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Erdbeben in Landquart, alle Verschütteten gerettet

Das Happy End einer Rettung hat mit Menschen, Hunden und Maschinen zu tun. Ist das Team eingespielt, stehen die Chancen, Überlebende zu bergen, gut. Wenn nicht, muss immer wieder geübt werden.

Pierina
Hassler
Montag, 23. April 2018, 10:11 Uhr Rettungsübung

Freitag, 16 Uhr, in Landquart. Die Erde bebt. Bei der Polizei gehen die ersten Meldungen ein. Vieles ist unklar, es heisst aber, an der Austrasse Nummer 1 sei ein Gebäude der Rhätischen Bahn in sich zusammengestürzt. Sehr wahrscheinlich würden Menschen unter den Trümmern liegen. Polizei an die Stützpunkt-Feuerwehr Landquart: «Sofort ausrücken.»

Alles nur eine Katastrophenübung – aber nicht weniger ernst zu nehmen. «Es ist wichtig, im Falle einer Katastrophe die verschiedenen Partnerorganisationen, also Zivilschutz, Sanität, Hundeführer, gut zu kennen», sagt Daniel Stefanelli, Kommandant der Stützpunkt-Feuerwehr Landquart. «Man muss wissen, wer für was zuständig ist, und man muss auch wissen, welche Organisation welche Materialien und Maschinen hat.» Seine Feuerwehr habe beispielsweise keinen Bagger, so Stefanelli. «Aber der Zivilschutz natürlich schon.»

Realitätsnahe Übung

Die Idee zu dieser Gross-Veranstaltung hatte Gilbert Zimmermann, Oberbauleiter bei der Rhätischen Bahn. Der Mann arbeitet auch für die «Rettungskette Schweiz». Eine Organisation, die unter der Leitung der humanitären Hilfe des Bundes steht. Sie ist auf Ortung, Rettung und medizinische Erstversorgung von Verschütteten nach Erdbeben im Ausland spezialisiert. Zimmermann ist ein Profi.

«Solche Katastrophenübungen müssen regelmässig geübt werden, allerdings steht uns nur selten eine Eins-zu-eins-Situation zur Verfügung», sagt Zimmermann. Im Zuge des Neubauprojekts «Infrastruktur-Interventionsstützpunkt» in Landquart müsse das Gebäude der ehemaligen Elwerag abgebrochen werden. «Die RhB hat das Abbruchgebäude für den Zivilschutz Graubünden freigegeben», so Zimmermann. «Ein Glücksfall.» Dies biete jetzt Gelegenheit, eine realitätsnahe Katastrophenübung durchzuführen.

Von der Feuerwehr zu den Rettungshunden. Jeremias Janki bildet seit 1977 Rettungshunde aus. Auch er selber ist ein Rettungsprofi. «Wenn ein Erdbeben ein Haus zum Einstürzen bringt, kann das Überleben der verschütteten Menschen davon abhängen, ob Katastrophenhunde eingesetzt werden», sagt Janki.

«Die RhB hat das Abbruchgebäude für den Zivilschutz Graubünden freigegeben.»

Vor Ort in Landquart sind Saphira, Bosco und Eve. Die Hunde haben folgenden Auftrag: Saphira wird losgeschickt. Falls sie einen Menschen unter den Trümmern ortet, sollte sie verharren und bellen. Ihr Job ist erledigt. Bosco und Eve erledigen die Nachkontrolle – verharren und bellen sie am gleichen Ort wie Saphira, kommen die Tiefenretter.

Impressionen der Übung. CORINA THÖNY

Auch noch ein Nachbeben

Die Suche von mehreren Hunden sei wichtig, erklärt Janki. Die Rettungsspezialisten müssten einigermassen sicher sein, dass am angegebenen Ort jemand liege. «Sonst geht nur wertvolle Zeit verloren.» Die drei Hunde machen einen tollen Job – zur Belohnung gibt es Würstchen und viel Lob.

Der Tiefenrettungszug des Zivil- schutzes Graubünden versucht, unter Tonnen von Steinen eine Frau zu bergen. «Sie liegt unter Teilen einer armierten Betondecke», erklärt Zimmermann. Dies sei problematisch. Und als ob dies nicht schon genug Katastrophe wäre, ertönen noch Warnsignale: «Ein Nachbeben», schreien die Retter. Auf und weg. Die Retter müssen sich in Sicherheit bringen.

Ein Einsatz, der sich lohnt

Neben Bolzenschneider, Presslufthammer, Scheibentrenner und anderen wichtigen Werkzeugen haben an der Katastrophenübung in Landquart knapp 60 Leute, drei Hunde und vier «Verschüttete» mitgemacht. Sie alle haben ihr Bestes gegeben. «Man kann nicht nur halb mitmachen», sagt ein Zivilschützer. «Im Ernstfall muss es klappen.» Deshalb würden sich solche Katastrophenübungen lohnen.

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