mit Murgängen rechnen. Hunderttausende von Kubikmeter Material können nach wie vor am Piz Cengalo instabil werden, vor allem bei viel Wasser im Sommer. Der Bergsturz vom 23. August wurde zwar durch eine Verkettung von mehreren Faktoren ausgelöst – was sehr selten vorkommt –, aber dieser Fall kann wieder eintreten.
Noch nicht alle Häuser frei
Die Bewohner von Bondo, Spino und Sottoponte bleiben also weiterhin sehr aufmerksam, was die Gefahrenlage betrifft. «Normal ist das Leben in Bondo schon nicht», meint Gartmann. Allein um ihr Dorf zu erreichen, müssen die Bewohner über eine Behelfsbrücke und über einen Feldweg fahren. «Es ist noch nicht ganz ihr Bondo, das Bondo von vorher», erläutert Gartmann. Dennoch herrsche eine positive Grundstimmung im Ort. Die Leute zeigen viel Verständnis für die Situation und weisen eine bemerkenswerte Geduld auf.
«Es ist noch nicht ihr Bondo, das Bondo von vorher.»
Christian Gartmann, Kommunikation Führungsstab
Noch sind aber nicht alle zurückgekommen. Einzelne Personen überwintern in ihren Zwischenunterkünften im Tal. Es sind auch noch nicht alle Häuser bewohnbar. Die Gebäude wurden teilweise arg in Mitleidenschaft gezogen. Einheiten von Zivilschutz und Armee haben in der «blauen Zone» von Bondo die beschädigten Häuser aussen freigeräumt und danach innen von Schutt befreit.
Die Räumungsarbeiten kommen laut Gartmann sehr gut voran. Das Rückhaltebecken für Murgänge ist leer geräumt und wird an einigen Stellen noch repariert. Die Kapazität des Rückhaltebeckens ist höher als je zuvor. Mit provisorischen Schutzbauten konnte die Sicherheit verbessert werden. Die Gemeinde und die kantonalen Amtsstellen sind daran, das langfristige Schutzbautenprojekt zu überarbeiten. Bereits am 24. November kann die Malojapass-Kantonsstrasse dem Verkehr übergeben werden.
Eine «neue» Landschaft
Nun steht der Winter bevor. «Man hofft, dass es ein möglichst ruhiger Winter wird», sagt Gartmann. Wenn die grossen Bauarbeiten erledigt sind, wird es allein schon vom Lärm her ruhiger werden. Der Führungsstab bereitet derzeit eine Informationsveranstaltung zum Thema «Deponien» vor. Für die Lagerung des Murgangmaterials mussten Deponien errichtet werden, durch welche grössere Landflächen betroffen sind. Auch der Bau der Wasserleitung von Stampa nach Bondo und die Erstellung temporärer Einrichtungen haben private Parzellen beeinträchtigt. In der Val Bondasca sind grössere Landflächen durch Felssturz- und Murgangmaterial überdeckt. Die Bevölkerung wird u. a. darüber informiert, wie die Landschaft künftig aussehen wird. Die Veranstaltung findet am 4. Dezember um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle von Vicosporano statt.
Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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