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Zwischen verschiedenen Langlauf-Welten

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Marino Capelli

Die aktuelle Situation hat ergeben, dass ich in den letzten vier Wochen Rennen auf beinahe jeder Stufe absolviert habe, vom Volkslauf über Swiss-Cup-Rennen bis zum Weltcup. Ich möchte in den folgenden Zeilen versuchen, die Unterschiede ein wenig zu erläutern.

Ich beginne mal mit dem Volkslauf. Diese Rennen bestreite ich immer voll aus dem Training heraus. Sprich, unter der Woche absolviere ich ein für die Wintermonate eher höheres Trainingspensum und schone mich nicht für das Rennen. Falls ich dann am Wochenende ein wenig müde bin, ist das egal. Es geht nur darum, ein Training unter Wettkampfbedingungen zu absolvieren. Wenn ich an einem Rennen teilnehme, an dem ich noch nie war, kenne ich nicht einmal die Strecke, da ich wirklich nur fürs Rennen hingehe. Ich bin meistens auch selber verantwortlich für die Anmeldung, die Verpflegung während des Rennens und auch für den ganzen Service. Ich muss also jemanden organisieren, der mich verpflegt (wenn die Rennen über 50 Minuten dauern) oder aber ich verpflege mich an den offiziellen Posten. Auch die Skis mache ich von A bis Z selber. Dazu schaue ich am Vortag auf der Website des Veranstalters die Wetterprognose und den Wachstipp an. Anhand dieser Informationen wähle ich einen meiner Rennskis aus und präpariere ihn fürs Rennen.

Bei den FIS-Rennen/Swiss Cup sieht das Ganze schon ein wenig anders aus. Je nach Rennen und Zeitpunkt des Rennens bereite ich mich unter der Woche spezifischer oder weniger spezifisch vor. Wenn ich wirklich mal eine Rennwoche simulieren möchte, nehme ich stundenmässig auch schon anfangs Woche etwas raus. Falls nicht, trainiere ich bis am Donnerstag normal und mache am Freitag eine spezifische Wettkampfvorbereitung. An einem Swiss-Cup-Wochenende stehen dann meist zwei Rennen auf dem Programm. Für diese Rennen reisen wir mit dem Regionalteam jeweils alle zusammen einen Tag früher an den Wettkampfort und übernachten auch dort. So haben wir noch Zeit, die Strecke kennenzulernen und auch schon mal einige Passagen schneller zu laufen, damit ich für das Rennen auch weiss, wie streng etwa der längste Anstieg werden könnte. So kann ich mir im Kopf einen Plan zurechtlegen. Dieses Prozedere gilt übrigens auch für den Alpen Cup (COC) und den Weltcup – nur, dass wir dort schon zwei Tage vor dem Wettkampf anreisen, damit wir am Tag vor dem ersten Wettkampf sicher zur Rennzeit auf die Strecke können und für die Vorbereitung genügend Zeit haben. Servicemässig müssen wir beim Swiss Cup alles ausser dem Top-Finish selbst machen.

Der Alpen Cup (COC) ist die Rennserie unter der Weltcupstufe und somit auch Sprungbrett für allfällige Weltcupselektionen. Für mich sind dies momentan die wichtigsten Rennen. Da gibt es im Vergleich zu den Swiss Cups nur geringfügige Unterschiede. Das Training wird in den Hintergrund gestellt. Das primäre Ziel ist, dass ich am Rennen meine beste Performance abliefern kann. Dazu muss ich optimal vorbereitet und gleichzeitig gut erholt sein. Zudem bin ich ab dieser Stufe mit Swiss Ski unterwegs. Im Bereich Material darf ich bis etwa eine Stunde vor meinem Start den besten Ski abgeben. Danach wird er fürs Rennen präpariert und ich kann ihn kurz vor dem Start beim Service, der übrigens von Swiss Ski und nicht von den Skifirmen gestellt wird, für das Rennen holen. Die Grundpräparation muss ich am Vorabend selber machen.

Aktuell bin ich noch nicht ganz so weit, dass ich Stammläufer im Weltcup bin. Deshalb ist es für mich eine Belohnung, wenn ich, wie vor zwei Wochen in Oberstdorf, mal starten darf. Im COC muss ich aber Topresultate erzielen um mir einen Startplatz zu erkämpfen. Die Vorbereitung verläuft sozusagen gleich wie im COC. Der grösste Unterschied zu allen anderen Stufen ist die Dienstleistung, die Swiss Ski uns Athleten bietet. Es gibt deutlich mehr Leute vom Staff, was eine engere Betreuung zulässt. So ist immer ein Physio dabei. Auch im Servicebereich muss ich als Athlet nicht mehr viel selber machen. Ein Servicemann kommt mit mir zum Skitest und zusammen bestimmen wir den Wettkampfski. Dieser wird dann präpariert und auch an den Start gebracht. Nach dem Rennen nehmen sie den Ski wieder und reinigen ihn. Ich darf mich also voll auf das Rennen konzentrieren, alles andere wird für mich erledigt. Für mich als Weltcupneuling war nur schon dieser Rundumservice etwas völlig Ungewohntes. Des Weiteren kommen am Rennen selber noch die vielen Zuschauer und Kameras hinzu, was für mich auch ungewohnt ist. Selbst beim COC gibt es nur wenige Zuschauer – und es sind höchstens Regionalmedien vor Ort.

Trotz all der Unterschiede: Vor dem Wettkampf, sobald ich eine Startnummer anhabe, möchte ich so schnell wie möglich ins Ziel kommen und gebe immer Vollgas, egal ob Volkslauf oder Weltcup.

Der 23-jährige Davoser ist Langläufer im U24-Kader von Swiss Ski. Seit er mit sechs Jahren mit dem Langlaufen begann, hat ihn diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Seit der Matura am Sportgymnasium Davos 2016 ist Capelli Profilangläufer. Für «suedostschweiz.ch» berichtet er in der Saison 2019/20 über seine Erlebnisse und Erfahrungen als Sportler.

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