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Pendeln schadet Eurem Studentenleben

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SYMBOLBILD PIXABAY
Jürg
Huber

An der Fachhochschule Graubünden in Chur wird ausgebildet und geforscht. Gut 2000 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog schreiben Studierende aus ihrem Alltag als Lernende, als junge Menschen und als Teil der Onlineredaktion von «suedostschweiz.ch».

Wenn es eine Weltmeisterschaft im Pendeln geben würde, dann wären wir Schweizer wohl Weltmeister darin. 2016 gab es landesweit fast vier Millionen Pendler. Vier Millionen! Eine unglaubliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die Schweiz acht Millionen Einwohner hat. Hört sich beim ersten Mal surreal an, ist aber logisch. Immerhin gehört der Öffentliche Verkehr hierzulande zu den innovativsten und besten Transportmitteln der Welt. Aber das bedeutet doch nicht, dass man sich diesen Pendlerstress jeden Tag antun muss? Diese Frage stelle ich mir täglich, wenn ich meine Studikollegen – im Fachjargon auch «Kommilitonen» – sehe, wie sie mehrere Kantone zu durchqueren haben, um in der Vorlesung zu erscheinen. Man kann so viel aus seinem Studium herausholen – den Titel als Pendler Nummer Eins gehört hier sicherlich nicht dazu. 

Während andere nach der Vorlesung auf den Zug stressen, fahre ich gemütlich mit meinem babyblauen Grischa-Velo aus den 1960er-Jahren in meine Wohnung, die sich im Herzen der Churer Altstadt befindet. Trinke mit der Freundin gemütlich einen schlichten schwarzen Kaffee, schalte Netflix ein und lege gemütlich die Beine hoch. Das einzige, was mir zu schaffen macht, ist die überdimensionale Mediathek von Netflix. Von überfüllten und stickigen Zügen ist in meiner Erholphase kurz nach der Vorlesung keine Spur zu sehen. 

«Fahr ab!»

Wie schlimm Pendeln nach einem langen Tag sein kann, weiss ich nur zu gut. Immerhin bin ich in der grössten Stadt der Schweiz aufgewachsen und die ist nur so gespickt von Zügen, Trams und Bussen. Die Stadt Zürich ist das ÖV-Mekka schlechthin. Klingt hochnäsig, ist aber so. Jeden Tag zusammen mit dem ganzen Zugabteil zum Mithören von Telefongesprächen oder lauter Musik gezwungen zu werden, eine Qual. Und wenn ich schon nur an diese Menschen denke, die mit den intensiven Gerüchen von ihren Speisen ganze Wagons zu einem Street-Food-Festival verwandeln, kommt es mir beinahe hoch. 

Wie die Geschichte von Pendlern in einem Marvel-Comicheft aussehen würde? Über ihren Köpfen schwebende Gedankenblasen, die reichlich mit Blitzen, Bomben und Giftflaschen gefüllt sind. 

528 Stunden

«In diesen vier Semestern habe ich ganze 22 Tage mit Zugfahren verbracht», erzählte mir mein Kommilitone aus Biel, der in Chur wohnt und jedes Wochenende drei Stunden braucht, um wieder Zuhause zu sein. Umgerechnet sind das 528 Stunden – Tendenz steigend. Wie viele Stunden die Pendler-Studenten aus meinem Umfeld bereits hinter sich haben, weiss ich nicht und ich will es auch nicht wissen. 

Unglaublicher als 528 Stunden ist nur noch die Zahl der Dinge, die man als Pendler-Student verpasst. Als Student feiert man Partys nicht erst am Wochenende, sondern bereits am Donnerstag. Angetrunken mit einem Bier in der Hand auf dem Trottoir vor dem Club sitzen und mit Jungs und Mädels aus anderen Studiengängen über Gott und die Welt schwafeln. Am nächsten Tag dann mit zwei Stunden Schlaf wieder in der Vorlesung zu sein, wo man diese zwei Arten von Studenten antrifft: Der Student, der noch so einen hart sitzen hat, sich aber mit aller Mühe in die Vorlesung geschleppt hat und der andere, der eine ganze Stunde zu spät kommt, weil er seinen Zug «um Haaresbreite» verpasst hat. Nach diesen Worten könnt Ihr euch wohl denken, welcher Typ von Student mir eindeutig lieber ist. 

Gibt mir eine Kabine

Natürlich kommen noch andere Pluspunkte in Frage, aber diese müsst Ihr schon selbst herausfinden. Mein Laptop glüht vor Hitze und die Tastatur schreit danach, endlich in Ruhe gelassen zu werden. Diesem Wunsch komme ich gerne entgegen. Zuklappen, Kopfhörer rein und Zeit für ein Nickerchen. Liebe Grüsse aus einer Kabine der 2. Klasse in einem Zug der Deutschen Bahn Richtung Zürich. 

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