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Bienen leiden unter Pestiziden

Pestizide können nach neuen Studien eine der Ursachen für das Bienen- und Hummelsterben sein. Das bekräftigen zwei Untersuchungen im Fachjournal «Science».

Südostschweiz
Donnerstag, 29. März 2012, 23:01 Uhr
Pestizide stören den Orientierungssinn von Bienen (Symbolbild).

Boston/Berlin. – Die beiden Experten-Teams erforschten die Wirkung von Neonicotinoiden. Diese Gruppe von Insektiziden kommt in zahlreichen Ländern zum Einsatz.

Wissenschafter aus Frankreich entdeckten, dass das Gift die Orientierung der Bienen stört. Das Forscherteam vom Nationalen Institut für Agrar-Forschung in Avignon (Frankreich) klebte winzige Mikrochips an die Körper der Versuchsbienen.

Einige der kleinen Tiere kamen in Kontakt mit dem Insektizid Thiamethoxam. Diese Bienen starben zwei- bis dreimal häufiger weit entfernt von ihrem Nest als die Tiere ohne Gift. Das Insektizid habe die Orientierung der Bienen gestört, so das Fazit der Wissenschafter.

Die Daten aus den Mikrochips nutzten die Forscher, um Flugrouten zu berechnen. Offenbar hatten die belasteten Bienen irgendwann eine Entfernung erreicht, von der aus es schwierig war, zurückzufinden.

Ein zweites Forscherteam aus Grossbritannien entdeckte, dass Hummelvölker nach der Behandlung mit den Insektiziden stark ausgemerzt waren. «Einige Hummelarten sind enorm zurückgegangen. Beispielsweise in Nordamerika sind manche Arten mehr oder weniger komplett vom Kontinent verschwunden», schreibt der Forscher Dave Goulson von der schottischen Universität in Stirling. In Grossbritannien seien bereits drei Arten ausgelöscht.

Goulsons Team setzte Hummelvölker dem Insektizid Imidacloprid aus. Die Dosis war jener ähnlich, der die Tiere in der Natur begegnen. In einer geschlossenen Umgebung hausten die Hummeln sechs Wochen lang unter natürlichen Bedingungen.

Zu Beginn und am Ende des Experiments wogen die Forscher die Nester mit dem gesamten Inhalt: Hummeln, Wachs, Honig, Larven und Pollen. Die belasteten Kolonien waren im Durchschnitt acht bis zwölf Prozent kleiner als die Kontrollgruppe.

Ausserdem entdeckten Goulson und seine Kollegen, dass die behandelten Hummeln etwa 85 Prozent weniger Königinnen hervorgebracht hatten. Dies sei ein wichtiger Punkt: Die Zahl der Königinnen beeinflusse die Zahl der neuen Nester im kommenden Winter.

Auch in der Schweiz machte das Bienensterben in den vergangenen Jahren Schlagzeilen. Laut den Experten ist neben den Insektiziden vor allem die agressive Varroamilbe (Varroa destructor) für das Phänomen verantwortlich.

Sie beisst sich an den Insekten fest, wie ein Blutegel bei Säugern - aber mit dramatischerer Wirkung. Durch die milden Temperaturen im vergangenen Jahr waren die Milben laut Wissenschaftern sehr lange aktiv und verstärkten so ebenfalls das Bienensterben. (sda)

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