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Rein ins Zirkus-Vergnügen

Rein ins Zirkus-Vergnügen

Das neue Knie-Programm «Smile» beweist, dass auch Zuschauer Komödianten sind. Und Zebras mindestens so gelehrig wie Pferde.

Südostschweiz
vor 5 Jahren in
Ereignisse

Sekunden noch bis zum Auftakt des neuen Programms des Circus Knie: Die Spannung im Zelt ist gewaltig. Denn dieses Jahr bricht Knie eine fast hundertjährige Tradition: Auf seiner 98. Tournee zeigt er erstmals keine Elefantennummer. Wird man die Dickhäuter vermissen? Und kann Starclown David Larible sein Versprechen, das Zirkusmotto «Smile», einlösen?

Zum Spiel einer einsamen Geigerin steht ein älterer Zuschauer auf, läuft zum Manegenrand und wird vom zwölfjährigen Chris Rui Knie an einen Tisch geführt. Tänzerinnen verpassen ihm eine rote Nase. In die übergrosse Pluderhose springt der Mann vom Tisch aus. Fertig ist seine Verwandlung in den berühmten Zirkusclown David Larible.

Wassergläser im Spagat

Mit einer Jonglage von David Larible gehts gleich weiter, allerdings mit dem gleichnamigen Sohn des Clowns. Egal ob Kegel, Teller oder Hütte, der Nachwuchs jongliert alles mit unglaublicher Leichtigkeit. «Das ist doch gar nichts», sagt sich sein Vater unbescheiden und zeigt, wie man mit ein paar Wassertropfen Schweinwerferlicht wie Kerzen auslöschen kann. Zumindest meistens.

Zum Lachen bleibt kaum Zeit, denn schon folgt ein akrobatischer Höhepunkt: Pyongyang Pas de Deux nennen sie ihre Nummer, und man traut seinen Augen kaum: Im Handstand auf den Schultern ihres Partners balanciert die Artistin ein Tablett mit sieben gefüllten Champagnergläsern – auf einem langen Stock. Egal ob Spagat oder Pirouette, die Gläser zwei Meter über ihr wackeln nicht mal.

Chanson für ein paar Pferde

Das kann Clown David Larible schwer übertrumpfen. Deshalb steht er jetzt in der Manege und singt ein trauriges französisches Chanson. Derweil zeigt Fredy Knie junior eine traditionelle Pferdedressur – fertig ist der poetische Zauber des klassischen Zirkus – ganz   Knie.   Mehr braucht es manchmal gar nicht.

Freiwillige vor

Auch das nächste Duo steht im Zeichen der Musik. Zu den Klängen von «Singing in the Rain» tänzeln Nikolay Shcherbak und Sergey Popov lässig in der Manege. Als wärs ein Zweikampf, schwingen sie sich gegenseitig durch die Luft, um der Landung gleich noch ein paar Saltos hinzuzufügen. Kraftzehrende Handstände wirken bei ihnen locker – auch einhändige – und so absolut mühelos, dass man sie am liebsten gleich selber ausprobieren würde.

Aber vielleicht schaut man doch besser David Larible zu, wie er in den Zuschauerrängen nach «Freiwilligen» sucht. Die sollen ihm nämlich beim Jonglieren mit Tellern helfen. Dumm nur, dass diese Teller bei unsachgemässer Berührung sofort zerbrechen. Und während Laribles drei Opfer die hohe Kunst des Tellerwerfens üben, ist die Manege schon bald von Scherben bedeckt.

Die trabende Pyramide

Im Nu ist die Manege aber gesäubert und bereit für die Fratelli Errani, drei Brüder in Aktion: Ihre Rückwärtssaltos mit Landung auf dem Rücken zweier trabender oder galoppierender Kaltblutpferde sind ein weiterer Höhepunkt. Atemberaubend, auch wenn man erkennt, dass die Nummer noch nicht perfekt sitzt: Mehrmals entgeht Maycol Errani haarscharf einem Sturz vom Pferderücken. Öfters rutscht er aus, bleibt nur knapp auf den Beinen. Waghalsig wirds, als der Artist einen Salto von einem Pferd zum anderen vollführt. Er steht den Sprung. Das Publikum applaudiert frenetisch. Zusammen mit seinen Brüdern posiert er schliesslich er auf dem Pferderücken als menschliche Pyramide. Zuoberst thront die fünfjährige Chanel Marie und geniesst, ganz Zirkusmädchen, jede Sekunde ihres Auftritts.

Die Familie Knie hat mit 45 Artisten aus sieben Ländern ein beeindruckendes Programm bereitgestellt. Der Premiere am Donnerstag folgen in den nächsten Monaten 343 Vorstellungen an 41 Spielorten. (Jérôme Stern)

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