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Klimaneutrale Destinationen in Graubünden

Fachhochschule
Graubünden
29.03.22 - 17:51 Uhr
Bild Fachhochschule Graubünden

An der Fachhochschule Graubünden wird ausgebildet und geforscht. Über 2000 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog geben Studierende, Dozierende und Mitarbeitende Einblicke in den Hochschulalltag und in Themen, welche sie gerade beschäftigen.

von Christian Baumgartner

Der Klimawandel geht alle etwas an. Folglich gilt dieses Phänomen auch als eine der grössten gesellschaftlichen Herausforderungen, für welche gemeinsam nach Lösungen gesucht werden muss. Die Schweizer Regierung hat Netto-Null für 2050 beschlossen. Doch was bedeutet das für das Reisen?

Netto-Null bedeutet, dass die Schweiz spätestens im Jahr 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen wird, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Daraus ergeben sich sowohl für die Tourismuswirtschaft wie auch die Reisenden grosse Herausforderungen: So müssen nicht nur die Unterkünfte komplett mit erneuerbarer Energie versorgt werden, sondern auch der gesamte Transport – von Lebensmitteln, Gütern wie Reisenden – muss klimaneutral erfolgen.
Das steigende Bewusstsein der Bevölkerung für Klimaschutz – Stichwort Flugscham – hat auch die Schweiz erreicht. Immer mehr Reisende wollen auch ihren Urlaub mit klima-positivem Gewissen erleben können.

Bisher gibt es in der langfristigen Klimastrategie der Schweiz dafür allerdings keine konkreten Konzepte für den Tourismus. Strukturierte Klimamassnahmen gibt es bisher vor allem auf betrieblicher Ebene, etwa über die Ibex Fairstay Zertifizierung für Hotels oder das myclimate Cause we Care Programm. Ganze Regionen oder Destinationen kennen ihren Klima-Fussbadruck bisher nicht genau und haben keine Programme zur Klimaneutralität. Das sollte sich nun ändern.

Arosa und Valposchiavo arbeiten zusammen mit dem Tourismusinstitut der Fachhochschule Graubünden und myclimate, um ihre Destinationen klimaneutral zu gestalten, und zwar schon vor 2050. Erfahrungen mit verantwortungsvoller Planung haben die beiden Regionen bereits mit der ganzheitlichen Destinationsstrategie «Arosa 2030» bzw. dem Projekt «100 % Valposchiavo» gewonnen, nun geht es um konkrete Schritte im Klimaschutz. Bisherige Konzepte «klimaneutraler Destinationen» greifen sehr kurz: Meist wird ausschliesslich auf die betrieblichen Emissionen geschaut, aber Mobilität wie auch die konsumierten Lebensmittel und deren Klimafussabdruck bleiben ausgespart.

Anders im Projekt KlimDest: Hier wird die FH Graubünden mit myclimate erstmals einen umfassenden Klimafussabdruck einer Tourismusdestination berechnen. Dieser genaue Fussabdruck soll es ermöglichen, gezielten Massnahmen zur Vermeidung, Verringerung und Kompensation des unvermeidbaren Rests zu erarbeiten, um schliesslich Netto-Null zu erreichen. Die Massnahmen leisten dabei gleichzeitig einen lokalen und regionalen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, kommen also unmittelbar den Menschen vor Ort zugute.

Die grosse Herausforderung wird die Kommunikation an die Gäste sein. Hier werden die ganz konkreten Vorteile eines klimafreundlichen Verhaltens in den Vordergrund gestellt, beispielsweise die deutlich stressfreiere Anreise, die so zum Teil des Urlaubs wird, oder auch die hohe Qualität und Gesundheit regionaler Lebensmittel, die in den Restaurants verkocht werden.

Es ist wichtig, die Gäste zu Verbündeten auf dem Weg zu Klimaneutralität zu machen, um die dafür notwendigen Verhaltensänderungen erreichen zu können. Gäste sind ein bedeutender Teil der Lösung. Denn Klimaschutz geht alle etwas an!

*Christian Baumgartner ist Dozent am Institut für Tourismus und Freizeit der FH Graubünden. Alle vier Wochen diskutiert die Fachhochschule Graubünden an dieser Stelle aktuelle Themen aus Lehre und Forschung.

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