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«In Bondo soll wieder normales Leben möglich sein»

Bundesrat Guy Parmelin hat sich als Armeevorsteher am Mittwochmittag selber ein Bild von den Zerstörungen in Bondo und der Arbeit der Armeeangehörigen gemacht. Die Räumungsarbeiten laufen weiter auf Hochtouren.

Stefan
Bisculm
Mittwoch, 13. September 2017, 16:15 Uhr Bundesrat in Krisengebiet

Mehr als eine magistrale Kurzvisite lag nicht drin. Nur knapp zwei Stunden blieben Bundesrat Guy Parmelin, um sich selber ein Bild von der Situation nach den Felsstürzen in Bondo zu machen. Denn bereits um 16 Uhr wurde er wieder an einer Sitzung in Bern erwartet. Als Vorsteher des VBS interessierte Parmelin sich vor allem für die Arbeit der rund 50 Einsatzkräfte der Armee, die für die Sicherheit und Überwachung rund um Bondo verantwortlich sind. Zusammen mit dem Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb flog Parmelin mit der Heli Bernina zuerst auf die Sciora-Hütte, wo die Armee rund um die Uhr die Bewegungen am Pizzo Cengalo beobachten und die Experten damit rechnen, dass in nächster Zeit nochmals bis zu einer Million Kubikmeter Felsmasse zu Tale stürzen werden.

Unterstützung für Bondo zugesichert

Wieder im Tal wurde er in Promontogno von Gemeindepräsidentin Anna Giacometti empfangen. Im Gespräch vor den Medien versicherte er der Gemeindevertreterin, dass sie auf seine Unterstützung zählen könne. Und zwar nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft. «Denn das ist unsere Hauptsorge: Dafür zu sorgen, dass in Bondo wieder ein normales Leben möglich sein wird.» Dafür sei ein langfristiges Engagement nötig.

Anna Giacometti freute sich über den Besuch. Es sei gut zu wissen, «dass unser Schicksal auch die Politiker in Bern und Chur beschäftigt». Die Solidarität, die das Bergell in der Zeit seit dem Felssturz erleben dürfe, sei ein Lichtblick für die Bevölkerung. «Dank der Unterstützung und den Spenden können die betroffenen Bewohner vorwärtsschauen.»

Als sichtbares Zeichen für die ungebrochen grosse Solidarität trugen sowohl Giacometti als auch Parmelin eine blaue Jacke mit der Aufschrift «Bondo con amore». Die Jacke ist Teil einer Spendenaktion aus dem Müstertal. Das Unternehmen Print Stick spendet für jede verkaufte Jacke zehn Franken an Bondo.

Aufräumarbeiten laufen

Vor dem Gemeindehaus von Promontogno erklärte Jann Brosi, Verantwortlicher für die Aufräumarbeiten in Bondo, Parmelin die Ausgangslage im Tal. Derzeit sind dort 13 Bagger dabei, die verbliebenen rund 300 000 Kubikmeter Geröllmassen aus dem Auffangbecken wegzuschaffen, damit man für einen neuen Murgang wieder gewappnet wäre. Derzeit gilt für die Arbeiter immer noch die 4-Minuten-Regel. Das heisst, alle müssen im Falle eines Felssturzes in vier Minuten die Gefahrenzone verlassen können. Erst wenn das Auffangbecken ausreichend geleert ist, könne die 4-Minuten-Regel aufgehoben und die Zahl der Maschinen für die Aufräumarbeiten erhöht werden. Das ist dann auch der Zeitpunkt, wenn eine langfristige Rückkehr der Bewohner der Gefahrenzonen infrage kommt. Gemäss Martin Bühler, Gesamtleiter des Führungsstabes der Gemeinden, dauert es bis dahin aber «mindestens noch zwei Monate».

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