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Grandhotels waren seine grosse Leidenschaft

Karl-Heinz Kipp, Unternehmer, Patron der «Tschuggen Hotel Group» und Wahlbündner, ist im 94. Altersjahr verstorben.

Südostschweiz
Sonntag, 15. Oktober 2017, 04:30 Uhr 93-jährig verstorben
Der Verstorbene mit Gattin und Hotel: Karl-Heinz Kipp und Hannelore Kipp im Jahr 2010 – das «Grandhotel Tschuggen» in Arosa ist eine der besten Adressen.
KEYSTONE

Bereits als Kind hatte Karl-Heinz Kipp ein Faible für Grandhotels entwickelt. Und dieses lebte er aus, als er mit seiner Familie vor mehr als 30 Jahren in die Schweiz zog. Nach Arosa, wo er und seine Familie früher oft ihre Ferien verbracht hatten. Oder dann an den Gestaden des Lago Maggiore.

In seinem geliebten Ascona, wie es in der Todesanzeige (Seite 19) heisst, ist Karl-Heinz Kipp am Mittwoch, 11. Oktober, im 94. Altersjahr gestorben. Kipp war Ehrenbürger seiner Heimatstadt Alzey in Rheinland-Pfalz, Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes und besass mit seiner Familie das Bürgerrecht von Arosa.

Kipp liebte die Schweiz, deshalb sei sie zu seiner zweiten Heimat geworden, wie er einst in einem seiner seltenen Interviews sagte. Oder wie es der Churer Rechtsanwalt Fortunato Vincenz ausdrückt, der 35 Jahre mit Kipp verbunden war: «Arosa war für Karl-Heinz Kipp alles.» Vincenz beschreibt den Verstorbenen als «zutiefst menschlich, angenehm im Umgang und grosszügig».

Arosa war für Karl-Heinz Hipp alles.

Fortunato Vincenz, Anwalt

Milliardär Karl-Heinz Kipp war im Kanton vor allem als Gründer und Patron der Tschuggen Hotel Group bekannt. Der Unternehmer hatte im Schanfigg, im Oberengadin und im Tessin einen dreistelligen Millionenbetrag in die Hotellerie investiert.

In Arosa kaufte er 1980 das «Tschuggen Grandhotel» und veredelte es zum gestylten und gefeierten 5-Stern-Hotel mit eigener Bergbahn. Ausserdem brachte Kipp dort das Sporthotel «Valsana» auf Vordermann. In St. Moritz wiederum rettete Kipp das hoch über dem See gelegene «Carlton» vor der Abrissbirne und wandelte es mittels umfassender Renovation in ein 5-Stern-Suiten-Hotel um.

VR-Präsidium an Tochter

Im Jahr 1989 kaufte Kipp auch im Tessin ein Hotel. In Ascona erwarb er das «Eden Roc» und baute es zum «Eden Roc Marina» mit eigenem Badestrand am Lago Maggiore sowie einem Panorama-Bootssteg. Insgesamt, so gab die Tschuggen Group zum 90.Geburtstag bekannt, hatte der Patron rund 300 Millionen Franken in seine Hotels investiert.

Erst im September letzten Jahres übergab Karl-Heinz Kipp das Verwaltungsratspräsidium der Tschuggen Hotel Group an seine Tochter Ursula Bechtolsheimer. Deren Tochter übrigens ist die bekannte deutsche Dressurreiterin Laura Bechtoldsheimer, die an den Olympischen Spielen 2012 in London Gold und Bronze gewann.

Selfmademan

Kipp tauchte mit einem geschätzten Vermögen von rund 4,5 Milliarden Franken regelmässig in der «Bilanz»-Liste der 300 reichsten Schweizer auf. Zudem erschien er auch auf der Liste der Superreichen des US-Wirtschaftsmagazins «Forbes» mit einem Platz im vorderen Drittel.

Das Vermögen war Karl-Heinz Kipp allerdings nicht in den Schoss gefallen, noch war er mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden, wie es in einem Porträt zu lesen ist, das in der «Südostschweiz» zu Kipps 90. Geburtstag erschienen ist. Karl-Heinz Kipp war der klassische Selfmademan.

Er begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit 40 Reichsmark in der Tasche mit dem Verkauf von «Leibwäsche und Kittelschürzen», die er in seinem Wohnzimmerschrank lagerte. Und als der Schrank zu klein wurde, begann er selber zu produzieren – «besser und billiger», wie es in einer Publikation heisst.

Sein erstes grosses Geld verdiente Kipp dann mit einer Kaufhauskette. Es waren die in ganz Deutschland verbreiteten Massa-Märkte, die er in seiner Heimatstadt Alzey gegründet hatte. Die Läden verkaufte Kipp später an einen Konzern, um sich als «Unruheständler» der Bewirtschaftung seines Imperiums zu widmen und natürlich der Bewirtschaftung seiner Hotels, wie es im Porträt zu seinem 90. Geburtstag steht.

Karl-Heinz Kipp hinterlässt seine 91-jäh-rige Frau Hannelore Kipp sowie Tochter Ursula Bechtoldsheimer. Er wird in Ascona zur letzten Ruhe gebettet.

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