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Aus dem Internet:
«Wie hinter fortgewehten Hüten so jagen wir Terminen nach.
Vor lauter Hast und Arbeitswüten liegt unser Innenleben brach...
Wir sind Tagaus Tagein ein Traber und sitzen kaum beim Essen still.
Wir merken, dass wir Herzen haben erst, wenn die Pumpe nicht mehr will.»
Was ist das Leben? Nur ein Jagen nach Geld und Ruhm? Nach Ehre und Glück?
Nur ein Hasten von einem Tag zum anderen unter viel Zeitdruck? Schon oft hat es mich bewegt, wenn Menschen ganz plötzlich aus dem Leben gerissen wurden, ohne Abschied nehmen zu können.
Vor wenigen Tagen starb mit 87 Jahren der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot. Alle Presseorgane widmeten seinem Leben große Schlagzeilen. Von Bülow trug auch maßgeblich zur Erhaltung kirchlicher Gebäude in seiner Heimatstadt Brandenburg an der Havel bei. Für die Sanierung des Doms, St. Peter und Paul, warb er in einer Rundbriefaktion und erzielte mehr als eine Million Mark an Spenden. Er hat den nachdenklichen Satz geprägt: «Kaum ist man geboren, ist man schon achtzig!» Beim Lesen dieser Aussage erinnerte ich mich an meine Mutter.
Sie wurde kurz vor ihrem 85. Geburtstag in die Ewigkeit gerufen. Nicht lange vor ihrem Tod hat sie an ihrem Krankenbett den erstaunlichen Satz zu mir gesagt: «War das Leben kurz! » Damals dachte ich: Mutter, du durftest doch alt werden. Seltsam: Heute denke ich das Gleiche: Ist das Leben kurz! Geht es Ihnen auch so? Zumindest den Älteren unter uns? Unsere Lebenszeit, und wenn sie 70, 80 oder gar 90 Jahr dauert, ist im Blick auf die Ewigkeit, die auf uns wartet, nur mit Bruchteilen von Sekunden zu vergleichen.
In jungen Jahren kann man es oft kaum erwarten, bis die Schulzeit, die Ausbildungszeit oder die Studienzeit zu Ende ist. Im Alter dagegen – so jedenfalls das subjektive Empfinden – vergehen die Stunden und Tage wie im Flug, rasend schnell. Man möchte die Tage anhalten, möchte, dass das Leben weniger schnell abläuft. Aber dieser Wunsch lässt keine Stunde langsamer verlaufen. Jemand hat gesagt: «Das Alter erkennt man daran, dass man mehr Freude an der Vergangenheit als an der Zukunft hat.» Unser Leben läuft unaufhaltsam ab, wie eine Sanduhr und mündet ein in den großen Ozean der Ewigkeit. Ein Afrikaner sagte einmal: «Ihr in Europa habt die Uhr – wir Afrikaner haben die Zeit.»
Es ist bezeichnend, wie, besonders in unseren Tagen der hoch technisierten Zeit, viele Menschen keine Zeit mehr haben. Alles wird, durch moderne Kommunikationsmittel wie Telefon, E-Mail, Internet, SMS, viel schneller abgewickelt als früher. Von einem Kontinent zum anderen. Dennoch fühlen wir Menschen uns getrieben, vielleicht gerade deshalb. Der verstorbene Kunstmaler Chr. K. Baur hat in einem Gedicht folgenden Satz festgehalten: «Liebt euch, Lebende, die Zeit entflieht! Blumen auf den Gräbern kein Toter mehr sieht!»

Vgl. meinen K-tipp-Leserbrief: «Auf Grabsteinen steht RUHE IN FRIEDEN, warum nicht bereits zu Lebzeiten?» und meine Kommentare:
https://www.suedostschweiz.ch/kultur-musik/2018-09-29/die-schlagerparad…
https://www.suedostschweiz.ch/kultur-musik/2018-09-30/so-wurde-am-samst…
https://www.suedostschweiz.ch/blogs/ja-und/2020-02-07/ein-spital-in-zeh…

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