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Mit Smart Speakers und humanoiden Robotern Fremdsprachen lernen

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FHGR
Chur

An der Fachhochschule Graubünden in Chur wird ausgebildet und geforscht. 1600 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog geben Studierende, Dozenten und Mitarbeiter Einblicke in den Hochschulalltag und in Themen, welche sie gerade beschäftigen.

von Simonne Bosiers

Seitdem Smart Speakers, allen voran Echo Plus von Amazon mit dem Sprachassistenten Alexa und Google Home mit Google Assistant, erschwinglich geworden sind und in manchen Haushalten Einzug genommen haben, könnte man leicht auf die Idee kommen, mit ihrer Hilfe eine Fremdsprache zu erlernen. Denn die beste Methode, um eine Fremdsprache wirklich gut und schnell zu erlernen, ist, wenn man sich eine/n Muttersprachler/in als Freund oder Freundin zulegt. Logisch, denn so ist die intrinsische Motivation am höchsten.

Die Nachfrage nach Sprachkursen wächst ungebremst, nicht zuletzt, weil eine globalisierte Welt bessere Sprachkenntnisse erfordert. So liegt es nahe zu erproben, inwiefern neue Medien den Lernprozess unterstützen können. Laut Michael Kerres macht eine Kombination von klassischen Lehr- und Lernformen mit mediengestützten Formen durchaus Sinn. Beim Sprachenlernen ist das Üben von Vokabeln und Artikeln sowie das Konjugieren von Verben, während man gleichzeitig Routineaufgaben im Haushalt oder im Büro erledigt, ein Doppelgewinn. Ausserdem bekommt man das Gefühl, einen menschenähnlichen Gesprächspartner als Gegenüber zu haben.

Humanoide Roboter, wie Pepper von der Firma Softbank, werden in unterschiedlichen Anwendungsgebieten experimentell eingesetzt. Im Zürcher SBB-Bahnreisezentrum wurden die Reisenden eine Zeit lang von Pepper empfangen. Leider wussten sie noch nicht so recht, wie ein humanoider Roboter anzusprechen ist. Pepper kann zwar sehr gut Hochdeutsch, aber er versteht keinen einzigen Schweizer Dialekt. Er könnte dazu programmiert werden, nur schweben die Kosten pro Dialekt im höheren sechsstelligen Bereich. Gleichwohl könnte ein humanoider Roboter für das Üben von einfachen, standardmässigen Konversationen eine Hilfe sein. Will man Englisch, Spanisch oder eine andere offizielle Sprache erlernen, so könnte ein humanoider Roboter zum neuen Freund werden.

Dank Künstlicher Intelligenz (KI) können humanoide Roboter selber Neues lernen, sie sind also lernfähig. Genau darin liegt zugleich eine Gefahr: Wer korrigiert das Gelernte? Was geschieht, wenn dem Roboter oder dem Sprachassistenten üble Fluchworte oder abfällige Bemerkungen beigebracht werden? Der Umgang mit diesen neuen Medien wirft viele ethische Fragen auf. Im Theaterstück «Robocare» des Casinotheaters Winterthur wird das Spannungsfeld zwischen Ablehnung gegenüber Neuem, Zuneigung für das Halb-Lebewesen, Freude am Komfort und Furcht vor dem Verlust der Privatsphäre in witzigen Dialogen und unterhaltsamer Action in seiner ganzen Breite bespielt. Trotzdem, dass die alternde, pflegebedürftige Ruth hartnäckig an ihrem Dialekt festhält, verläuft der Dialog reibungslos, und der niedliche Roboter wächst allmählich zu ihrem Herzensfreund heran. Als Insider erfährt man, dass der ganze Dialog gescriptet ist, denn Pepper hat Mühe, spontan zu reagieren.

Zum Sprachenlernen mit Spracherkennungstechnologien muss man sich also noch einige Jahre gedulden, bis die Spracherkennung Akzent-tolerant ist und die KI adäquat auf menschliche Emotionen reagiert. Ein Bewusstsein zu haben, das wird auch zukünftig uns Menschen vorbehalten sein.

 

Simonne Bosiers arbeitet als Dozentin für Interaktive Medien am Institut für Multimedia Production: htwchur.ch/imp. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur diskutiert an dieser Stelle alle vier Wochen Ideen für den Bündner Tourismus.

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