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Obersee Näfels: Es ist ein Hundehasser

Die toxikologischen Untersuchungen bei den drei mutmasslich vergifteten Hunden am Obersee bringen die traurige Wahrheit an den Tag. Einer der verstorbenen Hunde wurde vergiftet, einer erlag eines natürlichen Todes.

Südostschweiz
Mittwoch, 13. September 2017, 08:30 Uhr Traurige Gewissheit
Ein Herz für Tiere: Tierarzt Hanspeter Weber zeigt sich über die Vorfälle am Obersee in Näfels bestürzt.
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Der Hund ist der beste Freund des Menschen, sagt der Volksmund. Es gibt aber Leute, die sehen dies offensichtlich nicht so. Im Juni und August verstarben auf mysteriöse Weise beim Obersee in Näfels drei Hunde. Diese gingen innert kürzester Zeit schmerzhaft zugrunde. Vermutet wurden Giftköder oder Blaualgen im Obersee.

Nun herrscht laut Tierarzt Hanspeter Weber die traurige Gewissheit. «Der zweite Hund, ein Husky-Welpe, wurde vergiftet. Im Körper konnte eine grosse Menge Insektizid nachgewiesen werden.» Die Resultate würden keinen anderen Schluss zulassen. «So eine grosse Menge liegt nicht einfach so auf der Wiese herum. Zudem ist dies für Hunde absolut ungeniessbar. Daher wurde das Gift höchstwahrscheinlich durch einen Köder wie einer Wurst oder Gehacktem getarnt», erklärt der Inhaber der Tierklinik am Kreis AG in Netstal.

Entwarnung kann Weber hingegen bezüglich des letzten untersuchten Hundes geben. Der Boston Terrier starb eines natürlichen Todes. «Die Untersuchungen deuten auf ein Herz-/Kreislaufversagen hin. Es ist die einzig mögliche Variante.» Der dritte Hund, der Mitte Juni am Obersee verstorben ist, wurde nicht untersucht. «Es liegt aufgrund der Symptome aber nahe, dass auch dieser vergiftet wurde.»

Schock war gross

«Ich bin schockiert, dass es solche Leute gibt», zeigt sich Weber nach dem Befund bestürzt. Die Symptome hätten jedoch von Beginn an darauf hingedeutet, dass der Husky vergiftet wurde.

Auch bei den Hundehaltern im Kanton hinterlässt diese Tatsache natürlich Bestürzung. «Es ist eine unglaublich feige Tat eines ganz armen Individuums», ärgert sich Andrea Fäh aus Glarus. Man solle doch Hundehalter auf das Fehlverhalten ansprechen und sicher keine Giftköder auslegen. «Es trifft zudem oft Hunde, die nicht negativ auffallen oder sogar der Gesellschaft dienen, wie ein Therapie- oder Lawinenhund. Oder sogar noch schlimmer. Es könnte ein Kind treffen», so die Halterin einer Amerikanischen Bulldogge.

Am Wasser liegt es nicht

Die Blaualgen im Obersee Näfels können laut Hanspeter Weber ausgeschlossen werden. «In der Leber des Hundes wurde Carbamat nachgewiesen, daher kommt nichts anderes als eine Vergiftung durch Nahrungsaufnahme infrage.»

Bei der Kantonspolizei Glarus hingegen ist man vorsichtiger. «Solange nicht sämtliche Berichte vorliegen, sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Ob der Hund auch wirklich am Obersee vergiftet wurde, ist ebenfalls nicht 100-prozentig sicher. Man kann nicht genau sagen, wann, wo und wie der Hund mit dem Gift in Kontakt gekommen ist», so Mediensprecher Daniel Menzi.

Für Hanspeter Weber stellt sich diese Frage hingegen nicht. Natürlich seien die Hunde vorher irgendwo draussen gewesen, aber immer an der Leine. «Ich bezweifle, dass es an einem anderen Ort passiert ist. Die Chance ist relativ klein.» Dies auch, da die Hunde innert kürzester Zeit verstarben. Ein weiteres Indiz, dass es Gift gewesen sein muss, ist eine Hundehalterin. Diese versuchte, ihren sterbenden Hund mittels Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. «Sie musste aber abbrechen, da ihr sofort schwindlig wurde. Das kann nur bedeuten, dass der Hund kurz zuvor eine hohe Menge Gift genommen hatte», sagt Weber.

Hunde an der Leine halten

In einem Punkt sind sich Weber und Menzi aber einig: Die Hundehalter sollen auf ihre Hunde aufpassen und diese an der Leine halten, nicht nur am Obersee. Dort vielleicht ein wenig mehr. «Wir sind aber froh, dass seit den Vorfällen nichts mehr passiert ist», so Menzi.

Für Andrea Fäh ist sowieso klar: «Giftköder auszulegen ist bestimmt nicht die Lösung eines Problems. Bei gegenseitiger Rücksicht und Toleranz wäre es gar keines mehr.»

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