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Das digitale Vertriebsnetzwerk für regional produzierte Produkte

Fachhochschule
Graubünden
19.04.22 - 17:18 Uhr
Luftaufnahme: Die Val Lumnezia.
Luftaufnahme: Die Val Lumnezia.
Archivbild

An der Fachhochschule Graubünden wird ausgebildet und geforscht. Über 2000 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog geben Studierende, Dozierende und Mitarbeitende Einblicke in den Hochschulalltag und in Themen, welche sie gerade beschäftigen.

Das Konzept von Stizun Lumnezia ist in mehrfacher Hinsicht neuartig und innovativ. Einerseits werden Sortiment und Angebot einer Vielzahl von Produzierenden zusammengeführt. Anderseits ist dieses integrierte Angebot attraktiv für B2B-Kunden im Hotel- und Gastrobereich oder im Detailhandel. Die Koordinationsaufwände im Einkauf von regionalen Produkten direkt vom einzelnen Produzierenden sind für diese Kundschaft zu hoch, um selbst ein ganzes Netzwerk von Produzierenden zu unterhalten. Hier kommt Stizun Lumnezia zum Zug. Stizun Lumnezia senkt diese Aufwände durch Integration von vielen Produzierenden und bietet trotzdem dieselbe ‘direkt vom Hof’-Qualität und eine direkte Beziehung zu den Produzierenden.

Für die FHGR und mich begann die Zusammenarbeit mit dem Team von Stizun Lumnezia im Mai 2021. Seither darf ich als Projektleiter und Konzepter der ersten Stunde das Projektteam aus lokalen Vertretern, der Genossenschaft ViVal und der Stiftung U.W.Linsi beraten und begleiten. Der Auslöser zum Projekt war die Herausforderung, den Dorfladen in Vignogn und damit ein Stück Dorfleben zu erhalten. Das bisherige Projektteam hatte bereits eine Umfrage bei der Bevölkerung und den Gästen in der Region gemacht, um das Interesse am Erhalt des Dorfladens zu erheben. Das Echo war eindeutig. Mit dem Dorfladen würde auch ein letztes Stück Dorfleben aus dem Dorf verschwinden. Der Laden soll gerettet werden.

Neue Ideen waren gesucht. Das Geschäft muss zusätzlichen Umsatz durch ein zusätzliches Geschäft generieren. Der Dorfladen allein wird nicht überleben können. So entstand die Idee des Handels mit Produkten – grösstenteils Nahrungsmittel - aus der Region. Mit Vignogn als Zentrale und ‘Flagship Store’ einer neuen Marke von regional hergestellten Produkten und dem Aufbau eines professionalisierten Direktvertriebs an B2B-Kunden und auch B2C-Kunden in der Region und vor allem Auswärts könnte der nötige Zusatzumsatz erzielt werden. Somit stand die Vision fest. Auf diese Weise werden gleich zwei Herausforderungen neu zu einer Stärke kombiniert: Der erhalt des Dorflebens und die Stärkung des Vertriebs der lokalen Produktion.  

Stizun Lumnezia koordiniert einerseits die einkaufsseitige Zusammenarbeit mit Produzierenden und weiteren Lieferenten von Regional- oder auch Standardprodukten. Anderseits baut Stizun Lumnezia Beziehungen zu Kunden aus der Region und natürlich ausserhalb der Region auf – sogenannte Fernkunden B2B und B2C.

Ermöglicht wird dieses Geschäftsmodell durch Digitalisierung. Die Koordination eine Vielzahl von Produzierenden mit kleinerem und mittlerem Angebot, die Akquisition B2B-Kunden in der Region und der ganzen Schweiz, die Logistik-Planung usw. wären ohne sei nicht wirtschaftlich machbar. Die Plattform Stizun Lumnezia wird allen Produzierenden eine App zur Verfügung stellen, mit der Sie alle ihre Verkäufe planen und abwickeln können. Sie geben auch an, wann im Jahresverlauf welche Produkte und Mengen verfügbar werden. Die Kunden können das so zusammengeführte Angebot sehen und ihre Bestellungen planen und verwalten. Somit wird es möglich, grössere B2B-Kunden regelmässiger und mit grösseren Mengen zu beliefern.

Ohne digitale Plattform und Internet wäre das Geschäftsmodell nicht rentabel umsetzbar. Das ist heute zum Glück anders und das ist ein sehr schönes Beispiel der Chancen der Digitalisierung. Ein neuartiges Geschäftsmodell wird möglich, wirtschaftlich und die Perspektiven als Produzierende im Tal können im Erfolgsfall von Stizun Lumnezia wesentlich verbessert werden. Vielleicht wird es künftig sogar möglich sein, die Produktion in der Region zu steigern. Stizun Lumnezia ist kein Spezialitätenvertrieb. Es gibt bestimmt auch Spezialitäten im Sortiment, aber der Fokus liegt auf dem Vertrieb von Produkten wie Fleisch, Käse, Konfitüre usw. die in der Region und unter sehr guten Rahmenbedingungen hergestellt und also von sehr guter Qualität sind.

Mehrere Megatrends werden mit diesem Modell angesprochen und genutzt, resp. in der Realität umgesetzt: regionale Produktion, regionale Produkte, Nachhaltigkeit, gesunde Produkte, gesunde Ernährung, gesunde Nutztiere und sogar die regionale Kreislaufwirtschaft.

Im Verlauf der Zusammenarbeit seit Mai 2021 wurde nebst der Schärfung des Konzepts bereits einiges erreicht. Der Dorfladen konnte im November 2021 neu eröffnet werden. Er verfügt über einen kleinen Bistroteil, wo man sich im Dorf treffen kann. Stizun Lumnezia hat ein eigenständiges Logo und auf Weihnachten 2021 hin stand auch bereits die Website und es konnte ein erstes Produkt ‘Stizun Lumnezia Geschenkkorb’ bestellt werden. Die Idee hiervon war, einen Botschafter für das kommende im Laden und auf der Website zu haben und das Projekt auf die Wintersaison hin bekannt zu machen. Übrigens, die Website wurde von einem Startup von FHGR-Studierenden erstellt. Auch auf Social Media ist Stizun Lumnezia aktiv. Man findet es auf LinkedIn, auf Twitter, auf Instagram und auf Facebook. Sitzun Lumnezia baut so parallel zur Projektumsetzung auch die eigene Community auf. Künftig sollen auch Events und Erlebnisse rund um die regionale Produktion einen zusätzlichen Beitrag zum Gesamtumsatz leisten.

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