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Studium, Ruhn!

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SYMBOL / BERNHARD AEBERSOLD
Bernhard
Aebersold

An der Fachhochschule Graubünden in Chur wird ausgebildet und geforscht. Gut 2000 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog schreiben Studierende aus ihrem Alltag als Lernende, als junge Menschen und als Teil der Onlineredaktion von «suedostschweiz.ch».

Während mein letzter Beitrag zwischen überkochendem Spaghettiwasser und Fertigsaucen mitten in der Prüfungsphase entstand, melde ich mich nun spät abends aus einem schwül-heissen Kasernenzimmer aus der Zentralschweiz. Aktuell befinde ich mich in einer Weiterausbildung zum Presse- und Informationsoffizier – etwas von vielem, von dem ich lange gar nicht wusste, dass es das im Militär überhaupt gibt.

Das Studium in Chur pausiert zurzeit. Nach den Semesterprüfungen flip-flopste ich mich von einem Bündner See zum nächsten und versuchte meine Batterien mit Vitamin D aufzuladen. Nun sind die Flip-Flops den Kampfstiefeln gewichen und der Akku wird höchstens noch mit Militärbiscuits konstant gehalten.

Durchdienender Studierender

Aber warum habe ich mich überhaupt für das Militär entschieden und erst noch für eine Offizierslaufbahn? Als Student gibt es doch nichts Lästigeres, als jedes Jahr den Wiederholungskurs (WK) am Studium vorbei zu jonglieren? Angehenden Studenten wird im Vorfeld der Rekrutenschule oftmals empfohlen, den ganzen Militärdienst am Stück im sogenannten Durchdiener-Modell zu absolvieren, weil dadurch die jährlichen Wiederholungskurse wegfallen. Einem unterbruchsfreien Studium stünde damit nichts im Weg.

Für viele Studenten scheint diese Variante eine zufriedenstellende Lösung zu sein. Für mich nicht – zum Glück.

Ich kenne jemanden, der jemanden kennt

Es ist in der Tat so, dass der jährliche WK nur selten in die unterrichtsfreie Zeit fällt und Abstriche in der Präsenz an der Uni manchmal nicht zu verhindern sind. Kommt hinzu, dass Studierende manchmal mehrere Nebenjobs haben und entsprechend muss die «frohe Botschaft» der mehrwöchigen Abwesenheit gleich mehreren Arbeitgebern überbracht werden.

Rückblickend überwiegen für mich aber die Vorteile. Die Erfahrung als 20-Jähriger für 35 Rekruten verantwortlich gewesen zu sein, meine physischen und psychischen Grenzen in der Offiziersschule kennen gelernt zu haben und dabei Menschen aus allen Schichten und Gegenden der Schweiz getroffen und geführt zu haben, kann mir niemand mehr nehmen. Von diesem Netzwerk, das auch hier in diesem Kurs in der Zentralschweiz weiter wächst, profitiere ich bis heute. 

Der frühe Vogel ...

Entscheidungen für oder gegen das Militär, für oder gegen das Durchdiener-Modell, für oder gegen ein Weitermachen, sind im Vorfeld und ohne jemals einen Tag in der Armee verbracht zu haben, unglaublich schwierig zu fällen. Solche Entschlüsse allerdings nur von Erfahrungen von Freunden und vom nachfolgenden Studium abhängig zu machen, erachte ich als wenig zielführend. Viel eher zählen für mich Faktoren wie die Menschen- und Fachkompetenz meiner Vorgesetzten und wie gut es ihnen gelingt, den Sinn zu vermitteln.

Am Ende muss jeder (und irgendwann einmal vielleicht auch jede) für sich selbst entscheiden, wie er seinen Militär- oder Zivildienst absolviert. Mein Appell ist es, sich frühzeitig zu informieren, was man machen möchte und sich nicht von kurzfristigen Umständen wie dem Beginn eines Studiums verleiten zu lassen. (bae)

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